Reinhard Oerther und Hans-Jörg Friedrich, Pfalzmarkt eG:

"Mittelfristig wird die Zahl der Erzeuger zurück gehen, wir wollen die Flächen jedoch in der Region halten"

Nach einem turbulenten Jahr 2020 geht es nun für die Fruchthandelsbranche in die nächste Runde. Auch wenn das Coronavirus uns wohl noch so einige Zeit in Atem halten wird, werden vielerorts große Pläne geschmiedet. Auch bei der Pfalzmarkt für Obst und Gemüse eG gibt es viel Neues, neben Großbauprojekt und neuer Importsparte, möchte man aber der Pfalz als Qualitätsprädikat und den regionalen Erzeugern treu bleiben. Kein einfaches Unterfangen, da in vielen Erzeugerbetrieben ein Generationenwechsel ansteht und es dabei – wie überall in der Landwirtschaft – teilweise an Betriebsnachfolgern fehlt. Wir sprachen mit den beiden Pfalzmarkt-Vorständen Reinhard Oerther und Hans-Jörg Friedrich darüber, wie die Genossenschaft dem regionalen Obst- und Gemüsebau in Zeiten eines beschleunigten Strukturwandels mit Rat und Tat zur Seite steht.


Reinhard Oerther und Hans-Jörg Friedrich beim Besuch von FreshPlaza in Mutterstadt im vergangenen Oktober. (Foto: FreshPlaza.de)

„Der Fokus der Genossenschaft liegt auch weiterhin auf den heimischen, Pfälzer Produkten. Unser breitgefächertes Sortiment aus dem Gemüsegarten Deutschlands können wir nur mit dem Einsatz und dem Know-how unserer mittelständischen Erzeuger erreichen. Leider gibt es immer wieder einmal Erzeuger in der Region, die aus Altersgründen ausscheiden und nicht unmittelbar einen Nachfolger für ihre Betriebe haben“, bedauern die Vorstände. Als Partner für den LEH ist es für Pfalzmarkt wichtig, die Anbauflächen für die Produktion – und damit für die nachhaltige und schnelle Frischeversorgung der deutschen Verbraucher – zu erhalten. Als Ultima Ratio habe man daher gemeinschaftlich beschlossen, im Bedarfsfall auch Betriebe zu übernehmen.


Hans-Jörg Friedrich und Reinhard Oerther. Foto: Pfalzmarkt eG 

„Die Pfälzer Anbaufläche ist begehrt, wenn in der Familie der Erzeuger niemand den Betrieb übernehmen will oder kann, dann werden wir im Interesse aller Mitglieder und Erzeuger aktiv, um unsere Lieferfähigkeit auch mittelfristig sicherzustellen. Das deckt sich mit den Anforderungen, die der LEH an uns als nah, sozusagen unmittelbar vor der eigenen Haustür gelegener Frische-Lieferant stellt!“

Bisher laufe die „eigene“ Produktion der Genossenschaft gut und man stehe nicht in Konkurrenz zu den eigenen Mitgliedsbetrieben: „Ganz im Gegenteil“, betont man. „Wir füllen ja nur die Produktionslücke, die ansonsten zwangsläufig entstanden wäre, wieder auf. Wir sind sehr transparent, was die Prozesse angeht und so gibt es ein großes Vertrauen zwischen unseren Erzeugern.“

Der Anbau auf dem Hof, der im vergangenen Jahr übernommen wurde, laufe gut. Damit habe man eine Backup-Lösung geschaffen, um im Bedarfsfall reagieren zu können. Parallel arbeite man daran, die Zukunftsfähigkeit der Erzeugerbetriebe zu sichern und damit auch den Generationenwandel erfolgreich zu gestalten. „Nur so können wir das Know-How im Team bei Pfalzmarkt bündeln. Mittelfristig wird die Zahl der Erzeuger in der Region zurück gehen, es wäre jedoch schade, wenn die Flächen in der Region nicht gehalten werden könnten.“

Standorterweiterung liegt voll im Plan
Die Pfalzmarkterweiterung ist ein weiterer zentraler Bestandteil bei der strategischen Neuausrichtung der Genossenschaft: „Als zentrale Drehscheibe für frisches Obst und Gemüse bieten wir die passenden Strukturen, damit mittelständische Erzeuger eine Zukunft haben und die Vorteile des Obst- und Gemüseclusters Pfalz weiterhin ausspielen können. Hierzu zählen die hervorragenden Ressourcen bei Böden, Klima, Beregnung sowie der Verbund hochspezialisierter Erzeuger und Dienstleister, die den Standort einmalig machen.“


Der Bau schreitet schnell voran. Foto: Pfalzmarkt eG

Das direkte Umfeld des Unternehmens, im größten zusammenhängenden Gemüseanbaugebiet in Deutschland, bringt viele Vorteile mit sich. Auf einer Grundfläche von 30.000m² sollen in der hochmodernen Vermarktungshalle künftig alle Warenbewegungen optimal gesteuert. „So verkürzen sich beispielsweise die Fahrwege um 30 Prozent. Auch hinsichtlich weiterer Faktoren, wie zum Beispiel der besonders nachhaltig geplanten Kühltechnik, wird das neue Projekt Standards setzen, die für Partner aus dem LEH, Verbraucher und Erzeuger viele Frischevorteile bieten. Bildlich gesprochen, rückt der ‚Gemüsegarten Deutschlands‘ damit noch näher an den Kühlschrank der Verbraucher“, berichten die beiden Vorstände mit Stolz.

Oerther sagt: „Mit der Standorterweiterung schaffen wir die Voraussetzungen für eine Frische- und Qualitätsoffensive. Da die Pfalz traditionell beste Voraussetzungen für natürliches Wachstum bietet, steht der Slogan ‚Erntefrisch aus der Pfalz‘ damit auch weiterhin für das Mehr an Vielfalt, Frische, Qualität und – wie Corona exemplarisch zeigt – auch für Verlässlichkeit und Versorgungssicherheit.“

Nach dem Spatenstich Ende August 2020 stand bis Ende des Jahres 2020 bereits das komplette Gebäude inklusive Dach und Außenfassade. Bis die neue Vermarktungshalle – als erste Stufe der Standorterweiterung – voraussichtlich bis Ende 2021 fertiggestellt ist, investiert Pfalzmarkt rund 30 Mio. Euro.

Für weitere Informationen:
Reinhard Oerther, Hans-Jörg Friedrich
Pfalzmarkt für Obst und Gemüse eG
Neustadter Str. 100
67112 Mutterstadt
info@pfalzmarkt.de.de 
www.pfalzmarkt.de


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