Erntebericht 2021 und Ackerbaustrategie des BMEL:

Hoher Zufuhrbedarf an Gemüse aus anderen Ländern

In Deutschland entfielen 2020 schätzungsweise 5,5% des Produktionswertes der Landwirtschaft auf die Erzeugung von Frischgemüse. Dieser im EU-Vergleich niedrige Wert liefert bereits einen Hinweis auf den hohen Zufuhrbedarf an Gemüse aus anderen Mitgliedsstaaten und Drittländern, der mehr als 60% der deutschen Marktnachfrage ausmacht. Der Selbstversorgungsgrad schwankt je nach Gemüseart und ihrer Anbaueignung unter den hiesigen Klimabedingungen zwischen nahe Null bei Exoten wie Süßkartoffeln und mehr als 100% bei einigen Kohlarten. 

Im Jahr 2020 erzeugten knapp 5.900 Betriebe auf gut 125.000 Hektar Gemüse im Freiland. Die größten Freiland-Gemüseanbauflächen befanden sich im Jahr 2020 in Nordrhein-Westfalen mit 25.000 Hektar, Niedersachsen mit 21.500 Hektar und Rheinland-Pfalz mit 18.500 Hektar. Mit insgesamt 3,9 Millionen Tonnen Gemüse (einschließlich Ernte unter hohen Schutzabdeckungen) lag die Gesamterntemenge auf dem Vorjahresniveau und knapp 6% über dem Durchschnitt der Jahre 2014 bis 2019. Aus ökologischem Anbau stammten insgesamt 379.600 Tonnen bzw. fast 10% der Gesamtjahresmenge. Spargel, Möhren bzw. Karotten und Speisezwiebeln sind gemessen an der Anbaufläche die bedeutendsten Kulturen im deutschen Gemüseanbau. Sie wuchsen im Jahr 2020 auf gut 41% der Anbaufläche. 

Im Jahr 2021 stand die Spargelsaison erneut im Zeichen der Corona-Pandemie. Wie im Vorjahr fehlten teilweise erfahren Erntehelfer; gleichzeitig fragten Restaurants und Großküchen weniger Spargel nach. Regional kam zudem noch das kühle und nasse Wetter währen der Spargelsaison hinzu. Dies führte zu Ernteausfällen sowie erhöhtem Schädlingsdruck und wirkte sich negativ auf den Ertrag aus. Ertragssteigerungen gab es lediglich in Brandenburg, wo jedoch im Vorjahr die Erträge besonders niedrig ausgefallen waren, unter anderem als Folge der mehrjährigen Trockenheit.

Aufgrund der kühlen Witterung im April und Mai sowie fehlender Sonnenscheinstunden verzögerte sich der Beginn der Freilandgemüsesaison insgesamt in Deutschland spürbar. Ende Mai gab es je nach Kultur einen Entwicklungsrückstand von zwei bis vier Wochen im Vergleich zu einem Durchschnittsjahr. Die bis dahin knapp Versorgungslage schlug Anfang Juni zeitweise um, da terminlich zusammengeschobene Anbausätze zeitgleich erntereif wurden. Im weiteren Monatsverlauf und bis in den August führte die für diesen Sommer kennzeichnende unbeständige Witterung jedoch in einigen Regionen durch Gewitter, Hagel und Starkregen zu Schäden und Ausfällen, so dass der Angebotsdruck wieder nachließ. Wegen Qualitätsproblemen fielen auch die Feldverluste höher aus. Zudem konnten auf den überfluteten oder vernässten Flächen keine Folgesätze ausgepflanzt werden, was Konsequenzen für die Angebotsentwicklung der kommenden Wochen und Monate haben wird. 

Sehr positiv entwickelte sich dagegen die Nachfrage der privaten Haushalte nach Frischgemüse mit besonderem Interesse an Erzeugnissen aus regionalem Anbau. Über das Gesamtjahr 2020 gesehen lag die Einkaufsmenge an Frischgemüse um 14% höher als 2019. Der Trend setzte sich bis März 2021 fort. Danach war zwar ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahresmonat zu verzeichnen, der jedoch durch die "Hamsterkäufe" zu Beginn der Corona-Zeit geprägt war. Für den Zeitraum Januar bis Juni 2021 ergibt sich im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von knapp 2,5%, im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 ein Zuwachs um 17%. 

Den gesamten BMEL-Bericht können Sie hier nachlesen. 


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