Übersicht Weltmarkt Orangen

Die letzten Orangen der nördlichen Hemisphäre sind immer noch auf dem Markt. Mittelmeerländer bringen die letzten Volumen auf den Markt, während die ersten Importe aus Südafrika ebenso verfügbar werden. Niederländische Händler hoffen für eine bessere Übersee-Zitrussaison nach dem Überangebot von Orangen während der europäischen Saison. Südafrika jedoch scheint noch ein wenig mit dem Export nach Europa zu warten. Obwohl es große Mengen Orangen gibt und die Zahlen die des letzten Jahres übersteigen, gibt es Zweifel was, beispielsweise, die günstigeren Valencias aus Ägypten angeht, die in Europa auf dem Markt sind. Außerdem haben die südafrikanischen Erzeuger große Mengen kleinerer Kaliber geerntet, welche besser für den Handel in Ländern des Nahen Osten geeignet sind. In Lateinamerika, scheint Chile mehr zu exportieren. Brasilien erwartet eine kleinere Ernte und in Uruguay ist ein Teil der Produktion durch Hagelstürme verloren gegangen. Mexiko arbeitet immer noch ein einem Protokoll für eine Region ohne Fruchtfliegen, welche den globalen Markt für das Land öffnen soll. In Argentinien sind die ersten Orangen bereits auf dem Markt.



Deutschland: Überversorgung mit ägyptischen Orangen.
Der Zitrusmarkt in Deutschland ist derzeit relativ leise aber stabil. Das hängt natürlich mit der großen Nachfrage und dem großen Angebot für saisonale Sommerfrüchte, wie Melonen und Steinobst, sowie einheimische Beeren, zusammen. Wegen der großen Verfügbarkeit von ägyptischen Orangen (Valencia, zum Entsaften) haben einige Händler ihre Importe aus Südafrika verringert oder ganz eingestellt. Die Übersättigung des Marktes führt jedoch auch zu sehr niedrigen (Einkaufs-)Preisen von gut 8€ pro 15kg. Die Situation ist damit eine ganz andere als noch im letzten Jahr, als das Angebot kleiner war und die Sommersaison stabilere Preise mit sich brachte. Was Tafelorangen angeht, steht die spanische Navel Late derzeit besonders gut da, und die Händler sind zufrieden mit der Qualität der Frucht. Der Preis dieser Orangen liegt bei ungefähr 15€ für 15 Kilogramm.

Die ägyptische Orangensaison soll noch gut einen Monat andauern (KW 30). Laut Händlern werden die Nachfrage und die Preise bis Oktober nicht signifikant ansteigen, bis dann die Saison für europäisches Steinobst vorüber ist. Obwohl die Beliebtheit der rotfleischigen Sorten (wie Cara Cara) auf westeuropäischen Großhandelsmärkten rapide wächst, gibt es auch Händler die glauben, dass dies kein langfristiger Trend sein wird und deshalb bei den klassischen Sorten bleiben. Ein weiterer Faktor in dieser Entscheidung ist auch die relativ kurze Saison der roten (Blut-)Orangen, was sie zu einem großen Risiko für manche macht.

Südafrika exportiert mehr Navels in den Nahen Osten
In Woche 26 beliefen sich die Exporte auf 11,5 Millionen Kisten (je 15kg) Orangen. Der Großteil dieser waren Navels, gut 10,8 Millionen Kisten. Ein Händler erzählt, die Navels sind klein in diesem Jahr, wobei die des Ostkaps größer sind als die im Norden. Da der Nahe Osten ein guter Markt für kleine Größen ist wurde viel dorthin verschifft. Das große Volumen hat den Markt unter Druck gesetzt in der Region. Mehr als eine halbe Millionen Kisten mehr als in der vorigen Saison wurden in den Nahen Osten exportiert in dieser Saison.

In Europa ist viel billiges Sommerobst verfügbar, sowie ägyptische Valencia Orangen, welche, laut Angaben eines Exporteurs unter schlechter Qualität leiden. Außerdem sind auch die letzten spanischen Orangen noch am Markt. Der Markt für Navels scheint überall eher unter Druck zu stehen, so ein Händler. Er bemerkt außerdem, dass die innere Qualität der Navels vom Ostkap sehr gut sei.

Die ersten kleinen Volumen Valencia-Orangen kamen in Woche 22. Die Saison begann damit gut zwei Wochen später als gewöhnlich, wegen einer langsamen Färbung und einem späten Winter. Wenn die Temperaturen unter 10° Celsius fallen wird die Färbung gut gehen. Wegen der späten Lieferungen wird der Weltmarkt leerer sein, wenn die Früchte dann endlich kommen. Die ersten Valencias sind bereits auf dem Weg nach Europa. Allerdings ist es noch zu früh um verlässliche Schätzungen für diese Saison aufzustellen. Händler sagen, dass die Nachfrage aus der Industrie gut ist, und manche sind sogar der Meinung, die Nachfrage sei größer als ihr Angebot.

Chile erwartet Zuwachs bei den Exporten
Die Navel-Saison geht von Juni bis Oktober. In diesem Jahr erwartet man einen Zuwachs von 15% bei den Zitrusexporten. Da es im letzten Jahr viel geregnet hatte gibt es ausreichend Wasser für die Bewässerung. "Wir denken, dass dies einen Beitrag zu einer größeren Ernte leisten wird, besonders von Mandarinen", so ein Händler. Navel-Exporte belaufen sich auf gut 51.000 Tonnen und stehen an dritter Stelle der wichtigsten Exportgüter. Mandarinen (100.000 Tonnen) und Zitronen (78.000 Tonnen) führen die Liste an. Die USA ist bei weitem der wichtigste Markt für chilenische Zitrusfrüchte, jedoch versuchen Händler auch den europäischen Markt für sich zu öffnen.

Kleinere Ernte in Brasilien
Die Erwartungen für 2018/2019 (Marketingjahr 2017/2018) liegen bei 393 Millionen Kisten. Das wäre ein Rückgang von 27% im Vergleich zum Vorjahr. Diese Zahlen wurden in einem neuen USDA-Bericht veröffentlicht. Aufgrund der Produktion des letzten Jahres und der hohen Temperaturen im Oktober 2017 sind die Zitrusbäume gestresst, was einen negativen Einfluss auf die Erträge in diesem Jahr hatte. Ein Großteil der Orangen in Brasilien wird zu gefrorenem Saftkonzentrat verarbeitet. Das Gesamtvolumen wird auf 1,032 Millionen Tonnen geschätzt. Das ist ein klarer Rückgang von den 1,447 Millionen Tonnen im letzten Jahr. Der gesamte Export von frischen Orangen sah einen leichten Rückgang im Vergleich zum Vorjahr und liegt bei 600.000 Kisten.

Mexiko arbeitet an Fruchtfliegen-freier Region
Um vermehrt nach Europa und Japan exportieren zu können arbeiten Erzeuger in Nuevo Leon an einem pflanzengesundheitlichen Pilot-Plan welcher vom National Health, Safety and Agro Food Quality Service (Senasica) angesehen ist. Das bedeutet, die Region muss als Fruchtfliegen-frei anerkannt werden. Mit diesem Zertifikat können die Erzeuger dann Zitrusfrüchte mit besserer Qualität und längerer Haltbarkeit anbieten. In der Pilotphase zielt der Plant auf den Export von Valencia-Orangen zu weit entfernten Orten ab. Ein großer Anteil der Zitrusproduktion landet in Mexiko auf dem einheimischen Markt. Für den Export in die USA und nach Japan wird eine Desinfektion mit Methylbromid notwendig derzeit. Dank der erwähnten Zertifizierung könnten die Erzeuger ihre Produkte exportieren ohne den extra Umstand. Zwischen 900 und 2.000 Hektar in den Regionen Linares, Montemorelos und General Teran sollen von der Umstellung profitieren.

Uruguay von Hagel getroffen
Ende des letzten Monats beschädigte ein großer Hagelsturm mehrere hundert Hektar Gemüse- und Obstanbau in der Salto-Region. Gut 570 Hektar Zitrusanbau waren ebenso davon betroffen. Eine erste Schätzung spricht von mehreren Millionen Euro Schaden. Außerdem spricht man vom Verlust von 7.110 Tonnen Zitrus. Obwohl die Auswirkungen des Sturms auf den Anbau verheerend waren sind nur 6% der Landesproduktion tatsächlich davon betroffen.

Argentinien beginnt eine neue Saison
Die ersten neuen Zitronen sind vor kurzem auf dem Markt in Buenos Aires angekommen. Die Orangensaison beginnt mit Marrs Early, Trovita und Hamlin-Sorten. Die meisten Zitrusplantagen befinden sich in zwei Regionen: Im Nordwesten (Jujuy, Salto, Tucumán, Catamarca) und im Nordosten (Formosa, Chaco Corrientes, Misiones, Entre Rios), sowie in der Stadt San Pedro de Buenos Aires. Ingsgesamt gibt es in Argentinien 132.346 Hektar Zitrusanbau. Etwas über die Hälfte dieser Fläche (55%) in Jujuy wird für den Anbau von Orangen genutzt. Mit dem Beginn der Saison beginnt auch die Angst vor Krankheiten. Das könnte sich ändern, wenn es weiterhin regnet. Bisher war der Regen immer gut für die Ernte gewesen.

Australische Zitrusfrüchte verzeichnen Boom, Saison in Neuseeland beginnt
Die Zeiten sind gut für die australische Zitrusindustrie, einige Erzeuger erreichen Werte die mehr als drei mal so groß sind als noch vor fünf Jahren. Die Ernte hat Anfng Mai begonnen und die Nachfrage in dieser Saison soll das Angebot noch einmal überflügeln. China machte im letzten Jahr gut ein Viertel der exportierten Zitrusfrüchte aus. Für die Saison, die im Juni 2017 endete, wurden 506.391 Tonnen Orangen produziert von denen 42% zur Verarbeitung, hauptsächlich zu Saft, versendet wurden. Der Wert der Produktion lag im letzten Jahr bei $333,5 Millionen. Während es nur einen Anstieg von 1% des Volumens gab, lag die Wertsteigerung bei 10% im Vergleich zum Vorjahr.

Diese Woche gab es neue Kontrollen, nachdem Anfang des Jahres Citrus Canker auf Plantagen in Western Australia und Northern Territory entdeckt wurden. Die Maßnahmen ermöglichen den Handel von Zitrusfrüchten von registrierten Erzeugern, da die Industrie versucht, die Verbreitung von betroffenen Grundstücken zu vermeiden.

Währenddessen rückt auch der Beginn der Navel-Saison in Neuseeland immer Näher. Das Anfangsdatum soll im späten Juni liegen und die Volumen sollen mit 9.700 Tonnen ähnlich derer in 2016 sein.

USA: Kleinere Valencia-Ernte in Kalifornien
Obwohl das Angebot von einheimischen Orangen derzeit stabil ist, erwarten die Händler schon bald den traditionellen Rückgang. Im Moment sind Valencia-Orangen aus Kalifornien auf dem Markt aber aufgrund der Sommer- und Schulferien ist die Nachfrage zurück gegangen. Die kleinen Größen sind besonders von diesem Trend betroffen. Fast alle Valencia-Orangen werden im District 1, in Zentral-Kalifornien angebaut. Im Moment werden viele große Kaliber in der Gegend geerntet. Im District 2, Oxnard und Venture, gibt es kleinere Größen. Die Produktion von Valencia ist in diesem Jahr 15% kleiner als im Vorjahr, nachdem es auch letztes Jahr schon einen Rückgang von 15% im Vergleich zur vorigen Saison gab. Außerdem waren laut eines Händlers, weniger Navels verfügbar.

Die Saison in Kalifornien begann Mitte März mit dem Export der ersten Valencia. "Wenn die Valencia-Kampagne beginnt sind wir immer noch in der Mitte der Navel-Saison, aber wenn die Versorgung mit Navels plötzlich zurück geht, dann beginnen Exporteure mit der Valencia", beschreibt ein Händler. Die Nachfrage soll ab Mitte August wieder steigen. Die einheimische Saison geht weiter bis ungefähr Mitte September. Ein Händler erwartet die gleiche Situation wie im letzten Jahr: "Letztes Jahr haben wir die Saison für Valencia Mitte September beendet und mussten dann vier Wochen warten bis die Navels bereit waren. Das war das erste Mal in 14 Jahren, dass wir eine Lücke in der Versorgung mit Orangen aus Kalifornien hatten. In Texas geht die Saison zu Ende aber Florida sollte noch ein paar Wochen auf dem Markt sein."

Italien: Blutorangen für das chinesische Neujahrsfest
Italien ist, nach Spanien, der zweit größte Produzent in Europa. Die meisten Orangen werden in Sizilien und Calabrien angebaut. Diese Regionen machen 59% bzw 22% der Produktion des Landes aus. Die beliebtesten Sorten beim Anbau sind Tarocco, Moro, Sanguinello, Naveline und Valencia. Neben diesen Sorten werden auch Ippolito und Meli immer beliebter. Die Saison für das Marktjahr 2017/2018 ist hinsichtlich der Qualität außergewöhnlich. Obwohl die Ernte wegen der Dürre im Sommer gut 6% niedriger ausfiel, hatte der Regen im September einen positiven Einfluss auf die Früchte.

Ein Händler schätzt, dass die Ernte wegen der Trockenheit und dem Einfluss des Zitrus Tristeza Virus (CTV) in diesem Jahr zwischen 25 und 30% kleiner ausfallen wird. Jedes Jahr sind mehr Pflanzen von diesem Virus betroffen, was einen Rückgang der Produktion zur Folge hat. CTV ist hauptsächlich für Erzeuger in Sizilien ein Problem.

Moro- und Tarocco-Orangen zeichnen sich durch die Farbe des Fruchtfleisches aus. Der Markt für diese Sorten wächst in Italien und Europa. In Großbritannien, beispielsweise, ist diese Frucht im Kommen. Kleine Volumen wurden auch an weiter entferntere Destinationen versendet. Zum Beispiel gibt es auch Pläne für den Export nach China für die Feierlichkeiten des chinesischen Neujahrsfest in 2019. Dafür wurde die Unterstützung vom Web-Giganten Alibaba gesucht. Der Webshop soll Interesse an der Versorgung mit italienischen Zitrusfrüchten gezeigt haben. Die Tarocco-Saison in diesem Jahr lief bis Juni, was länger ist als gewöhnlich.

Die Saison hatte jedoch zwei Gesichter: Es gab eine große Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Orangen, aber nur wenig Angebot. Andererseits gab es ein großes Angebot von Orangen mit durchschnittlicher Qualität, jedoch nur wenig Nachfrage.

Die Kampagne war gut für sizilianische Bio-Orangen. In diesem Jahr war viel Produkt verfügbar im Gegensatz zur letzten Saison (2016/2017), als Frost einen maßgeblichen Teil der Ernte zerstörte. Es gibt viel Konkurrenz aus anderen Ländern der Region. Italienische Erzeuger können was den Preis angeht nicht mit den Früchten aus Nordafrika oder anderen südeuropäischen Ländern mithalten.

Belgien: Orangen werden weitestgehend ignoriert
Zu dieser Jahreszeit werden Orangen weitestgehend ignoriert. Es gibt fast keine Nachfrage und kein Angebot von Orangen. Importeure wissen auch, dass nur wenige Orangen konsumiert werden. Das liegt an der großen Auswahl von Sommerfrüchten. Die letzten Orangen kommen aus Spanien, aber wegen der geringen Nachfrage sind auch keine großen Mengen notwendig.

Niederlande: Ein Licht am Ende des Tunnels nach dem desaströsen Orangenmarkt
In den vergangenen Wochen waren Verkaufspreise von 6-7€ pro 15kg keine Seltenheit - die Marktsituation damit desaströs. Der Hauptgrund dafür ist das riesige Angebot. Auch bei der Qualität sind nicht alle Produkte ideal. Aus Marokko kamen viele Orangen auf den europäischen Markt, die sonst nach Russland gingen, und auch Ägypten war vertreten. In der Zwischenzeit kommt die Versorgung mit Früchten aus diesen Ländern zu Ende und somit sehen manche ein Licht am Ende des Tunnels für den Orangenmarkt. Nächste Woche kommen die ersten Valencia-Orangen aus Südafrika, nachdem einige Navels schon versendet wurden. Wegen der großen Preisunterschiede mussten sich die Kunden erst einmal an die hohen Preise gewöhnen aber jetzt sieht es gut aus für Orangen. Außerdem hat Südafrika bisher 20-30% weniger Orangen exportiert, was gute Aussichten auf die nächsten Wochen mit sich bringt. Die Preise liegen nun bei über 10€, und bei 12€ für Navels. Mit den anstehenden Ferien wird keine große Veränderung bei den Preisen erwartet, angesichts des kleineren Angebotes sollten sie normal bleiben.

Frankreich nimmt erste südafrikanische Volumina entgegen
Laut eines französischen Händlers war die Saison für Tafelorangen in Ordnung. "Die Qualität war gut und die Volumina passten gut zur Nachfrage. Wir können mit der Saison zufrieden sein. Wir werden noch für zwei weitere Wochen spanische Produkte liefern können. In der nächsten Woche sollen die letzten Sorten geerntet werden. Andere Händler haben auch schon die ersten Früchte aus Südafrika bekommen." Der Händler fügt hinzu, dass es im Juli und August immer eine gute Nachfrage nach Tafelorangen gibt.

Die Lage auf dem Markt für Orangen zum Entsaften ist da schon etwas komplizierter. "Es ist ein ganz anderer Markt als der für Tafelorangen, und es ist schwierig Zugang zu bekommen. Viele Länder kommen gleichzeitig auf den Markt, darunter Marokko, Spanien, Griechenland und Ägypten, und es gibt sehr genaue Voraussetzungen für diese Früchte, was Lagerung und Haltbarkeit angeht." Dieser Händler selbst liefert allerdings nur Tafelorangen.


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