Rupert Gsöls, Österreichischer Bundesobstbauverband

'Obstbauern brauchen faire Rahmenbedingungen'

"Die Coronakrise hat bereits klar gezeigt, wie wertvoll es ist, dass unsere Lebensmittelversorgung durch eine regionale und kleinstrukturierte Landwirtschaft gesichert ist. Unsere Obstbaubetriebe sind ein wichtiger Teil davon, sie bieten erstklassige Qualität aus der nächsten Umgebung. Umfragen belegen, dass die Verbraucher bei Obst und Gemüse Regionalität und Saisonalität bevorzugen. Greifen die Konsumenten im Geschäft zu heimischen Äpfeln, so sichern sie die Wertschöpfung in der Region, Arbeitsplätze werden geschaffen und durch kurze Wege wird das Klima geschont. Wenn dies der Lebensmittelhandel in seiner Einkaufspolitik stärker berücksichtigt, kommt er nicht nur Kundenwünschen entgegen, er setzt auch klare Maßnahmen für den Klimaschutz." Dies erklärt der Präsident der Landwirtschaftskammer (LK) Österreich, Josef Moosbrugger, zum Tag des Apfels, der am Freitag gefeiert wird.

Es ist eine beliebte Tradition, dass am Tag des Apfels eine Delegation des Bundesobstbauverbandes (BOV) heimischen Spitzenpolitikern und Würdenträgern einen Korb mit knackigen Äpfeln aus Österreich überreicht und dabei auf den hohen ernährungsphysiologischen Wert der wohlschmeckenden, gesunden Früchte sowie auf die Bedeutung der heimischen Produktion hinweist. Dieses Mal muss diese Besuchstour wegen der Corona-Pandemie entfallen, bedauert Verbandspräsident Rupert Gsöls.

Apfelernte spürbar geringer
Laut Gsöls gibt es dieses Jahr in der EU, bedingt durch Frühjahrsfröste und alternierende Erträge, wieder eine unterdurchschnittliche Apfelernte von rund 10,7 Mio. t, welche aber der Marktnachfrage entspricht. Geräumte Lagerbestände der Saison 2019/20 und überschaubare Zufuhren aus Übersee ermöglichten einen zufriedenstellenden Start in die neue Apfelsaison.

Für Österreich liegt die aktuelle Ernteschätzung der Statistik Austria erst Ende November vor. Im Hauptanbaugebiet Steiermark dürfte die Apfelernte laut vorläufigen Zahlen auf 121.000t sinken und damit nur zwei Drittel einer Normalernte erreichen. Die heimische Versorgung ist aber ausreichend gesichert. Derzeit werden in Österreich etwa 20% aller Apfelanlagen nach Bio-Richtlinien bewirtschaftet, etwa 10% aller europäischen Bioäpfel wachsen in Österreich.

"Nachdem 2016 und 2017 Spätfröste einen Großteil der heimischen Apfelernte vernichteten, führte die 2018 sehr große europäische Produktion auch in Österreich zu einem Preisverfall. 2019 erzielten unsere Obstbauern erstmals wieder kostendeckende Erlöse. Die Ernte 2020 lässt die Betriebe wieder auf ein angemessenes Einkommen hoffen. Aufgrund der frostbedingten kleineren Erntemenge wird man aber kaum Reserven bilden können", gibt Gsöls zu bedenken.

Obstbauern brauchen praktikable Rahmenbedingungen
Der Bundesobstbauverband fordert daher im Zusammenhang mit der Reform der EU-Agrarpolitik faire, praktikable und planbare Rahmenbedingungen. "Den Strategien zum Green Deal ist eine intensive Diskussionsphase mit den betroffenen Stakeholdern und eine detaillierte Folgenabschätzung vorzuschalten. Zahlenmäßige Reduktionsziele für Pflanzenschutzmittel sind keine gute Lösung zur Optimierung des Pflanzenschutzes. Wir müssen vielmehr in die Forschung und Entwicklung innovativer, schonender und nachhaltiger Pflanzenschutzmittel investieren und diese forcieren - daran führt kein Weg vorbei", so der BOV-Präsident. Darüber hinaus sollten klimabedingte Veränderungen, darunter auch die regional höhere Neigung zu Spätfrostereignissen, in den Grundlagen für die Einheitsbewertung berücksichtigt werden.

In Österreich befassen sich rund 3.900 Betriebe mit dem Erwerbsobstbau, 1.930 davon bewirtschaften Apfelanlagen. Auf knapp 50% der gesamten heimischen Obstfläche im Ausmaß von 15.733ha werden Äpfel erzeugt, der Großteil davon in der Steiermark. Während die Anzahl der Betriebe rückläufig ist, bleibt die Apfelfläche weitgehend gleich. Die Hauptsorte Gala wird auf 24% der Apfelfläche kultiviert, knapp dahinter kommt der Golden Delicious mit 22%. Mit größerem Abstand folgen die Sorten Jonagold mit 9% sowie Idared und Braeburn mit jeweils 7%.

Beliebteste heimische Obstart im Handel
Der Apfel ist im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel die wichtigste heimische Obstart. Laut der RollAMA-Erhebung haben die Konsumenten von Januar bis September 2020 Äpfel im Wert von 73,6 Mio. Euro eingekauft, das bedeutet gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Plus von 31%. Die Apfelpreise haben in den ersten drei Quartalen im Lebensmitteleinzelhandel zugelegt und liegen aktuell im Mittel bei 1,87 Euro je kg. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Äpfeln wies in den vergangenen Jahren eine steigende Tendenz auf und lag 2018/19 bei 21 kg.

Zahlreiche Marketing-Aktivitäten der AMA
Die AMA Marketing führt am Tag des Apfels zahlreiche Aktivitäten durch, auf ORF 2 wird in einem Beitrag darüber informiert. Bei einer österreichweiten Verteilaktion in den Schulen werden Lehrer und Schüler auf den Apfel als gesunde Frucht aufmerksam gemacht. Aufgrund der COVID-19-Auflagen werden dieses Jahr Apfelkisten beim Schulwart abgegeben.

Die Nachfrage nach dieser Aktion ist so hoch, dass erstmals österreichweit 70.000 Schüler erreicht werden können. Auf den AMA-Social-Media-Kanälen (Facebook, Twitter, Instagram) und auf dem EU-geförderten Marketingprogramm "Snack 5" werden Postings zum Thema Apfel geschaltet.

Weitere Informationen:
www.ama.at 
www.lko.at 


Erscheinungsdatum:



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