KOPOS-Projekt: Infrastruktur für kleinbäuerliche Bio-Produkte entsteht am Großmarkt Freiburg

Neue Bündelungsstrukturen zur Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten in Freiburg

Mittels eines öffentlichen Ausschreibungsverfahrens haben die Beteiligten am KOPOSProjekt gemeinsam mit externen Gutachterinnen und Gutachter im Januar und Februar dieses Jahres zwei Modellprojekte ausgewählt. Anhand dieser Projekte sollen Lösungsansätze für regional spezifische Herausforderungen ausprobiert und auf Nachhaltigkeitseffekte hin getestet werden. „Die Besonderheit des transformativen Forschungsansatzes besteht darin, dass sich Wissenschaft und Praxis gemeinsam auf einen Such- und Lernprozess einlassen, der zudem konkrete Interventionen vorsieht“, so der Projektkoordinator Sebastian Rogga. „Dadurch können wir lernen, ob solche Ansätze zukunftsfest sind“.

Transformative Forschungsprojekte erarbeiten Beiträge für Herausforderungen der Nachhaltigkeit und binden relevante Praxispartner dabei mit ein. Hierbei fehlt es mitunter an Ressourcen, um die erarbeiteten Ideen konkret in die Praxis umzusetzen, zu testen und aus dem Testlauf zu lernen. An diesem Problem setzt das vom BMBF geförderte und vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) koordinierte Projekt „KOPOS“ an und geht neue Wege. Da diese Interventionen schlecht vom Schreibtisch aus umgesetzt werden können, hat das KOPOS-Projekt den Schulterschluss mit innovativen Praxisakteuren in zwei Modellregionen gesucht. Gemeinsam soll nun weitergeforscht werden.

Als Anreiz für die Träger der Modellprojekte können diese auf jeweils 100.000 Euro sowie auf die Netzwerkkontakte und Kompetenzen des KOPOS-Teams zurückgreifen.

Neue Bündelungsstrukturen zur Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten in Freiburg
In der Projektregion Freiburg forschen die KOPOS-Projektpartnerinnen und –partner (die Forschungsgesellschaft Die AGRONAUTEN, dem Ernährungsrat Freiburg und Region, der Stadt Freiburg (Umweltschutzamt) sowie der Biomusterregion Freiburg) an der Herausforderung fehlender kurzer – sprich: regionaler – Wertschöpfungsketten für Nahrungsmittel. Zwar sind Produktions- und Vermarktungsstrukturen für regionale Erzeugnisse durchaus vorhanden, aber jenseits von Direktvermarktung sind diese optimiert für ein Angebot von und Nachfrage nach großen Stückzahlen und Volumina, die der Großhandel vorgibt. Das Potenzial vieler bäuerlicher Erzeuger wird in der Region Freiburg hingegen noch nicht ausgeschöpft.

„Deren Überschüsse aus der Direktvermarktung hatten bislang keinen Markt, da es für die Großhändler zu kleine Liefermengen sind“, berichtet Wolfgang Hees, Vorstand der Erzeugergemeinschaft Biogemüse Südwest und Partner des Modellprojektes in Freiburg.


Am Großmarkt in Freiburg, Quelle: M. Doradzillo. 

Infrastruktur für kleinbäuerliche Bioprodukte am Großmarkt Freiburg
Die Freiburger Modellprojektbeteiligten wollen gemeinsam die Bündelung für ökologisch produzierte Lebensmittel schaffen, indem eine entsprechende Infrastruktur beim Großmarkt in Freiburg eingerichtet wird. „Bislang bündelte der Großmarkt regionale Produkte von vielen Kleinproduzentinnen und -produzenten. Eine entsprechende Bündelungsstruktur für Bioprodukte vor Ort gab es bisher nicht“, sagt Sabine Fey, die Geschäftsführerin der Großmarkt Freiburg GmbH. „Mit dem KOPOS-Projekt können wir nun testen, ob sich der Großmarkt dadurch neue Geschäftsfelder erschließen und neue Zielgruppen ansprechen kann“, so Fey.

Auch für Umstellerbetriebe von konventioneller Ware auf Bio-Ware, Existenzgründerinnen und -gründer sowie für B-Ware öffnet diese Infrastruktur neue Vermarktungsoptionen. Die Kundschaft des Großmarktes sind üblicherweise kleine und mittelständische Unternehmen, die in der Außerhausversorgung und dem Handel tätig sind (wie z. B. kleinere Kantinen, Gastronomie, Wochenmarkthandel, Kindertagesstätten) und die eine große Hebelwirkung für die Nachfrage nach regionalen Bio-Lebensmitteln erzeugen können.


Aufnahme einer Tiny Farm in Buchholz-Steinhöfel (LK Märkisch-Oderland) Foto: C.Ulrich

Kooperation mit Tiny Farms
Flankiert wird das Modellprojekt durch die Gemeinde Rheinhausen, die einen Verteilerpunkt der am Großmarkt umgeschlagenen Bio-Produkte einrichten möchte, sowie dem sozialen Unternehmen „nearbuy“, das eine digitale Waren- und Kommunikationsplattform speziell für die Region Freiburg einrichten wird. Zugang zu Land über Zugang zu Landwirtschaf in Berlin-Brandenburg In der Projektregion Berlin-Brandenburg, in der es um den verbesserten Zugang zu landwirtschaftlichen Flächen geht, arbeitet das KOPOS-Team (koordiniert durch das Netzwerk Flächensicherung in Zusammenarbeit mit der Berliner Stadtgüter GmbH und dem ZALF) künftig mit dem Unternehmen Tiny Farms zusammen. Das junge Berliner Unternehmen plant, ein Netzwerk an Kleinst- und Splitterflächen, die sie in der Region pachten, zu einer virtuellen Großfarm zusammenzuschließen und durch die Ressourcenbündelung wettbewerbsfähig zu machen.

Der Schlüssel bei diesem Geschäftsmodell liegt in der Bewirtschaftung durch Arbeitskräfte, die das Unternehmen in Eigenregie ausbildet und dazu befähigt, landwirtschaftlich unternehmerisch tätig zu sein. „Wir senken die hohen Einstiegshürden in die Landwirtschaft, und geben Menschen dadurch die Möglichkeit sich in der Landwirtschaft auszuprobieren“, sagt der Mitbegründer der Tiny Farms Jacob Fels. „Dadurch zeigen wir einen konkreten Ansatz, um dem akuten Personalmangel, der speziell im professionellen Gemüsebau herrscht, entgegen zu wirken“ so Fels weiter.

Das Unternehmen spricht somit explizit Menschen aus dem städtischen Umfeld an, die eine (Teilzeit-)Beschäftigung im Gemüsebau anstreben oder sich in dem Berufsfeld ausprobieren wollen. Das junge Unternehmen, das in der alternativen Berliner Food-Szene bestens vernetzt ist, hat bislang in Eigenregie vier Brandenburger Kleinstflächen, die jeweils kleiner sind als ein Hektar, zu Mikrofarmen entwickelt. Der nächste Schritt für das Unternehmen, das im Rahmen des Modellprojektes ausprobiert werden soll, ist nun die Ausgründung an die künftigen Bewirtschaftenden. „Im Rahmen von KOPOS können wir diese Ausgründung mit zwei Nachwuchskräften konkret durchspielen, die letztes Jahr unser Ausbildungsprogramm bereits durchlaufen haben“, sagt Tobias Leiber, ebenfalls Mitbegründer von Tiny Farms.

Die künftigen Landwirtinnen und Landwirte werden dabei intensiv von Tiny Farms begleitet und können – ganz nach Bedarf und Qualifikation – auf die Dienstleistungen des Unternehmens (z. B. Jungpflanzenanlieferung, Vermarktungskanäle, Anbauplanung) zurückgreifen.

Das KOPOS-Projekt wird bis zum Herbst 2024 beide Modellprojekte forschend begleiten.

Weitere Informationen:
sebastian.rogga@zalf.de 
peter.volz@agronauten.net
nadine.blanke@ernaehrungsrat-freiburg.de 
wolfgang.hees@biogemuese-suedwest.de 
info@grossmarkt-freiburg.de 
jakab@flaechensicherung.de 
jacob@tinyfarms.de 
tobias@tinyfarms.de 


Erscheinungsdatum:



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