Hybridkartoffelsaatgut könnte langfristig eine Alternative zu Pflanzkartoffeln werden. In Versuchen mit True Potato Seed (TPS) lagen die Erträge zwischen 26 und 50 Tonnen pro Hektar, je nach Anbaumethode und Ausgangsmaterial. Die Doktorarbeit von Luuk van Dijk an der Wageningen University & Research (WUR) zeigt, welche Anbauentscheidungen und Rahmenbedingungen dabei entscheidend sind.
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Kartoffeln aus Hybridkartoffelsamen, die direkt auf dem Feld ausgesät wurden (Foto: Luuk van Dijk, WUR)
In Nordwesteuropa werden Kartoffeln derzeit aus Pflanzkartoffeln angebaut: Knollen, die vegetativ vermehrt werden. Dieses System hat einen niedrigen Vermehrungsfaktor, wodurch mehrere Anbausaisons erforderlich sind, um ausreichend Ausgangsmaterial aufzubauen. Zudem steigt das Risiko unter anderem für standortbedingte Krankheiten im Pflanzgut. Darüber hinaus sind Pflanzkartoffeln groß und leicht verderblich, was hohe Anforderungen an Lagerung, Transport und Logistik stellt. TPS hingegen ist klein, nicht verderblich und hat einen viel höheren Vermehrungsfaktor. Außerdem bietet es krankheitsfreies Ausgangsmaterial.
Sämlinge aus dem Gewächshaus: Steuerung von Timing und Dichte
In Feldversuchen mit im Gewächshaus gezüchteten Setzlingen untersuchte Van Dijk unter anderem die Wirkung des Anhäufelns, also das Aufschichten von Erde um Pflanzen herum, um Wachstum und Wurzelbildung anzuregen. Dies hatte keinen Einfluss auf den Gesamtertrag in Kilogramm, wohl aber auf die Knollenanzahl: In angehäuften Beeten wurden mehr Knollen geerntet als in nicht angehäuften Beeten. Die Erträge aus diesen Versuchen lagen bei 26 und 32 Tonnen pro Hektar. Damit liegen sie nahe an den durchschnittlichen Erträgen von Pflanzkartoffeln. Die Ergebnisse wurden in einer Studie veröffentlicht, in der erstmals derart hohe Erträge für aus Saatgut gezüchtete Kartoffeln berichtet wurden.
Auch der Zeitpunkt der Pflanzung erwies sich als wichtig. Eine frühe Pflanzung im März war mit dem Risiko von Ertragsverlusten durch Kälte und Frost verbunden. Ein spätes Auspflanzen im Juni führte hingegen zu geringeren Erträgen aufgrund einer kürzeren Wachstumsperiode als beim Auspflanzen im April oder Mai. Das Alter der Setzlinge spielte keine Rolle: Sechs Wochen alte Setzlinge schnitten genauso gut ab wie jüngere, vier Wochen alte Setzlinge, was zu der Annahme passt, dass größere Pflanzen nach dem Auspflanzen einen stärkeren Umpflanzschock erleiden.
Mehrjährige Versuche zeigen zudem, dass die Pflanzdichte ein wichtiger praktischer Regler sowohl für den Ertrag als auch für die Größensortierung ist. In einem Beetsystem auf leichtem Sandboden wurde bei 200 Pflanzen pro Quadratmeter ein Ertrag von 107 Tonnen pro Hektar erzielt. Der Ertrag in kommerziellen Größensortierungen von Pflanzkartoffeln und Frühkartoffeln lag bei maximal 64 Tonnen pro Hektar, bei einer Dichte von 50 Pflanzen pro Quadratmeter.
Direktsaat: weniger Arbeitsschritte, Fokus auf Keimung
Neben dem Auspflanzen untersuchte Van Dijk die Direktsaat auf dem Feld mit beschichtetem TPS. Ein Konzeptnachweis zeigte, dass einige Versuche 50 Tonnen pro Hektar oder mehr erbrachten. Dieser Ansatz eliminiert einen Teil der Anzucht, Planung, des Transports und des Auspflanzens aus dem Prozess. Damit entfällt auch der anfällige und teurere Schritt vom Gewächshaus zum Feld. Gleichzeitig stellt die Feldaussaat höhere Anforderungen an die Anfangsphase des Anbaus. So ist beispielsweise ausreichend Feuchtigkeit entscheidend für einen guten Austrieb.
Die Doktorarbeit macht deutlich, dass eine breite Anwendung von TPS nicht nur von der Anbaumethode, sondern auch von der Sorte abhängt. Für die Akzeptanz in der Praxis sind Hybridsorten mit Eigenschaften wie einer guten Knollengrößenverteilung und verbesserter Krankheitsresistenz erforderlich. Da in dieser Untersuchung mit experimentellen Hybriden gearbeitet wurde, ist mit weiteren Verbesserungen zu rechnen. Der Dissertation zufolge kann die Kombination aus verbesserter Genetik und TPS-Anbausystemen vor allem außerhalb Nordwesteuropas von großer Bedeutung sein. Insbesondere in Afrika südlich der Sahara werden die Chancen als groß eingeschätzt.
Die Dissertation von Luuk van Dijk findet am 23. März an der Wageningen University & Research statt.
Quelle: WUR