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Lebensmittelabfälle in Polen im Vergleich zu anderen EU-Ländern relativ hoch

Die Vermeidung von Lebensmittelabfällen war historisch gesehen eine Möglichkeit, über die Runden zu kommen. Schon ab 1861 wurde in den Kochbüchern der berühmten Engländerin Mrs. Beeton über Lebensmittelverschwendung berichtet, wie in ihrem Kochbuch von 1899, wo bereits gewarnt wurde: „Verschwenden oder werfen Sie nichts weg, was man verwerten kann!“

Mengen von Lebensmittelabfällen
Im Jahr 2018 steht die Vermeidung von Lebensmittelabfällen ganz oben auf der Agenda der Europäischen Kommission. Nicht nur, weil die CO2-Emissionen den Lebensmittelabfällen vorausgehen, sondern auch, um das UN-Ziel 12 der nachhaltigen Entwicklung (verantwortungsvoller Konsum und Produktion) zu erreichen. Um das Ziel zu erreichen, unterstützt die Europäische Kommission verschiedene Initiativen, z. B. die Festlegung einer gemeinsamen Methodik zur Messung von Lebensmittelabfällen in den Mitgliedstaaten. Dies ist vor allem deshalb notwendig, weil die Daten derzeit von den Mitgliedstaaten auf unterschiedliche Weise erhoben werden, was die Daten oft unvollständig und nicht vergleichsfähig macht. In Polen hat das Thema Lebensmittelabfälle ebenfalls an Bedeutung gewonnen.  

Die jüngsten umfassenden Daten zu Lebensmittelabfällen (die immer noch mit Vorsicht zu interpretieren sind) stammen aus dem Jahr 2006 und sind im BIOIS-Bericht von 2010 enthalten. Dieser Bericht schätzt, dass Europäer jährlich 89,3 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwenden. Die Polen tragen dazu 9 Millionen Tonnen bei. Polnische Haushalte verschwenden 2 Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr, was schätzungsweise 54 kg pro polnischem Bürger pro Jahr entspricht (der europäische Durchschnitt wird auf 76 kg pro Person und Jahr geschätzt). Aus diesem Grund verliert eine durchschnittliche polnische vierköpfige Familie nach Angaben des polnischen Umweltministeriums jährlich 2500 polnische Złoty.

Polen liegt bei der Gesamtmenge der Lebensmittelabfälle relativ hoch und liegt unter den europäischen Mitgliedstaaten an fünfter Stelle (siehe Abbildung unten). Die große Lebensmittelproduktionsindustrie in Polen könnte ebenso zu diesem Ranking beitragen.

Gesamte Lebensmittelabfälle pro Mitgliedstaat basierend auf den besten verfügbaren Daten (Tonnen pro Jahr)

Bild: © BIOIS / BIOIS, Europäische Kommission (DG ENV). Vorbereitende Studie zu Lebensmittelabfällen in der EU 27. Oktober 2010

Ursache und Verhalten gegenüber Lebensmittelabfällen in Polen
Es wird angenommen, dass die Lebensmittelverschwendung durch mehrere Faktoren verursacht wird. Betont ist das mangelnde Verständnis von Datumsmarkierungen. Dem Eurobarometer 2015 zufolge wird das Mindesthaltbarkeitsdatum von 24% der polnischen Bevölkerung verstanden (der europäische Durchschnitt liegt bei 47%). Das Verfallsdatum wird von 57% der polnischen Bevölkerung verstanden (der europäische Durchschnitt liegt bei 40%). Dies könnte jedoch auch darauf hindeuten, dass die Polen jedes auf Lebensmittelverpackungen aufgedruckte Datum als Endverbrauchsdatum interpretiert. Auf die Frage, wer für die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung verantwortlich ist, waren Konsumenten die am häufigsten gewählte Antwort (65% der Befragten in Polen, gegenüber 76% im europäischen Durchschnitt). 

Weitere Ursachen für Lebensmittelabfälle sind eine schlechte Einkaufsplanung, standardisierte Portionsgrößen in Restaurants, Lagerhaltung, Überproduktion von Lebensmitteln, Verpackungsschäden auf Produktionsebene und unzureichende Lagerbedingungen in der Lebensmittelkette.

Das polnische Verbraucherverhalten gegenüber der Verschwendung von Lebensmitteln wurde in einer von Tesco in Auftrag gegebenen Umfrage 2018 getestet. Selbst gemeldete Lebensmittelabfälle sind bei 62,7% der Menschen mindestens einmal im Monat aufgetreten. Die Intervalle für das Wegwerfen von Lebensmitteln lagen bei 20% (der Befragten) monatlich, bei 32,1% wöchentlich und bei 10,4% täglich. Tesco veröffentlichte auch eigene jährliche Zahlen für Lebensmittelabfälle. In den Jahren 2017-2018 hat das Unternehmen 1,12% Tonnen seiner Lebensmittel nicht verkauft. Von diesen Lebensmitteln waren 36% noch für den menschlichen Verzehr geeignet. Von diesem Überschuss wurden 51% gespendet oder als Tierfutter verwendet.

Reaktionen auf Lebensmittelabfälle
In Polen wächst die Aufmerksamkeit für das Thema Lebensmittelabfälle. Im Rahmen des Wirtschaftsforums 2018 in Krynica fand eine Podiumsdiskussion zum Thema Lebensmittelabfälle statt. Aus dieser Diskussion ging hervor, dass sich die polnische Industrie um Lebensmittelabfälle kümmert, aber meist noch aus wirtschaftlicher Sicht. Außerdem wird signalisiert, dass die Ernte manchmal nicht geerntet wird, um die Marktpreise nicht zu beeinträchtigen. Ebenfalls im Jahr 2018, wurde die dritte Central Europe Food Waste Conference in Warschau von Tesco organisiert.

Darüber hinaus gibt es in Polen verschiedene lokale Initiativen zur Bekämpfung von Lebensmittelabfällen. Am bekanntesten sind vielleicht die 32 polnischen Lebensmittelbanken (Banki Żywności), die jährlich zwei Millionen Menschen erreichen. Weitere kleine Initiativen sind Outlet Spożywczy, eine Online-Plattform, die Lebensmittel am Ende ihrer Haltbarkeit verkauft, Café Kryzys in Warschau und andere. Das Thema Lebensmittelabfälle wird von Nichtregierungsorganisationen und dem Privatsektor schneller aufgegriffen, was dazu führt, dass Werbekampagnen und Veranstaltungen für die Gesellschaft gestartet werden, wie z.B. die diesjährige Zero Waste Fair 2018 (erstmalig in Warschau), eine öffentliche Veranstaltung zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen beim Kochen (während der Kreislaufwirtschaftswoche 2018 in Warschau), Food-Sharing (gesellschaftliche Kampagne), save the last banana campaign (Kampagne der Lebensmittelbanken und der Supermarktkette Lidl).

Einige Jahre später, im Jahr 2016, wurde dem Sejm (Unterhaus des polnischen Parlaments) ein polnischer Gesetzesvorschlag über Lebensmittelabfälle vorgelegt. Größere Einzelhändler (>250 m2) (die einige andere Anforderungen erfüllen) würden nach dem neuen Gesetz neuen Verpflichtungen gegenüberstehen. Die Einzelhändler müssten Verträge mit NGO's oder Lebensmittelorganisationen abschließen, um Lebensmittel zu spenden. Sie sollten auch eine jährliche Bildungskampagne über Lebensmittelabfälle in Zusammenarbeit mit der NGO organisieren. Bei Nichteinhaltung wird eine Geldstrafe pro nicht gespendeter kg Lebensmittelabfälle sowie eine Geldstrafe wegen fehlender Verträge mit einer NGO festgelegt. In der Begründung wird erwähnt, dass das Gesetz eingeleitet wird, da der Einzelhandel für etwa 5-10% der polnischen Lebensmittelabfälle verantwortlich ist. Dies zeigt auch den schwächeren Punkt des Vorschlags, da er sich zu sehr auf die Vermeidung von Lebensmittelabfällen auf der Ebene der Einzelhändler konzentriert, während der Großteil der Lebensmittelabfälle auf der Ebene der Verbraucher anfällt. Ab 2018 wartet das Gesetz noch auf Maßnahmen von Sejm.

Weitere Rechtsvorschriften, die für Lebensmittelabfälle von Einfluss sind, sind der Polish National Waste Management Plan 2022, das National Programme for the Prevention of Waste 2014 (beide zielen unter anderem auf die Reduzierung von (Lebensmittel-)Abfällen ab). Darüber hinaus werden Lebensmittelabfälle von Haushalten im Warschauer Umwelt-Nachhaltigkeitsprogramm 2017-202 erwähnt, und die Stadt Wrocław fördert Kompostierungsanlagen für Haushalte.

Weitere Daten über den Umfang des Problems könnten in Kürze verfügbar werden. Im März 2018 kündigte das polnische Umweltministerium ein dreijähriges Projekt zur Erforschung von Lebensmittelabfällen in Polen und zur Organisation von Verbraucherinformationskampagnen an, das mit 11 Millionen polnischen Złoty finanziert wurde. Untersucht wird, wo Abfälle in der Nahrungskette anfallen und wie damit umgegangen werden kann. Das Projekt wird von der Föderation der polnischen Lebensmittelbanken, dem Institut für Umweltschutz (PIB), der Warschauer Universität für Biowissenschaften (SGGW), dem Nationalen Zentrum für landwirtschaftliche Unterstützung und der Polnischen Gesellschaft der Lebensmitteltechnologen geleitet.

Alles deutet darauf hin, dass der Rat von Mrs. Beeton immer noch gilt, vielleicht sogar noch mehr im Jahr 2018. In Polen wird dies noch in polnischen Kochbüchern deutlicher mit Namen wie "Cook, don't waste" - der Ratschlag schafft es heute sogar auf die Titelseite.

Quelle: AgroBerichten

 

 


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