Die Region um die südsizilianische Stadt Niscemi hat nach dem Erdrutsch am Montag den Notstand ausgerufen. Mehr als 1.000 Menschen wurden bereits evakuiert. „Die Lage ist äußerst kritisch", sagt Massimiliano Conti, Bürgermeister von Niscemi, einer Stadt mit mehr als 27.000 Einwohnern. „Die Situation verschlechtert sich, da weitere Abbrüche verzeichnet wurden." Außerdem wird für die kommenden Tage erneuter Starkregen erwartet.
Die Naturkatastrophe beschäftigt auch Italiener im Ausland, darunter Lino Manduca. Der Obsthändler aus Ebingen (Baden-Württemberg) wuchs in der Region Niscemi auf und pflegt enge Beziehungen zu Verwandten und befreundeten Landwirten in der Gegend. „Viele haben ihre Häuser verloren und werden nun in Sporthallen oder bei Verwandten untergebracht." Naturkatastrophen dieses Ausmaßes seien auf dieser Seite der süditalienischen Insel eine Seltenheit, obwohl eine Katastrophe bereits seit einigen Jahren drohte, fährt Manduca fort. „Diese Region ist bereits seit Jahrhunderten dicht bebaut, gleichzeitig war es mehrere Jahre in Folge sehr trocken. In diesem Jahr gab es hingegen auf einmal sehr viel Regen, wodurch der Boden übersättigt wurde. Der schnell steigende Wasserspiegel hat zu dieser Katastrophe geführt. Hier hätten die lokalen Behörden einfach viel früher eingreifen und beispielsweise Bäume pflanzen müssen, um die Bodendiversität entsprechend zu fördern."
© Carciofo Violetto Di Niscemi
Artischockenanbau in der Region Niscemi
Herber Rückschlag für lokale Landwirte
Bis Mitte April könne es noch sehr nass bleiben, sodass weitere Erdrutsche im Schadensgebiet nicht ausgeschlossen werden können, so Manduca. Ein herber Rückschlag für die lokale Landwirtschaft. „Die meisten Erzeuger, darunter Artischocken- und Gewächshausbetriebe, befinden sich zwar auf der anderen Seite der Stadt. Dennoch leidet insbesondere die Infrastruktur unter der Naturgewalt, da bereits zwei der drei wichtigsten Verkehrsanbindungen gesperrt sind. Wenn auch die letzte Verbindungsstraße nun gesperrt wird, wäre das katastrophal für die gesamte Region."
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