Die deutsche Spargelsaison 2026 steht nun in den Startlöchern: Erster Heizspargel wurde bereits geerntet, die Mengen werden in den kommenden Wochen bis zu Ostern sukzessive zunehmen. FreshPlaza.de sammelte erste Stimmen und Prognosen zur anstehenden Saison aus den unterschiedlichen Anbauregionen Deutschlands.
Brandenburg: Langer Winter führte zum Wachstumsimpuls
In Brandenburg könnte der erste Spargel in diesem Jahr zu Ostern auf den Markt kommen. Auf dem Klaistower Spargelhof dürften die Preise zum Saisonstart bei 15 bis 18 EUR pro Kilo bzw. annähernd auf Vorjahresniveau liegen. Kritik gibt es aus dem Betrieb vor allem am Mindestlohn-System, das nach Ansicht des Hofinhabers Ernst-August Winkelmann leistungsstarke Erntehelfer benachteiligt. Der lange Frost im Winter habe den Pflanzen nicht geschadet. „Er war sogar gut für die Spargelpflanzen; sie haben dadurch einen starken Wachstumsimpuls bekommen", sagt Winkelmann.
Ein großes Thema bleibt der Mindestlohn. Winkelmann kritisiert weniger die Höhe des Lohns als dessen Wirkung im Lohnsystem der Spargelernte. Ein Teil der Bezahlung richtet sich nach der Leistung – also danach, wie viele Kilogramm Spargel ein Arbeiter tatsächlich sticht. „Unsere besten Erntearbeiter verdienen schon deutlich über Mindestlohn", sagt Winkelmann. Der Mindestlohn könnte dazu führen, dass langsamere Arbeiter pro Kilogramm Spargel am Ende mehr verdienen als die besonders schnellen Kollegen.
Die Region um Beelitz ist Brandenburgs größtes Spargelanbaugebiet. Allerdings geht die Zahl der Spargelbauern insgesamt zurück, die Anbaufläche wird kleiner. Nach Angaben des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg wuchs das Gemüse 2025 auf einer Fläche von rund 3.400 Hektar. Das waren knapp 160 Hektar weniger als im Vorjahr. Die Erntemenge sank um 1.500 Tonnen auf 18.700 Tonnen.
Niedersachsen: Mechanisierung setzt sich weiter fort
Die Kosten für Erntehelfer steigen, immer häufiger kommen Maschinen auf dem Acker zum Einsatz. Bauer Max Peter Strampe sieht Schwierigkeiten für seine Branche. "Noch ist unser Hof nicht in Schwierigkeiten", erzählt Strampe – doch die Betonung liege auf "noch". Spargel sei ein "lohnintensives Gemüse ohne Ende". Seit dem 1. Januar 2026 beträgt der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland 13,90 EUR brutto pro Stunde. Um die dadurch gestiegenen Kosten decken zu können, müsse Strampe mehr in Maschinen investieren, die einen Teil der Arbeit übernehmen.
So kommen auf dem Hof sogenannte Spargelspinnen zum Einsatz. Das sind Erntemaschinen, die die Folienbahnen über dem Spargel anheben. Das erleichtert den Erntehelfern die Arbeit enorm, spart Zeit – und am Ende lässt sich dadurch der ein oder andere Erntehelfer einsparen.
NRW: Hervorragendes Frühjahr begünstigt Spargelanbau
"Wir starten mit einem hervorragenden Frühjahr und sind mit guter Laune täglich unterwegs", so Landwirt Dieter Jakobs aus Brüggen (Niederrhein). Ohne passendes Wetter funktioniert trotzdem nichts, sagt er: "Die Sonne macht die Folien erst effektiv." Mehrere Wochen müssen die Stangen noch wachsen, bis sie geerntet werden können. Allein in Nordrhein-Westfalen wurden laut einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes im vergangenen Jahr rund 17.300 Tonnen Spargel geerntet. Nur auf Feldern in Brandenburg und Niedersachsen wächst mehr von dem Stangengemüse. Bundesweit werden pro Kopf jährlich rund 1,4 Kilo Spargel verzehrt.
Bayern: Hohe Logistikkosten als Preistreiber
Im Süden des Freistaats müsse man traditionell mit hohen Spargelpreisen rechnen. Man rechnet vorerst mit einem Saisonmittel für dicke Sortierung um rund 13,25 EUR pro Kilo. Hohe Logistikkosten im Großraum München gelten dabei als Preistreiber. In Franken ist der Spargel in der Regel etwas günstiger zu erwerben, mit einem erwarteten Saisonmittel von ca. 11,75 EUR pro Kilo.
Sachsen-Anhalt: Erzeuger profitieren von vielen Sonnenstunden und höheren Temperaturen
Die Spargelsaison könnte in diesem Jahr erneut früh beginnen. Die Pflanzen profitierten derzeit von vielen Sonnenstunden und höheren Temperaturen, sagte Spargelbauer Arne Garlipp aus Tangerhütte (Landkreis Stendal). Der frühe Spargel werde aktuell mit sogenannten Sonnentunneln aus transparenten Folien abgedeckt, um möglichst viel Wärme zu speichern. Dieser Schwung werde jetzt mitgenommen, sagte Garlipp. Wenn das Wetter weiterhin so bleibe, könnte Ende März oder Anfang April mit der Ernte des frühen Spargels begonnen werden. Es sei aber ein Blick in die Glaskugel.