Noémie Cantrelle von CIRAD zum globalen Avocadomarkt:

"Die jährliche Produktionsrate steigt stärker an als die Nachfrage"

Die seit Jahren anhaltende weltweite Beliebtheit von Avocados scheint nach Angaben von Noémie Cantrelle des französischen Forschungsbetriebs CIRAD allmählich zu stagnieren. Die Studienergebnisse zum globalen Avocadomarkt stellte Cantrelle jüngst im Zuge des DOGK vor.


Noémie Cantrelle

Jährlicher Export von 2,5 Millionen Tonnen Avocados
"In den Jahren 2020/2021 wurden weltweit 2,5 Mio. Tonnen Avocados exportiert, was im internationalen Obsthandel einen Marktanteil 3,6 Prozent ausmacht. Der geschätzte Umsatz beläuft sich dabei auf 6,9 Mrd. US-Dollar. Während 2011/2012 noch etwa 1 Mio. Tonnen weltweit produziert worden sind, ist das Volumen in den Jahren 2020/2021 auf 2,5 Mio. Tonnen gestiegen mit einer jährlichen Wachstumsrate von etwa 12 Prozent. Der Jahresumsatz stieg dabei von 2,1 Mrd. auf 6,9 Mrd. US-Dollar, was entsprechend große wirtschaftliche Auswirkungen auf die Erzeugerländer hat", so Cantrelle.

Mit 82 Prozent des exportierten Volumens sind die lateinamerikanischen Erzeugerländer wie Mexiko weltweit führend. Allein aus den zwei Hauptgebieten Mexikos, Jalisco und Michoacán, werden jährlich 1,3 Mio. Tonnen exportiert, womit das nordamerikanische Land der größte Avocado-Exporteur ist. Mexiko stellt 60 Prozent des Exportvolumens, gefolgt von Peru, dessen Produktion von Jahr zu Jahr steigt und 2020/2021 400.000 Tonnen exportierte. Weitere wichtige Exportländer sind Kolumbien, Chile, Südafrika, Kenia, Tansania sowie Israel, Spanien und Marokko. Israel exportierte dieses Jahr etwa 100.000 Tonnen, während Marokko mit 8.000 Hektar Anbaufläche seine Produktion künftig weiterentwickeln wird. 

Größter Abnehmer USA
"Der Hauptmarkt, in den 50 Prozent der weltweiten Exporte geliefert werden, ist die USA. Ein Drittel wird wiederum an die EU und UK geliefert. Weniger als 20 Prozent werden an den Rest der Welt vermarktet, drei bis vier Prozent an Kanada und Japan. Die Dynamik nimmt aber stetig zu", so Cantrelle.

Seit 2014/2015 hat sich die weltweite Anbaufläche um 130.000 ha vergrößert. In den letzten drei Jahren seien die Preise während der Sommersaison weiter gesunken, während die Produktionsrate gleichzeitig gestiegen sei, aufgrund der hohen Produktionsrate sowie dem Druck aus Peru. In der letzten Wintersaison gab es allerdings wieder hohe Preise aufgrund der großen Mengen aus Spanien, Israel, Marokko, Kolumbien und Mexiko zu Beginn der Saison. Die vielen Herkunftsländer haben einen gewissen Druck auf den Markt ausgeübt. Zusammenfassend ließe sich daraus schließen, dass weltweit die Produktion weiter ansteige, während der Umsatz insgesamt eher flach ausfalle.

Fünf Millionen Tonnen Exportvolumen in der Zukunft
"Wir befinden uns in einer Periode, in der das Wachstum zwischen 19.000 und 20.000 Hektar pro Jahr liegt. Die steigende Produktivität in Mexiko etwa ist auf ein besseres Produktionssystem zurückzuführen. Geht man von einer ausgeglichenen Situation aus, könnten wir 2027 ein weltweites Exportvolumen von fünf Mio. Tonnen erreichen. Das Nachfragewachstum in den Hauptmärkten USA und EU bleibt relativ gleich, wenn auch ein leichter Rückgang zu verzeichnen ist." 

Cantrelle weist darauf hin, dass ein Faktor für diesen Rückgang in der ungleichen Verteilung des Marketingbudgets liege. So werde in der EU ein begrenztes Budget von von zwei bis drei Millionen Euro für 500 Mio. Personen ausgegeben, gegenüber den USA, in denen 80 Millionen US-Dollar für 300 Millionen Verbraucher verwendet werden.

Diskrepanz zwischen Produktionsrate und Nachfragewachstum
Im Zeitraum von 2023 bis 2028 rechne CIRAD mit einem Konsumwachstum von acht Prozent pro Jahr in Europa. In den USA sei der Konsum von Staat zu Staat recht unterschiedlich. Angesichts der großen hispanischen Bevölkerung halte die Wachstumsrate hierbei jedoch an. Trotzdem schätzt das Institut, dass jeweils ein Volumen von 500.000 t in den USA, 400.000 t in Europa und im Rest der Welt weitere 400.000 t hinzukommen werden.

"Die jährliche Produktionsrate steigt weiterhin stärker an als die Nachfrage. Wir sprechen hierbei von einer Lücke von 80.000 bis 100.000 t. Uns geht es lediglich darum, die Richtung aufzuzeigen, in die sich der Markt entwickelt. Es könnte immerhin zu einem lokalen Nachfrageanstieg kommen - beispielsweise in Kolumbien. Die Auswirkungen des Klimawandels lassen sich anhand unserer Studie nicht ausreichend quantifizieren. Aber es ist bekannt, dass etwa in Chile der Wassermangel auch die Produktivität beeinträchtigt hat. In Frankreich gibt es ebenfalls eine Reihe von Untersuchungen zu Kartellen und zum Wasserverbrauch. Das Einzige, was man tun kann, ist, die Produktion auf Branchenebene zu optimieren", so Cantrelle abschließend. 

Weitere Informationen:
Noémie Cantrelle 
CIRAD - French Agricultural Research Centre for International Development
42 rue Scheffer
75116 Paris
RCS Paris 331 596 270
Tél. : +33 1 53 70 20 00
https://www.cirad.fr/  


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