Ursula Schockemöhle, Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH, zur Situation der ecuadorianischen Bananen:

"Schiffe liegen tagelang vor Häfen im karibischen oder mittelamerikanischen Raum an und warten auf Ware"

Ecuador ist weltweit eines der führenden Länder im Bereich Bananen. Etwa 20 Prozent seiner Erzeugnisse vermarktete das Land bislang an Russland, was etwa 1,5 Millionen Tonnen entspricht, wie uns Ursula Schockemöhle (rechts) von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI) mitteilt. Zusätzliche 330.000 Tonnen gingen wiederum an die Ukraine. Diese fehlenden Märkte zu kompensieren, sei allerdings so ohne Weiteres nicht möglich. "Ein Verkauf in der EU ist aufgrund fehlender Zertifikate nicht möglich. Geringe Anteile werden zwar auch in andere osteuropäische Länder verkauft, was aber längst nicht vergleichbar mit dem russischen Markt ist", so Schockemöhle. 

Reedereien meiden Schwarzes Meer und St. Petersburg
"Die Belieferung des russischen Marktes erfolgt über die Häfen am Schwarzen Meer oder über St. Petersburg. Zwar ist der St. Petersburger Hafen noch zugänglich, aber die meisten Reedereien sanktionieren die russischen Häfen. Ecuador bleibt also an den großen Mengen hängen." Die bereits hohen Frachtkosten steigen zudem durch erforderliche Bunkerzuschläge, was als weitere Folge des russischen Kriegs in der Ukraine zu sehen sei. 

"Die mangelnden Verfügbarkeiten von Containern sind ein andauerndes Problem. Hinzu kommen längere Transitzeiten sowie Unregelmäßigkeiten im Verkehr. Schiffe liegen tagelang vor Häfen im karibischen oder mittelamerikanischen Raum an und warten auf die Ware. In Europa haben wir wiederum Verzögerungen, weil Be- und Entladeslots plötzlich nicht mehr eingehalten werden können - vor allem in Rotterdam und Antwerpen. Das verkompliziert die Situation, zumal die Ware auch noch punktgenau gereift werden muss", stellt Schockemöhle fest.

Langfristige Bananenpreise - 7.000 Euro für Container
Die Preise ändern sich sowohl im konventionellen als auch im Bio-Bereich, im Jahresverlauf - abgesehen vom Spotmarkt - nur noch wenig. "Früher war der Bananenmarkt von den Preisen her gesehen deutlich volatiler. Denn mit der Zeit etablierten sich Bio-Bananen in den Märkten, die sich durch längerfristige Kontrakte auszeichnen. Das hat sich mittlerweile auch auf den konventionellen Markt ausgewirkt. Wöchentliche Preissprünge bei der Belieferung des LEH gibt es bereits seit Langem nicht mehr."

Die Verhandlungen fingen stets in den Herbst- und Wintermonaten an. "Im letzten Jahr wurde ausgehandelt, dass die Lieferanten höhere Einstandspreise erhalten, um die höheren Kosten einigermaßen deckeln zu können, was aber aktuell wieder hinfällig ist." So liege der Preis für Container im Spotmarkt aktuell bei 7.000 Euro. 

Mit Engpässen sei am deutschen Bananenmarkt aber nicht zu rechnen. "Der Markt war zwar nicht unterversorgt, wobei es durchaus Knappheiten gegeben hat. Das Hauptproblem sind aber die vielen Verzögerungen im Transport. Dadurch entstehende Engpässe können nicht einfach durch Zukauf ausgeglichen werden, da alle Bananen bereits in den lateinamerikanischen Packhäusern je nach Bestimmung mehrfach gelabelt sind. Anders herum kann es auch sein, dass ein Schiff verspätet und das nächste pünktlich kommt und damit die doppelte Menge zur Verfügung steht. Das stellt vor allem für die Reifemeister eine Herausforderung dar, die die Reife genau timen müssen, falls es mal zu Verzögerungen kommt", so die Expertin. "Für den deutschen Markt sind die wichtigsten Länder nach wie vor die Hauptländer Ecuador und Costa Rica, gefolgt von Kolumbien sowie die Dominikanische Republik und Peru für Bio-Bananen."

Wachsender Markt im Bio-Bereich
Gerade Bananen spielen im Biobereich eine große Rolle, sagt Schockemöhle. "Schaut man sich etwa die Top-10 im deutschen Obstbereich an, so rangiert der Apfel auf Platz 1, dicht gefolgt von den Bananen. Im Bio-Bereich sind die Plätze wiederum vertauscht. Bio-Bananen sind einfach in jedem LEH verfügbar, unabhängig davon wie groß das jeweilige Biosortiment ist. Auf das Kilo umgerechnet sind Bananen sogar günstiger als Erdbeeren oder Himbeeren. Daher gibt es in diesem Bereich auch viele Spontankäufer. Bananen liegen im Bio-Bereich bei schätzungsweise 16 Prozent. Sie sind zwar auch von Nachfragerückgängen betroffen, aber die Preise bleiben stabil."

Weitere Informationen:
Ursula Schockemöhle
Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH
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