Schweizer Beeren für Schweizer Sirup

Die hiesige Verarbeitungsindustrie verwertet für Sirup oder Konfitüre fast ausschliesslich Himbeeren aus dem Ausland. An Himbeerstauden in der Ostschweiz wächst nun buchstäblich die Idee heran, dies zumindest teilweise zu ändern, schreibt lid.ch


Peter Lenggenhager produziert seit diesem Jahr Verarbeitungshimbeeren für die Holderhof Produkte AG. Der Holderhof hat sich zum Ziel gesetzt, mit mehr einheimischen Verarbeitungshimbeeren den Importanteil dieser Beeren in ihren Produkten entscheidend zu verringern. Der Fokus liegt vor allem auf dem flüssigen Bereich: Püree, Saft und Sirup für Smoothie bis Mischgetränke oder auch für Konfitüre. Foto: lid.ch/rho

Bei Sirup, Saft, Smoothies oder Konfitüre wird selten hinterfragt, wo die darin verarbeiteten Früchte herkommen – die Schweizer Herkunft ist kein Thema. So sind Verarbeitungshimbeeren fast zu 100 Prozent Importware. Eine Handvoll Produzenten in der Bodenseeregion haben auf die Initiative der St. Gallischen Holderhof Produkte AG hin nun auf rund sechs Hektaren sogenannte Herbsthimbeeren zur Verarbeitung angebaut. Unter anderem Landwirt Peter Lenggenhager, der beim Holderhof ausserdem für den Vertragsanbau zuständig ist, erntet auf seinem Betrieb auf einer halben Hektare diesen Herbst bereits zum ersten Mal Verarbeitungshimbeeren. Sein Hof ist einer von sieben Standorten, die für das Holderhofunternehmen seit diesem Jahr Verarbeitungshimbeeren anbauen.

Polnisches Knowhow
«Bei den Verarbeitungshimbeeren hat man in der Schweiz noch kaum Erfahrung, da Verarbeitungshimbeeren eigentlich ausschliesslich aus Polen, Serbien, Kroatien und zum Teil sogar aus China kommen», erläutert Peter Lenggenhager. Entsprechend werde vor allem auf Knowhow aus dem Ausland gesetzt: Man sei im Austausch mit verschiedenen Fachstellen und habe unter anderem über die Unternehmen, über die man heute das Konzentrat beschaffe und über die Züchter des Pflanzguts Kontakte ins Ausland gepflegt. Spannend sei beispielsweise, dass der Maschinenhersteller in Polen, von dem auch die vom Holderhof organisierte Vollerntemaschine stammt, die Sorte «Enrosadira» empfahl, die in Polen als Verarbeitungshimbeere angebaut werde, hierzulande aber vor allem als Tafelsorte bekannt sei. «Diese Sorte haben wir darum auch gesetzt und sind nun gespannt, wie sie sich im Anbausystem für Verarbeitungshimbeeren verhält – daneben haben wir für den Anfang vorerst einmal auf alte, erprobte und robuste polnischen Sorten wie ‹Polana›, ‹Polka› oder ‹Polesie› gesetzt», erklärt der Landwirt und ergänzt: «Anders als im Tafelbereich, ist es für uns weniger wichtig, dass wir eine grosse und schöne Beere haben – wir können auch mit vielen kleinen Beeren leben.»

Importprodukte ablösen
Der Holderhof und die neuen Anbauer von Verarbeitungshimbeeren wollen sich in Zukunft aber nicht nur auf fremde Erfahrungen verlassen, sondern auch eigene Erkenntnisse gewinnen. «Wir haben darum auch noch ein Feld mit Sortenversuchen angelegt, um zu beobachten, wie sich die Sorten in unserem Klima verhalten und da haben wir auch ganz neue Sorten gepflanzt», sagt Peter Lenggenhager. Die richtige Sorte für den Schweizer Anbau von Verarbeitungshimbeeren muss nämlich vor allem eins sein: pflegeleicht. «Der Preis für die Himbeeren definiert sich über den EU-Preis und dem Rohstoffpreisausgleich, da Verarbeitungshimbeeren nicht in einem geschützten Markt gehandelt werden», erklärt der Landwirt und ergänzt: «Es ist nicht das Ziel, dass wir mit dem Swissness-Bonus einen wahnsinnsgrossen Mehrpreis lösen können – das Hauptziel ist es, dass wir mit dem Anbau Importprodukte ablösen können.»

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