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Interview mit Nils Doerwald, Vorstand vom Fruchthof Berlin, zur geplanten "Berlin Food Area" am Flughafen Berlin-Tegel:

"Die gesamte Ernährungswirtschaft soll an einem Standort konzentriert werden"

Der Großmarkt Berlin ist imstande, bis zu 6 Millionen Menschen zu ernähren, und kann dabei einen Jahresumsatz von 1,5 Milliarden Euro sowie einen Umschlag von ca. 800.000 Tonnen Waren generieren. "Rein statistisch betrachtet versorgt allein der Fruchthof Berlin 1,2 Millionen Menschen mit Obst und Gemüse", teilt uns Vorstandsmitglied der FRUCHTHOF BERLIN Verwaltungsgenossenschaft eG Nils Doerwald vor Ort mit. Ferner sprachen wir mit ihm über die aktuelle Situation des Fruchthofs als auch über Pläne für einen Umzug des gesamten Großmarkts zum ehemaligen Flughafen Berlin-Tegel. 

Die Genossenschaft ist der größte Mieter auf dem Berliner Großmarkt und verwaltet mehrere Hallen mit insgesamt ca. 30.000 m² Verkaufs- und Lagerflächen, die an Großhandelsunternehmen im Bereich Obst und Gemüse untervermietet werden. Neben der reinen Vermietung der Verkaufs- und Lagerflächen stehen Doerwald zufolge besonders die Belange und Interessen der Händlerinnen und Händler bei der täglichen Arbeit im Fokus. "Unser Ziel ist es, den Unternehmen vor Ort optimale Rahmenbedingungen zu bieten, diese stets zu verbessern und Einsparpotenziale zu identifizieren, um die Kosten gerade in Zeiten rasant steigender Preise für die Mieterinnen und Mieter möglichst stabil halten zu können.“ 


Nils Doerwald auf dem Fruchthof Berlin

Geringe Fluktuation der Mietfläche und im Personal
Nicht zuletzt deswegen sei die Fluktuation auf den Mietflächen des Fruchthofs überschaubar. Die Nachfrage nach Mietflächen sei sogar leicht gestiegen, was für die Anziehungskraft des Standortes spreche. "Die Fahrwasser werden auch bei uns rauer. Trotzdem haben die Unternehmen es immer wieder geschafft, sich neu zu erfinden und ihre Nischen zu finden." 

Dass es bald womöglich einige Insolvenzen geben könnte, liege Doerwald zufolge an den unverhältnismäßig hohen Mietsteigerungen, die von der landeseigenen Berliner Großmarkt GmbH (BGM) Ende letzten Jahres angekündigt wurden. "Aufgrund der im Mietvertrag verankerten Indexmiete, die an die Entwicklung des vom Statistischen Bundesamt festgelegten Verbraucherpreis-Index gebunden ist, befürchten wir einen Anstieg von knapp 20 Prozent." Doerwald stellte zwar nicht die Rechtmäßigkeit der Mieterhöhung infrage und auch die Notwendigkeit seitens der BGM, eine Anpassung der Mieten vorzunehmen, sei ihr unbenommen. Dennoch erwarte Doerwald hier ein Entgegenkommen seitens der BGM und macht dabei auch auf das widersprüchliche Handeln der Berliner Politik aufmerksam. "Einerseits verlangt die BGM als landeseigener Wirtschaftsbetrieb Mieterhöhungen von 20 Prozent und mehr. Andererseits sehen landeseigene Wohnungsbaugesellschaften von Mieterhöhungen grundsätzlich ab. Und in beiden Fällen wird das eigene Handeln mit der rasanten Preisentwicklung begründet."


Der Vorstand der Fruchthof Berlin Verwaltungsgenossenschaft eG: Nils Doerwald und Dieter Krauß am Gemeinschaftsstand der GFI-Märkte auf der Fruit Logistica 2023. 

Grundlegende Sanierung des Großmarktgeländes vonnöten
Was nach Meinung von Doerwald ebenfalls gegen eine derart hohe Mieterhöhung spräche, sei der bauliche Zustand der Hallen auf dem Gelände. Diese seien "in die Jahre gekommen" (Baujahr 1965) und es bedürfe immer größerer finanzieller Anstrengungen, um den laufenden Betrieb fortführen zu können. So sind unter anderem die Medienstruktur sowie der energetische Zustand der Gebäude "in Teilen mangelhaft und unzeitgemäß". "Da Energieeffizienz und Dämmung 1965 noch keine hohe Relevanz hatten und beispielsweise die Glasfronten der Dachkonstruktion lediglich einfach verglast sind, müssen wir heute hohe Summen für die Beheizung und Kühlung der Hallen aufwenden, was gerade in Zeiten steigender Energiepreise zu rasant steigenden Kosten führt."


Ein Blick auf den Großhandelsbetrieb am Fruchthof.

Berlin Food Area in Berlin-Tegel
Aus diesem Grund habe die Händlergemeinschaft einen eigenen Konzeptentwurf mit dem Arbeitstitel "Berlin Food Area" erarbeitet, um die Geschäftsführung der Berliner Großmarkt GmbH sowie die Berliner Politik von einem Umzug zu überzeugen. Dieses Konzept beschränke sich laut Doerwald aber nicht nur auf den Großmarkt. "Es umfasst auch Themen wie Forschung und Entwicklung, die Agrarwende bzw. den Aufbau einer urbanen Lebensmittelproduktion, die Verkehrs- und Ernährungswende sowie einen großen Erzeugermarkt, um die Handelsaktivitäten zwischen den Erzeugerbetrieben in Brandenburg und den in Berlin ansässigen Großhändlern signifikant zu erhöhen“.

Der Gemeinschaftsstand der GFI-Frischemärkte 

"Da die Möglichkeiten an unserem aktuellen Standort erschöpft sind und wir einen Neustart benötigen, wünschen wir uns von der Politik sowohl ein klares Bekenntnis zum Großmarkt als auch die notwendige Unterstützung in der Frage nach einer Fläche in Tegel. 2018 hat die Berliner Politik hervorgehoben, dass der Großmarkt als wesentlicher Bestandteil der Berliner Daseinsvorsorge politisch gewollt sei und darauf verlassen wir uns noch heute.“

Die Fruchthof Berlin Verwaltungsgenossenschaft eG wurde 1949 gegründet und befindet sich seit 1965 auf dem Großmarktgelände in der Beusselstraße. Am 1. Mai 2020 nahm Nils Doerwald seine Tätigkeit beim Fruchthof auf. Seit dem 01.09.2022 ist er auch im Vorstand der Händlergemeinschaft Beusselmarkt eG. Er arbeitete zuvor für eine große Lebensmittelhandelskette. 

Eine ungekürzte Version dieses Artikels sowie weitere Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Primeurs.

Weitere Informationen:
Vorstand: Dieter Krauß und Nils Doerwald
Fruchthof Berlin
Verwaltungsgenossenschaft eG
Beusselstraße 44 N-Q
10553 Berlin
Telefon: +49 (0)30 395 50 07
Telefax: +49 (0)30 395 36 58
E-Mail: [email protected] 
Webseite: https://www.fruchthof-berlin.de