Seit Argentinien beschlossen hat, weniger frische Orangen zu exportieren und stattdessen mehr Obst zu verarbeiten, hat sich der Zitrussektor stark verändert. Laut Walter Scotton, kaufmännischer und logistischer Leiter bei Ledesma, hat sich dieser Kurswechsel besser ausgewirkt als erwartet. „Die Kombination aus Saft und ätherischem Öl hat uns zwei starke Geschäftsjahre beschert, und wir hoffen auf ein ähnliches Jahr 2026", sagt er.
Die Umstellung war nicht gering. Frische Orangen liefern nur eine Einnahmequelle, während die industrielle Verarbeitung einen Mehrwert schafft: nicht nur mit konzentriertem Saft, sondern auch mit Ölen und Schalen. Dadurch kann das Unternehmen die Schwankungen auf dem internationalen Markt besser auffangen. „Der Saftmarkt sucht noch immer nach einem Gleichgewicht. Letztes Jahr erreichten die Preise Rekordhöhen von 6.000 bis 7.000 Dollar pro Tonne. Jetzt liegen wir bei etwa 2.800 bis 3.500. Das ist immer noch hoch, wenn man den historischen Durchschnitt betrachtet", so Scotton.
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Brasilien bleibt der wichtigste Preisfaktor. Durch den starken Rückgang der Ernte 2023/24 schossen die Preise in die Höhe. Aber jetzt, wo sich die Produktion etwas erholt und die Verbraucher die höheren Preise in den Geschäften spüren, hat sich der Markt wieder etwas abgekühlt. Dennoch bleibt das Spannungsfeld zwischen Angebot und Nachfrage spürbar.
In Argentinien selbst ist der Anbau mit rund einer Million Tonnen pro Jahr relativ stabil geblieben. Der größte Teil der frischen Früchte bleibt im eigenen Land. Der Winterfrost im vergangenen Jahr fiel moderat aus und die Ernte verlief weitgehend normal. „Die eigentliche Herausforderung lag im Saftmarkt. Viele Unternehmen haben damals zu hohen Preisen eingekauft und stehen nun vor einer Korrektur", erklärt Scotton.
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Europa und die Vereinigten Staaten bleiben die größten Abnehmer, obwohl Asien an Boden gewinnt. Vor allem Japan und Thailand treten immer häufiger in Erscheinung. Der heimische Markt nimmt ebenfalls etwa 30 bis 40 % des konzentrierten Saftes ab.
Ein großer Vorteil dieses industriellen Kurses ist die Logistik. „Weniger frisches Obst bedeutet weniger Risiko", sagt Scotton. „Außerdem sind Ernte und Verarbeitung für die Industrie wesentlich kostengünstiger als bei frischem Obst."
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In der südlichen Hemisphäre gibt Südafrika weiterhin den Ton auf dem Markt für frische Orangen an. Daher müssen sich argentinische Exporteure an den Preis anpassen. Dennoch bleibt Argentinien dank effizienterer Arbeitsweisen wettbewerbsfähig. Außerdem haben sie einen Trumpf in der Hand: Ihr Saft wird zu 100 % aus Valencia-Orangen hergestellt. „Das wird in bestimmten Segmenten sehr geschätzt, insbesondere wenn man auf der Suche nach einer bestimmten Sorte ist", sagt Scotton.
Mit Blick auf die Zukunft sieht er, dass die Branche eine wichtige Lektion gelernt hat: „Es geht um wirtschaftliche Nachhaltigkeit. Indem wir das richtige Gleichgewicht zwischen Frischware und Industrie finden, können wir auf beiden Fronten wettbewerbsfähig bleiben."
Weitere Informationen:
Walter Scotton
Ledesma
Buenos Aires, Argentinien
Tel.: +54 11 5584 2122
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