Bijean Milani, Milani Fairtrade GmbH:

"Wir sind eher eine Manufaktur als eine Industrie"

Nach ein paar ruhigen Sommermonaten steht die Saison für Ananas wieder vor der Tür. Darauf bereitet sich auch die Milani Fairtrade GmbH, mit Sitz in Zürich, vor - von Oktober bis April ist Hochsaison und die Nachfrage gut doppelt so hoch wie im Rest des Jahres. Bijean Milani, der Gründer und Geschäftsführer von Milani Fairtrade, organisiert von der Produktion in Ghana bis hin zur Vermarktung jedes Glied der Wertschöpfungskette. "Unsere Kunden wissen unser Produkt zu schätzen und wir beliefern sie regelmäßig und ganzjährig mit unserer Ware." Milani Fairtrade beliefert Supermärkte, Importeure und Großhändler in Deutschland, der Schweiz, Belgien, Luxemburg und Frankreich.

 

Qualität im Trend
"Unsere Kunden und Konsumenten werden immer anspruchsvoller was die Qualität angeht. Wir passen uns dem an und dementsprechend kann man unser heutiges Produkt nicht mehr mit dem von vor 5 Jahren vergleichen." Das sei eine Entwicklung, die nicht nur bei ghanaischen Plantagen zu spüren sei sondern auch bei größeren Betrieben in Costa Rica. Zudem sieht er wachsende Nachfrage nach Crownless-Ananas: "Unsere Früchte liegen bei 1,5 bis 2kg, was für Crownless noch etwas zu leicht ist. Wir stellen unseren Anbau aber langsam auf größere Früchte um, um den stetig wachsenden Convenience-Sektor besser bedienen zu können." Zudem vermarktet die Milani Fairtrade GmbH Ananas mit ihrer Hausmarke Delighana, die unter anderem auch ein Premiumsegment hat.

Delighana Premium.

Fairtrade im Programm - auch ohne Zertifikat
Ein Aspekt dem es, sehr zur Sorge des Geschäftsführers, an Bedeutung fehlt ist Fairtrade. Herr Milani erzählt: "Unsere Firma hatte sich vor zehn Jahren Fairtrade zertifizieren lassen. Nach einigen Jahren mit schlechter Nachfrage haben wir uns vor einigen Wochen wieder de-zertifizieren lassen. Der Konsument schaut eher nach Bio als nach Fairtrade und so konnten wir die zu hohen Kosten durch das Zertifikat nur schwer decken. Das liegt vermutlich am fehlenden Bewusstsein für die Prinzipien des Fairtrade-Anbau. In den Supermärkten fällt nur auf, dass die Ware weniger gekauft wird und man nimmt sie aus dem Sortiment." Das bedeutet jedoch keines Falls, dass bei Milani die Standards der Fairtrade-Produktion aufgegeben wurden. "Wir wollen weiterhin unsere Arbeitskräfte fördern und uns natürlich an die Vorschriften im Produktionsland halten. Wenn man nicht in seine Mitarbeiter investiert bekommt man keine guten Arbeitskräfte mehr - und ohne gute Arbeitskräfte erntet man keine gute Frucht." Er sieht auch die geopolitische Wichtigkeit von Fairtrade und weist auf den nicht abnehmenden Flüchtlingsstrom aus Afrika hin, bedauert aber das schlichtweg fehlende Interesse. "Wenn es ernsthafte Interessenten gibt, lassen wir uns jederzeit wieder zertifizieren!" 

Durch Fairtrade finanzierte Schule in Adabra.

Flug- und Seefracht
Für Bijean bilden die Luftfracht und die Seefracht zwei unterschiedliche Märkte mit ihren eigenen logistischen Herausforderungen. Die Nachfrage nach Flugware sei leicht steigend. "Flugananas werden später und somit reifer geerntet und zwischen der Ernte und dem Verkauf an den Konsumenten liegen realistisch gesehen nur vier bis fünf Tage." Aber auch die Früchte, die mit dedizierten Kühlschiffen aus Ghana nach Europa kommen unterscheiden sich von Ware aus Mittelamerika: "Unsere Transitzeit ist mit 10 bis 12 Tagen noch eine gute Woche kürzer als die aus Costa Rica. Unsere Früchte sind so noch einmal frischer und länger haltbar." Zudem hat die Firma einen eingespielten Rhytmus von ausgesendeten Chargen: "Wir entsenden zwei Schiffslieferungen pro Woche. So können wir die Früchte täglich ernten und die richtige Reife abwarten."

Erntehelferin bei der Arbeit.
 
Die Früchte werden per Schiff von Ghana aus entweder mit der Linie nach Nordeuropa, an die Häfen in Portsmouth oder Antwerpen, oder nach Südeuropa, nach Port-Vendres in Südfrankreich oder Porto Vado in Ligurien, geliefert. Die Flugware erreicht direkt die verschiedenen Abnehmerländer in Europa. "Wir bieten drei verschiedene Sorten per Luftfracht: Die MD2, Smooth Cayenne und Sugar Loaf. Für die Seefracht eignet sich die MD2 am besten."
 
Modernisierung und Optimierung des Anbaus
"Ghana hat vor einigen Jahren eine Konsolidierungsphase durchlaufen. Wir wollen unsere Erträge natürlich steigern, aber die richtige Qualität ist uns viel wichtiger. In den letzten Jahren haben wir die Delighana Ananas durch Forschung und bessere Anbautechnik qualitativ verbessert und können jetzt langsam die Anbaufläche vergrößern." Derzeit liefert Milani gut 6.000 Tonnen jährlich nach Europa - das Ziel seien 12.000 Tonnen in vier Jahren.

Plantagen der Milani Fairtrade GmbH

Das wäre trotzdem keine Massenproduktion, erklärt der Geschäftsführer: "Wir sind eher eine Manufaktur als eine Industrie. Wir wollen Kunden beliefern, die mit Leidenschaft hinter unseren Produkten stehen. Wir suchen nach Abnehmern, die wirklich Interesse an unseren Früchten haben und nicht nur an einem Preis, der ein paar Cents unter dem der mittelamerikanischen Ware liegt."
 
25-jähriges Firmenjubiläum
Die Plantage von Milani Fairtrade in Ghana feiert im Dezember ihr 25-jähriges Bestehen. Die Firma wurde 1993 von Bijean Milani gegründet und er weiß diese Zeit mit seiner Firma sehr zu schätzen. "Um Ananas in so einer Qualität zu produzieren braucht man so viel Zeit und Erfahrung." In diesem Oktober beginnt die Firma außerdem mit der Erweiterung der Anbaufläche um weitere 1.000 Hektar im Osten von Ghana. "Dort sind die klimatischen Bedingungen und Bodenbeschaffenheit anders als an unserem heutigen Standort. So wollen wir das Risiko der sicherlich kommenden Veränderungen des Klimas durch den Klimawandel streuen. Wir wissen, dass es Auswirkungen geben wird, nur noch nicht wie sie aussehen - dem wollen wir entgegenwirken."

Hier können Sie die Plantagen der Milani Fairtrade GmbH aus der Vogelperspektive sehen.

Neben Ananas möchte Milani auf der neuen Plantage zusätzlich Mangos und Papayas anbauen um das Sortiment weiter zu diversifizieren. Auch eine großkalibrige, violette Varietät der Passionsfrucht befindet sich schon in der Testphase.


 
Bijean Milani erzählt abschließend: "Was unsere Firma ausmacht ist, dass die gesamte Wertschöpfungskette unter einem Dach ist. Von der Produktion über die Vermarktung und Finanzierung wird alles aus Zürich gesteuert. Unsere Kunden wissen das zu schätzen." Bei der Vermarktung bringt das, so Milani, Vorteile und Nachteile mit sich: "Preislich sind wir weniger flexibel. Wenn ein unabhängiger Importeur die Ware zu einem zu niedrigen Preis verkauft nimmt er sich trotzdem seine Marge und die Verluste bleiben dann an der Produktionsstätte hängen. Das können wir natürlich nicht machen. An erster Stelle steht immer die Produktion! Wir sind so zwar einerseits weniger flexibel als die Konkurrenz, andererseits stärker, da wir uns nicht immer jedem Markttrend beugen müssen. Das ist schlussendlich auch im Interesse des Konsumenten."
 
Für weitere Informationen:
Bijean Milani 
Milani Fairtrade GmbH
Dufourstrasse 131
CH-8008 Zürich
Schweiz
Tel: +41 44 500 83 70
Mail: bijean@milani-fairtrade.ch
Web: www.milani-fairtrade.ch/ 

 


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