Durch Wegfall relevanter Lösungen und Wirkstoffe im Pflanzenschutz tun sich Behandlungslücken auf

Anteil der Importkartoffeln wird steigen

Stärkere Importabhängigkeit, engere Fruchtfolgen und die Verlagerung der landwirtschaftlichen Produktion in andere Weltregionen – das könnten schon bald die unerwünschten Nebenwirkungen der restriktiven Regulierung von Pflanzenschutzmitteln in Deutschland und Europa sein. Durch den Wegfall relevanter Lösungen tun sich u.a. bei Kartoffeln und vielen Gemüsesorten Behandlungslücken auf, die den Anbau für die Betriebe verlustreich machen. Darauf wiesen heute zur Eröffnung der Internationalen Grünen Woche (IGW) 2020 der Industrieverband Agrar e. V. (IVA), die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e. V. (UFOP) und die Union der Deutschen Kartoffelwirtschaft e. V. (UNIKA) in einem gemeinsamen Pressegespräch in Berlin hin. 

Kartoffel: Anteil der Importware wird steigen
Auch für den heimischen Kartoffelanbau hat die schrumpfende Auswahl an Lösungen im Pflanzenschutz dramatische Folgen, wie Dr. Holger Hennies, Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen, darstellte: Beginnend bei der Produktion des für den Kartoffelanbau erforderlichen Pflanzguts bedarf es zuverlässig wirksamer Pflanzenschutzverfahren, um überhaupt das Ausgangsmaterial für den Aufwuchs von Speisekartoffeln zu erhalten, das die staatlichen Prüfungen erfolgreich durchlaufen muss. Denn nur gesunde Pflanzkartoffeln liefern verwertbare Kartoffeln. Dies gilt auch für landwirtschaftliche Betriebe, die nach ökologischen Standards produzieren, auch hier stammt das Ausgangsmaterial aus einer konventionellen Pflanzgutproduktion.

Ähnlich wie Stechmücken bei der Übertragung von Malaria sind im Kartoffelanbau Blattläuse Überträger von Pflanzenviren. Nach dem Wegfall bewährter Wirkstoffe gibt es bei Kartoffeln keine ausreichende Mittelpalette mehr zur nachhaltigen Blattlausbekämpfung. Dieser Engpass steht auch der Vermeidung von Resistenzen der Schaderreger frontal entgegen. Denn nur über die zeitversetzte Kombination verschiedener Wirkmechanismen wäre ein fachlich gebotenes Resistenzmanagement möglich.

Lösungen sind nach dem Verbot verschiedener Insektizide im Freiland dringend notwendig, da eine Anti-Resistenzstrategie zur Bekämpfung von Blattläusen als Virusvektoren in der Pflanzkartoffel-Produktion kaum noch möglich sein wird. Diese Forderung fand auch Eingang in das Anti-Resistenzstrategie-Papier des Julius Kühn-Instituts für die Saison 2019. „Geändert hat dies jedoch leider wider besseres Wissen wenig“, resümiert Hennies.

Folgenschwere Schwächung zu Beginn der Wertschöpfungskette
Die Konsequenz daraus ist eine folgenschwere Schwächung bereits zu Beginn der Wertschöpfungskette bei Kartoffeln: Fehlende Pflanzenschutzmittel führen nach Jahren mit einem höheren Läusedruck zu deutlichen Engpässen in der Pflanzgutversorgung. Mehr nicht zertifizierte Pflanzknollen kommen zum Einsatz. Qualität und Ertrag der Ernte leiden aber nicht nur darunter, sondern auch wegen fehlender Pflanzenschutzverfahren in anderen Bereichen. So gibt es zum Beispiel bis heute kein zugelassenes Mittel zur Bekämpfung von Drahtwürmern. Am Ende kommen weniger regional erzeugte Kartoffeln auf den Markt und müssen durch Importe unterschiedlichster Herkünfte ausgeglichen werden.

„Auf die gesellschaftspolitische Forderung, den chemischen Pflanzenschutz deutlich zurückzufahren, kennen die Kartoffelbauern in Zeiten sich verändernder Schadbilder sowie neu auftretender Schädlinge keine Antwort. Gemeinsam müssen Antworten und tragfähige Übergangslösungen gefunden werden. Sonst droht die Kartoffelproduktion aus Deutschland abzuwandern, mit den entsprechenden negativen Folgen auf die lokalen Märkte, auf die Wertschöpfung in den ländlichen Gebieten sowie die mittelständisch geprägte Kartoffelwirtschaft. Nicht zuletzt fehlt mit der Hackfrucht Kartoffel ein wichtiges Glied in der Fruchtfolge und die Anbau- und Sortenvielfalt würde weiter reduziert. Dies gilt es zu verhindern und dem wertvollen Nahrungsmittel Kartoffel auch zukünftig einen festen Platz in einer vielfältigen Fruchtfolge zu geben“, so Hennies.

Quelle: IVA, UFOP, UNIKA


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