Die südafrikanische Steinobstsaison ist bislang besonders herausfordernd gewesen. "Das Wetter im Ursprung war bisher zwar gut, aber auf der Logistikebene gibt es dieses Jahr große Probleme", resümiert Christian Hencke, spezialisierter Steinobstimporteur und Geschäftsführer der FFC Fresh Fruit Company GmbH. "Der Hafen Kapstadt sah sich mit dem windigsten November und Dezember seit Jahren konfrontiert, was zu entsprechenden Schiffsverspätungen geführt hat. Wir bekommen nun „wellenartige" Ankünfte, sodass wir unseren LEH-Kunden gegenüber keine konkrete Mengenplanung für Aktionen garantieren können."
Die erheblichen Schiffsverspätungen und verlängerten Transitzeiten führen wiederum zu vermehrten Qualitätsthemen, so Hencke. "Wir erhalten mitunter Ware, die bereits vor langer Zeit im Ursprung gepackt wurde. Dies schlägt sich entsprechend auf die Abschriften am POS nieder: Bei Pflaumen gibt es Verderbraten um bis zu 20 Prozent, vier bis fünfmal so hoch im Vergleich zum Langjahresdurchschnitt. Bei den Nektarinen sind die Zahlen sogar noch gravierender. Bei der momentanen Kaufzurückhaltung, die wir ohnehin schon beobachten, lädt dieser Zustand der Ware den Endverbraucher leider nicht zum Wiederholungskauf ein." Alternative Ursprungsländer, allen voran Chile, könnten eventuell von dieser Ausnahmesituation profitieren, glaubt Hencke.

Christian Hencke ist Geschäftsführer der FFC Fresh Fruit Company GmbH und hat sich im Laufe der Jahre auf Steinobst südafrikanischen Ursprungs spezialisiert.
Die Vorzeichen seien jedoch vielversprechend gewesen, führt Hencke weiter aus. "Das Wetter im Ursprung war durchweg gut und auch der Ernteauftakt lief nach Plan. Die Logistik hat uns jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht, sodass erste Eingänge erst Mitte Dezember, ca. zwei Wochen später als ursprünglich erwartet, bei uns eintrafen. Ich würde in diesem Falle von einem „Force Majeure" sprechen, weder der Exporteur noch wir als Importeur haben schließlich einen Einfluss auf solche Wetterextreme." Eine Alternative sei es, die Transporte über den nächstgelegenen Hafen in Port Elizabeth abzuwickeln, welches zu höheren Kosten führt. Für viele Exporteure sei der zusätzliche Landtransport über knapp 700 Kilometer jedoch zu kostspielig und letztendlich nicht rentabel. Eine weitere Möglichkeit sind konventionelle Schiffe, die vom Wind etwas unabhängiger sind, jedoch auch höhere Seefrachtraten mit sich bringen.
Große Ankünfte am EU-Markt erwartet
Ab KW 5-6 werden größere Lieferungen an Pflaumen und Nektarinen erwartet. Von den bereits für den Export inspizierten Mengen steht laut aktuellen Zahlen jedoch noch ein signifikanter Teil in den Seehäfen. Hencke: "Durch die US-Zollaufschläge hat dieser Markt erheblich an Attraktivität eingebüßt, sodass es bereits eine Mengenverschiebung in Richtung Europa gegeben hat. Der chinesische Markt ist zwar im Kommen, jedoch weiterhin zu klein, um uns nennenswert zu entlasten. Das heißt, es wird in absehbarer Zeit noch eine große Menge auf uns zukommen, die insbesondere am freien Markt für Unruhe sorgen wird."
© FFC Fresh Fruit Company GmbH - Hamburg
Neue Sorten und PPWR-kompatible Verpackungen
Abseits der laufenden Saison habe sich die Kategorie Übersee-Steinobst in den vergangenen Jahren recht gut entwickelt. "Speziell bei südafrikanischen Nektarinen – die wir in der Regel, bis KW 14-15 anbieten – wurden die alten Sorten tendenziell ersetzt bei einem jährlichen Mengenzuwachs von ca. 15-20 Prozent. Auch die chilenische Branche hat das Potenzial dieser neuen Sorten nun für sich erkannt, sodass wir hier in den kommenden zwei bis drei Jahren mit einem härteren Wettbewerb rechnen müssen. Auch bei Pflaumen – die voraussichtlich, bis KW 21-22 offeriert werden können – beobachten wir einen schleichenden Prozess hin zu neuen, modernen Sorten. In enger Zusammenarbeit mit „Cultirex", welches ein Zusammenschluss von Ben Dor und Rubisco ist, werden neue Sorten den Produzenten in Südafrika zur Verfügung gestellt. Hauptaugenmerk besteht hier auf Geschmack, große Kaliber, guter Ertrag und lange Haltbarkeit."
Pfirsiche südafrikanischen Ursprungs spielen am europäischen Markt hingegen eine untergeordnete Rolle. Hier zeichnet sich eine Mengenverschiebung von Europa in den Mittleren Osten ab, schildert Hencke. Bei Aprikosen sei die Tendenz hingegen gleichbleibend. Hier finden speziell die qualitativ hochwertigen Spätsorten guten Anklang, die derzeit zum Teil als Flugware ihren Weg in die Premium-Programme des europäischen LEH finden. Auch die Debatte um die EU-Verpackungsverordnung (PPWR, ab 1.1.2030) geht an der Kategorie Steinobst nicht vorbei. "Hier sehen wir uns mit neuen, umweltfreundlichen Verpackungen – die wir seit vielen Jahren führen – bereits für die Zukunft bestens gerüstet. Hinzu kommt unser Steinobstkonzept 2.0, mit neuen Etiketten und einer neuen Pappschale für Nektarinen. Der Verkauf soll durch Rezepteinleger für Pflaumen und Nektarinen weiter forciert werden", heißt es abschließend.
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Neue Nektarinenschale.
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