Prof. Dr. Stephan Meyerding (Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg) auf der Herbsttagung des deutschen Gemüsebaus

Vortrag: "Regionale Lebensmittel unter Druck – Auswirkungen des Ukraine-Russland-Konflikts auf das Konsumverhalten"

Unter dem Titel "Regionale Lebensmittel unter Druck – Auswirkungen des Ukraine-Russland-Konflikts auf das Konsumverhalten" präsentierte Prof. Dr. Stephan Meyerding von der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg seine Studienergebnisse zu diesem Themenfeld vor. Ein Schock zeige sich ihm zufolge im Konsumverhalten, drücke sich aber auch in der Sorge vor den Energienachzahlungen im nächsten Jahr aus. Mit dem Hinweise auf die gestiegene Inflationsrate von 10,4 Prozent im Oktober 2022, erläutert Meyerding, dass bei hohen Inflationsraten Menschen eigentlich dazu neigten mehr zu konsumieren. "Dieses Verhalten sehen wir nicht, stattdessen wird gespart", so Meyerding. Die Konsumlaune erlebe aktuell ein historisches Tief.


Prof. Dr. Stephan Meyerding

Unsicherheit steigt durch die Alltagserfahrungen
"Dennoch hat sich die Konsumlaune im letzten Monat ein wenig erholt. Dies könnte mit den neuen Paketen der Bundesregierung zusammenhängen, wie etwa die Strom- und Energiepreisbremse." Gleichzeitig seien solche politischen Maßnahmen für Konsumenten undurchsichtig. "Die Maßnahmen haben nicht dazu geführt, den Menschen die Sorgen vor den anstehenden Kosten im kommenden Jahr zu nehmen." Demnach werde sich das Konsumklima aufgrund der Maßnahmen nicht verbessern. Eine Trendwende sei nicht zu erkennen. Die Angst speise sich zwar auch aus der historisch-politischen Situation in der Ukraine, zum Großteil hätten die Menschen aber Sorgen vor der nächsten Heizkostenabrechnung sowie den Teuerungsraten im Lebensmitteleinzelhandel. "Die Unsicherheit steigt durch die Alltagserfahrungen", sagt Meyerding.

Im Sommer 2022 habe es zwar eine leichte Erholung gegeben, die jedoch spätestens mit den rapide gestiegenen Energiekosten jedoch wieder einbrach. Durch die zunehmende Kälte im Winter werde das auch ein großes Thema werden. Nahrungsmittel hätten sich im Vergleich zum Vorjahr um 22,8 Prozent verteuert, allein Gemüse um 14,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Doch wieso ist gerade die Lebensmittelwirtschaft so stark davon betroffen gewesen? "Wozu die Verbraucher sich nicht gerade verleitet fühlen, ist, umzuziehen und günstigere Wohnung suchen oder ihr Auto zu verkaufen", gibt Meyerding zu bedenken. "Die Sparmaßnahmen setzen an den Stellen an, die sie täglich vor Augen haben." In diesem Falle eben im Lebensmittelkonsum.

Fokus auf niedrige Preise, lange Haltbarkeit und Eigenmarken
Dabei änderten auch Personen ihr Verhalten, die sich im Grunde genommen keine Sorgen machen müssten, jedoch durch das "Klima der Unsicherheit" beeinflusst würden. Immerhin gaben 83 Prozent der Befragten einer repräsentativen Studie an, dass sie das Gefühl hätten, der Krieg in der Ukraine hätte Auswirkungen auf ihre finanzielle Situation. Kunden gaben demnach mehr Geld bei Discountern und für Eigenmarken, auch im Bio-Bereich, aus und wandten sich dabei stärker von Luxusgütern und den Wochen- und Bio-Märkten ab. Generell hätte es Einbußen in der Priorisierung von Bio-Lebensmitteln und Premiumprodukten gegeben.

Ebenso habe das, während der Coronakrise, gesteigerte Umwelt- und Nachhaltigkeitsbewusstsein etwas an Bedeutung verloren, während Faktoren wie niedrige Preise, eine lange Haltbarkeit im Zuge des Kriegs an Bedeutung hinzugewannen. Gleichzeitig seien Verbraucher bereit, mehr für Produkte zu zahlen, bei denen eine Knappheit erwartet wird. Spontankäufen nahmen eher ab, während es zu einer Zunahme von geplanten Wochen- bzw. Wochenendeinkäufen kam.

Meyerding betont aber gleichzeitig auch, dass es nicht nur Negatives zu berichten gäbe. Immerhin sei der Konsum von Gemüse seit 1950 um 95 Prozent gestiegen sei. Ebenso sei eine größere Vielfalt beim Gemüse zu beobachten, was unter anderem den veränderten Ernährungsgewohnheiten und einer experimentierfreudigeren Küche zu verdanken sei. Ebenso sei die Relevanz von Regionalität bzw. von deutschen Produkten deutlich gestiegen. Die Anzahl der Vegetarier kletterte zwischen 2015 und 2020 auf 21 Prozent.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Stephan G.H. Meyerding
HAW Hamburg
Department Ökotrophologie
Professor für Betriebswirtschaftslehre
Ulmenliet 20
21033 Hamburg
stephan.meyerding@haw-hamburg.de  

 

 


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