Diesjähriges Fachevent wird im Zeichen des Klimawandels stehen

DOGK 2019: Prima Klima?

Demnächst bzw. am Montag, 16. September öffnet der Deutsche Obst & Gemüse Kongress (DOGK) seine Tore beim traditionellen Get Together. Das Rahmenprogramm am nächsten Tag wird vorwiegend im Zeichen des Klimawandels stehen, berichtet Veranstalter und Moderator Dr. Hans-Christoph Behr der AMI in seiner Vorschau. 

Die Klimakatastrophe scheint in vollem Gange. In Brasilien wird der Regenwald immer schneller abgeholzt, die Tundra brennt, die Polkappen schmelzen und Greta segelt zum Kongress. Lässt das die Märkte für frisches Obst und Gemüse völlig kalt? So ganz sicher nicht, denn sonst hätte es ein Thema wie nachhaltiger Transport per Schiene sicher nicht in das Programm des DOGK geschafft. Mit Cool Rail wird eine Zugverbindung vorgestellt, die nicht nur CO2 einsparen soll, sondern auch schnell ist.

Auch an anderen Stellen des Programms drängen sich Verbindungen zur Umweltproblematik auf. So laufen Kaufentscheidungen nach Prof. Dr. Jürgen Gallinat immer auf unbewusster Ebene ab. Wenn wir uns gut bei einem Kauf fühlen sollen, dann werden detaillierte CO2-Bilanzen also eher nicht das richtige Mittel in der Kommunikation sein. Welche Gefühle muss man ansprechen, um erfolgreich zu verkaufen? Dies wird im Vortrag von Prof. Gallinat näher erläutert.

Und schließlich ist die Sorge der Konsumenten um die Umwelt natürlich auch ein großer Treiber im Bio-Markt. Nach den Erfahrungen aus Großbritannien ist es gefährlich, Bio „nur“ als Premiumprodukt zu positionieren. Dabei bleibt die Prozessqualität auf der Strecke und einige Produktuntersuchungen reichen aus, um den Markt aus dem Gleichgewicht zu bringen. Allerdings ist auch Regionalität – zumindest vordergründig – ein starkes Argument für umweltfreundlichen Konsum. Schlägt Regionalität Bio? Oder verstärken sich beide? Zu diesem Thema wird der Geschäftsführer und Vorstand der Reichenau-Gemüse e.G. Johannes Bliestle in einer Break-Out Session des DOGK sprechen.

Künstliche Intelligenz und natürliche Intelligenz
Letztlich ist das Wetter natürlich immer ein entscheidender Faktor für Erzeugung und Nachfrage von frischem Obst und Gemüse. So sorgte der „Dürre Sommer“ 2018 besonders bei Herbst- und Lagergemüse für geringe Erträge und hohe Preise. Diese blieben nicht ohne Einfluss auf die Anbaufläche. Nachdem die Anbaufläche von Gemüse und Erdbeeren in Deutschland 2018 erstmals seit mehreren Jahren nicht weiter ausgeweitet wurde, lassen erste Angaben von Destatis für das Jahr 2019 einen recht deutlichen Anstieg erwarten. Das ist möglicherweise eine Reaktion auf die witterungsbedingt einschränkten Erträge im Jahr 2018. Allein bei Sommersaatzwiebeln erwarten AMI und der Fachverband Deutsche Speisezwiebel e.V. ein Flächenplus von 7 %. Bei Erdbeeren wurde zumindest die Freilandfläche 2019 erneut eingeschränkt.

Allerdings beeinflusst die Witterung auch die Nachfrage. So schnellte die Nachfrage nach Wassermelonen 2018 in bisher unbekannte Höhen, im Juli 2019 scheint es ebenso gewesen zu sein. Solche Angebots- und Nachfrageschwankungen sind natürlich schwer vorherzusehen. Kann künstliche Intelligenz dabei helfen? Dr. Peter Kauf und Dr Stephan Algie gehen dem Thema auf dem DOGK nach.

Manchmal hilft aber auch natürliche Intelligenz. So ist es sicherlich bei den meisten Artikeln des Obst- und Gemüsesegmentes keine gute Idee, Werbeaktionen zu Beginn des Jahres festzulegen. Leider lassen fehlgeplante Preispromotionen in Knappheitsphasen darauf schließen, dass diese Unsitte immer noch verbreitet ist.

2019/20: Keine extreme Versorgungslage
Nachdem der März und April 2019 in Deutschland wieder trocken ausfielen wurde in der Presse bereits eine Wiederholung des Vorjahres mit entsprechenden Weltuntergangsszenarien angekündigt. Ein kühler und in vielen Gebieten auch mit Niederschlag verbundener Mai ließ das Thema erst einmal wieder verschwinden. Die Hitzerekorde im Juli belebten die Diskussion aber wieder. Sicherlich werden die Erträge bei vielen Arten 2019 keine Spitzenwerte erreichen. Bei Gemüse reichen aber auch knapp durchschnittliche Erträge in Verbindung mit der Flächenausweitung für gut versorgte Märkte aus.

Bei Kernobst wird nach den Prognosen, die bei Prognosfruit vorgestellt wurden, nach der reichlichen Ernte im Vorjahr 2019/20 wieder Normalität einkehren, wenn der Überhang aus der alten Ernte verdaut ist. Dies kann allerdings noch etwas dauern, da man sich auch mit Überseeware (zu) reichlich eingedeckt hat. Wie reagiert die Nachfrage auf die neue Situation? Die Entwicklung der gesamten Nachfrage nach frischem Obst und Gemüse im Jahr 2019 wird Helmut Hübsch von der GfK in bewährter Weise auf dem DOGK analysieren.

Autor: Dr. Hans-Christoph Behr, AMI, Bonn 

Weitere Informationen unter www.dogkongress.de/home/ 


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