Die aktuelle Lage im ukrainischen Beerenobstsektor, insbesondere bei Heidelbeeren, ist trotz fehlender aktueller statistischer Daten stabil, sagt Oleksandr Pukshyn, Vertriebsleiter beim ukrainischen Beerenobstexporteur Blue Berry: „Nach den letzten offiziellen Zahlen aus dem Jahr 2021 gibt es in der Ukraine etwa 5.500 Hektar Blaubeeranbaufläche, die sich hauptsächlich auf die zentralen und westlichen Regionen konzentriert. Der Krieg hat den Eintritt neuer 'Mega-Akteure' in den Markt behindert, aber wir beschreiben die aktuelle Situation als horizontal stabil mit vertikalem Wachstum. Die Anbaufläche bleibt gleich, aber der Ertrag pro Hektar steigt, da jüngere Anpflanzungen nun voll produktiv sind. Wir gehen davon aus, dass die Statistiken der Ukrainian Blueberry Growers Association in enger Zusammenarbeit mit dem ukrainischen Landwirtschaftsministerium bis Ende 2026 dieses Wachstum widerspiegeln werden."
Pukshyn betont, dass sich der ukrainische Beerenobstsektor während des Krieges als bemerkenswert widerstandsfähig erwiesen hat. „Trotz anhaltender kriegsbedingter Herausforderungen hat sich der Sektor flexibel angepasst. Die wichtigsten Anbaugebiete bleiben in Betrieb, aber der Sektor ist von einer Phase der raschen Expansion zu einer Phase der Optimierung und Effizienz übergegangen. Die Unternehmen haben ihre Logistik und Exportwege überarbeitet, um sicherzustellen, dass das Label 'Made in Ukraine' eine stabile Position auf dem europäischen Markt behält."
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Investitionen in Nachbehandlung und Technologie
Laut Pukshyn investieren ukrainische Exporteure derzeit vor allem in die Nachbehandlungsphase: „Unsere Investitionsmöglichkeiten entsprechen weitgehend denen in Europa, da wir mit denselben globalen Herausforderungen konfrontiert sind. Die Erzeuger konzentrieren sich auf Risikominimierung und sichere Betriebsabläufe. Wichtige Investitionen sind unter anderem die neuesten Sortier- und Gefrieranlagen, um Null-Ausschuss-Quoten innerhalb der EU zu gewährleisten, Solarenergie und industrielle Batteriespeicher, um die Kühlkette bei Instabilität des Stromnetzes aufrechtzuerhalten, sowie die Einführung moderner, mittel- und spät reifender Sorten, die besser transportierbar sind, länger haltbar bleiben und die Anforderungen des Tier-1-Einzelhandels erfüllen."
Angesichts der anhaltenden russischen Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur können sich Exporteure laut Pukshyn nicht mehr auf das Stromnetz verlassen: „Die Invasion brachte beispiellose operative Herausforderungen für alle ukrainischen Unternehmen mit sich. Unsere Strategie verlagert sich von volumenorientiertem Anbau hin zu Präzisionsanbau. Die Bewässerung und industrielle Kühlung von Beeren erfordern eine stabile Stromversorgung, was aufgrund von Beschuss der Infrastruktur problematisch ist. Darüber hinaus herrscht Arbeitskräftemangel; Mobilisierung und Migration haben zu einem akuten Mangel an Erntehelfern geführt, die für die manuelle Ernte unerlässlich sind."
Ferner müssen wir mit anhaltenden Militäroperationen, einer sinkenden Kaufkraft der Bevölkerung und einem Mangel an qualifiziertem Personal rechnen. Diese Faktoren haben die Aktivitäten aller ukrainischen Unternehmen beeinflusst und zu einer Fokussierung auf neue Technologien wie automatische Erntemaschinen und Solarenergie geführt, um während der Hochsaison eine eigene Stromversorgung zu generieren.
Veränderungen auf den Exportmärkten
Auch die wichtigsten Exportziele haben sich verändert, was unter anderem auf den verbesserten Ruf ukrainischer Beeren zurückzuführen ist: „Unsere Hauptabnehmer sind jetzt die Niederländer, die die polnischen Importeure abgelöst haben, die vier bis fünf Jahre lang unsere wichtigsten Kunden waren. Diese Verschiebung ist auf die bessere Anerkennung und den besseren Ruf der ukrainischen Erzeuger und Exporteure zurückzuführen, die ein hohes Maß an Produktqualität und Professionalität bewiesen haben. Auch die polnischen Boykotte und die Blockade der ukrainischen Grenze im Jahr 2024 haben zur Suche nach neuen Märkten und Direktkunden beigetragen."
Diese Veränderungen haben zu erheblichen Verschiebungen bei den Importmengen pro Land geführt. Ende 2025 importierten die Niederlande 990 Tonnen, was einem Anstieg von 34 % gegenüber der vorangegangenen Saison entspricht. Polen kaufte 660 Tonnen, 30 % weniger als im Vorjahr. Georgien importierte 610 Tonnen (+45 %), Großbritannien 570 Tonnen (+45 %). Für Deutschland gingen die Importe um 20 % zurück, und Spanien importierte 225 Tonnen (-10 %)."
Ausblick 2026
Für 2026 liegt der Fokus laut Pukshyn auf einigen Kernpunkten: „Die EU bleibt der wichtigste Exportmarkt. Gleichzeitig wollen wir den Ertrag pro Hektar steigern, indem wir in moderne Sorten mit besserer Transportfähigkeit und längerer Haltbarkeit investieren. Darüber hinaus wird die Mechanisierung zunehmen und die Abhängigkeit von Handarbeit abnehmen, unterstützt durch professionelles agronomisches Management."
„Der ukrainische Blaubeersektor überlebt nicht nur, er optimiert sich. In dieser Saison wollen wir zeigen, dass die Ukraine ein zuverlässiger, hochtechnologischer und systematischer Partner für die europäische Lebensmittelkette ist. Der Erfolg im Jahr 2026 wird nicht nur an den exportierten Tonnen gemessen, sondern auch an der Anzahl der direkten, langfristigen Verträge mit europäischen Tier-1-Einzelhändlern", schließt Pukshyn.
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Oleksandr Pukshyn
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