Belarus ist ein wichtiger Importeur von frischem Obst und Gemüse

Nächstes Jahr wird ein Markt mit 400.000-Tonnen Lieferumfang für die EU-Länder verschwinden

Belarus wird ab dem 1. Januar 2022 unter anderem die Einfuhr von frischem Obst und Gemüse aus EU-Ländern verbieten. Nach Angaben von Eurostat wurden im vergangenen Jahr mehr als 400.000 Tonnen frisches Obst und Gemüse aus bzw. über EU-Länder nach Belarus exportiert. Basierend auf den Zahlen der ersten 9 Monate werden es in diesem Jahr noch mehr sein. Kurz nach dem russischen Importboykott vor einigen Jahren waren es übrigens noch über eine Million Tonnen, bemerkt Jan-Kees Boon von Fruit&Vegetable Facts.

Immer noch Transit nach Russland
Die belarussischen Importe von frischem Obst und Gemüse erreichten 2015 mit 2 Millionen Tonnen ihren Höchststand. Nach Einführung des russischen Importboykotts Mitte 2014 nahmen die Importe nach Belarus richtig Fahrt auf. Im letzten Jahr sanken sie allmählich auf 650.000 Tonnen. In bestimmten Jahren wurde laut dem belarussischem Zoll frisches Obst und Gemüse aus allen möglichen, oft exotischen Ländern importiert, sogar Birnen aus dem Jemen. Dieser 'Handel' ist nun weitgehend beendet.

Die Bedeutung Belarus als Transitland ist am parallelen Verlauf der Import- und Exportkurve deutlich zu erkennen. Der Export richtet sich fast ausschließlich nach Russland. Äpfel und Birnen machen dabei den Großteil aus.

Polen ist der wichtigste Hauptlieferant
Im vergangenen Jahr kam laut dem belarussischem Zoll die Hälfte des importierten Frischgemüses aus EU-Ländern. Das war auch 2019 so. Heute ist Polen der Hauptlieferant von frischem Obst und Gemüse für Belarus. Laut belarussischem Zoll waren es im vergangenen Jahr 177.000 Tonnen. Dabei handelte es sich um 120.000 Tonnen Äpfel und 35.000 Tonnen Birnen. Damit macht Kernobst 80% der Gesamtmenge aus.

Vor allem Kernobst
Laut Eurostat hat Polen im vergangenen Jahr 260.000 Tonnen frisches Obst und Gemüse nach Belarus (re)exportiert. Der Eurostat-Wert ist höher, weil es Re-Exporte aus anderen Ländern gibt, besonders aus der EU. Die Eurostat-Zahl für den Export von Äpfeln aus Polen nach Belarus entspricht zwar der belarussischen Importzahl, aber laut Eurostat gingen fast 90.000 Tonnen Birnen von und über Polen nach Belarus. Birnen kommen auch aus Belgien und den Niederlanden und werden über Polen weiter ostwärts verhandelt. Darüber hinaus exportiert Polen unter anderem auch spanische Produkte. Dies lässt sich an den (Re-)Exportzahlen von beispielsweise Erdbeeren, Pfirsichen, Kaki und Zitrusfrüchten ablesen.

Äpfel stammen hauptsächlich aus Polen, Birnen auch aus Belgien und den Niederlanden
Der gesamte EU-Export nach Belarus dreht sich ebenfalls um Kernobst. Außer Polen gehen wenige Äpfel aus anderen EU-Ländern nach Belarus. Wie bereits erwähnt, ist Polen bei Birnen weniger dominant. Eurostat liefert grundsätzlich keine Daten vom Ursprungsland (Anbau und Ernte der Frucht), sondern vom Herkunftsland (letzter 'Hafen'). Dies geht aus den Zahlen des belarussischen Zolls hervor. Im Jahr 2020 wurden daher 32.000 Tonnen belgische Birnen und 13.000 Tonnen Birnen aus den Niederlanden importiert. Für Importe aus und über Polen weist die belarussische Importstatistik für das angesprochene Jahr einen Wert von knapp 35.000 Tonnen aus.

Kernobst macht 40% des Importes aus
Vom Gesamtimport von frischem Obst und Gemüse im Jahr 2020 in Höhe von 650.000 Tonnen entfielen 130.000 Tonnen auf Äpfel und 110.000 Tonnen auf Birnen. Das macht 35 bis 40% gesamten Importes aus. Es folgen Bananen mit 75.000 Tonnen, Tomaten (45.000 t), Mandarinen (36.000 t) und Pfirsiche/Nektarinen (28.000 t).

Aus der Türkei ebenfalls viel Importe
Der wichtigste Nicht-EU-Lieferant ist die Türkei. Im Jahr 2020 waren es 106.000 Tonnen Obst. In den Jahren zuvor war das Importvolumen noch höher mit einem Maximum im Jahr 2017. In dem Jahr wurden allein 215.000 Tonnen aus der Türkei importiert, also die doppelte Menge wie im vorigen Jahr. Birnen sind das wichtigste Produkt, gefolgt von Tomaten und Pfirsichen/Nektarinen. Spanien ist laut belarussischem Zoll mit einem Import von 56.000 Tonnen im vergangenen Jahr die Nummer drei. Bemerkenswert ist auch der Import aus Russland mit 55.000 Tonnen im letzten Jahr. Bananen und Wassermelonen sind die wichtigsten Produkte, die über Russland nach Belarus gelangten. Es folgen Ecuador (38.000 Tonnen), Belgien (35.000 t), die Niederlande (32.000 t) und die Ukraine (20.000 t).

Klicken Sie hier für Hintergrundzahlen.

Für mehr Informationen
Jan Kees Boon 
Fruit and Vegetable Facts
www.fruitandvegetablefacts.com
fruitvegfacts@gmail.com  


Erscheinungsdatum:



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