Versuchszentrum Laimburg

Neue Forschungsergebnisse unterstützen nachhaltigen Erdbeeranbau in Südtirol

Der Anbau von Erdbeeren spielt in Südtirol eine wichtige Rolle. Bodenmüdigkeit, invasive Insekten und klimatische Veränderungen stellen die Erdbeerproduktion im Boden aber auf eine harte Probe. Daher steht das Versuchszentrum Laimburg den Erdbeerbäuerinnen und -bauern mit wissenschaftlicher Forschung zur Seite. Die Forschungstätigkeiten reichen von der Sortenselektion und dem Anbau von Mischkulturen bis hin zu biologischen Methoden zur Bekämpfung der Bodenmüdigkeit. Am letzten Wochenende fand im Martelltal eine Versuchsbegehung im Erdbeerfeld statt, bei welcher die Expertinnen und Experten des Versuchszentrums Laimburg ihre aktuellen Ergebnisse für nachhaltige Lösungsansätze vorgestellt haben.

Rechts: Die Farben der vom Versuchszentrum Laimburg geprüften Erdbeersorten reichen von weiß bis tiefrot. © Versuchszentrum Laimburg 

Erdbeeren und Pfefferminze – eine gelungene Kombination
Der gleichzeitige Anbau verschiedener Kulturen auf derselben Parzelle (im Fachjargon: Mischkultur) ermöglicht es, Synergien zwischen den Pflanzen zu nutzen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Versuchszentrums Laimburg haben verschiedene Kombinationen untersucht und dabei festgestellt, dass eine Mischkultur von Erdbeeren und Pfefferminze die Produktivität von Erdbeeren um 10 % und jene der Minze um 20 % erhöhte. Außerdem stellten sie einen Rückgang der Milbenanzahl auf den Blättern der Erdbeerpflanzen fest. Dieses Ergebnis lässt sich auf die Freisetzung flüchtiger bioaktiver Substanzen durch die Minze zurückführen, die eine abstoßende Wirkung auf bestimmte Schadinsekten haben. „Wir führen zudem Versuche durch, um zu sehen, ob die Kombination mit Minze, Schnittlauch oder anderen aromatischen Pflanzen auch gegen den Erdbeerblütenstecher wirkt", erklärte Sebastian Soppelsa von der Arbeitsgruppe „Beeren- und Steinobst“ am Versuchszentrum Laimburg. Der Erdbeerblütenstecher ist ein invasives Insekt, das seit einigen Jahren im Südtiroler Erdbeeranbau erhebliche Schäden mit Produktionsausfällen von bis zu 50 % verursacht.

Mit standortoptimierten „Berg-Sorten“ gegen den Klimawandel
Die Südtiroler Erdbeerproduktion hat sich bisher gut in den italienischen Markt eingefügt, da die Ernte aufgrund des Anbaus in Höhenlagen erst von Juni bis August stattfindet. Durch die jüngsten Hitzewellen wurde die Ernte in diesem Jahr jedoch vorgezogen. Die frühzeitige Ernte und Vermarktung birgt das Risiko, dass es zu Überschneidungen der Südtiroler Produktion mit den Erdbeeren aus dem übrigen Norditalien kommt.

Die Forscherinnen und Forscher der Arbeitsgruppe „Beeren- und Steinobst“ des Versuchszentrums Laimburg charakterisieren über 50 vielversprechende internationale Erdbeersorten und bewerten ihre Anpassungsfähigkeit an das alpine Klima, ihre Krankheitsanfälligkeit und Produktionsfähigkeit sowie ihre Qualität. Darüber hinaus führen sie seit mehreren Jahren ein eigenes Programm zur Züchtung neuer Erdbeersorten in Zusammenarbeit mit dem „Consiglio per la ricerca in agricoltura“ (CREA) durch. CREA ist eine nationale Forschungseinrichtung, die dem Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Forstwirtschaft (Mipaaf) untersteht. „Wir arbeiten daran, eine Erdbeere zu züchten, deren Duft an Walderdbeeren erinnert. Sie soll ein zartes Fruchtfleisch besitzen, aber nicht zu viel davon und eine herzförmige Gestalt haben. Die Herausforderung besteht auch darin, das sich ändernde Klima zu berücksichtigen. In den letzten Jahren sind die Temperaturen auch im Martelltal gestiegen und die Sommernächte sind nicht mehr so kühl. Die Erdbeere ist empfindlich und neigt dazu, schnell zu faulen", erklärte Massimo Zago, Leiter der Arbeitsgruppe „Beeren- und Steinobst“.

Die Züchtung neuer Sorten ist sehr aufwändig: Nach der manuellen Bestäubung von Blüten zweier unterschiedlicher Sorten entsteht ein Sämling, dessen Erdbeeren mehrere Samen tragen. Aus diesen entsteht eine Pflanze, die eine potenzielle neue Sorte darstellt. Die Pflanzen werden nach mehreren Merkmalen ausgewählt und beurteilt: Widerstandsfähigkeit gegen die kalten Winter in unserer Region, Geschmack, Aroma, Textur, Ertrag und Krankheitsresistenz.


Sebastian Soppelsa (im Vordergrund) bei agronomischen Untersuchungen. © Versuchszentrum Laimburg/ivo corrà

Biologische Lösungen zur Bekämpfung der Bodenmüdigkeit
Die im Martelltal angebauten Erdbeeren haben seit einiger Zeit ihre physiologische Grenze erreicht, denn ihr Wurzelsystem ist besonders anfällig für Krankheitserreger geworden. Im Laufe der Anbaujahre konnten sich diese im Boden ansammeln. In Italien ist es üblich, die Böden mit chemischen Produkten zu sterilisieren, um die Produktion nicht unterbrechen zu müssen. In Südtirol wird diese Praxis vermieden, und der Erdbeeranbau auf ein und derselben Fläche muss daher alle zwei Jahre zugunsten anderer Kulturen unterbrochen werden. Hierfür eignet sich z.B. Blumenkohl, dessen Wurzeln wie jene aller anderen Kohlarten Stoffe absondern, die Krankheitserreger im Boden beseitigen. Man kann dabei von einer „biologischen Sterilisation" des Bodens sprechen.

Neue biologische Lösungen stehen im Mittelpunkt der Untersuchungen des Versuchszentrums Laimburg. So können Rückstände von organischem Pflanzenmaterial, insbesondere Nebenprodukte aus der Getreideverarbeitung, verwendet werden. „Indem wir dieses organische Material auf den Boden aufbringen und mit einem Tuch abdecken, wird ein Gärungsprozess in Gang gesetzt, der Sauerstoff verbraucht", erklärte Soppelsa, „und ohne ausreichend Sauerstoff gehen die Krankheitserreger, die sich im Boden angesammelt haben, zugrunde. Die Ergebnisse des ersten Versuchsjahres sind vielversprechend, und wir planen, mit weiteren Tests fortzufahren.“


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