Bananenanbauer auf der ganzen Welt kämpfen nicht nur gegen den hartnäckigen bodenbürtigen Pilz „Tropical Race 4" und Krankheiten wie Moko und Black Sigatoka. Auch Wasserknappheit, steigende Kosten, sinkende Durchschnittserträge und der wachsende Marktdruck, nachhaltiger zu wirtschaften, rauben ihnen den Schlaf. Ein früherer Artikel erklärte, wie A Better Choice (ABC), ein niederländisches Agrartechnologieunternehmen, TR4 und Ralstonia – das Bakterium hinter Moko – durch die Desinfektion des Bewässerungswassers mit UV-C von den Plantagen fernhält. In diesem Folgeartikel berichten die Gründer Roland Heringa und Jasper van Roon, wie sie auf den Philippinen ein Anbausystem aufgebaut haben, das darauf ausgelegt ist, diese anderen Herausforderungen direkt anzugehen.
Wassertechnologie ist nur ein Teil des Puzzles. A Better Choice entwickelte zudem das Premium Cultivation System (PCS): einen integrierten Ansatz für die Bananenproduktion, der den Erzeugern einen tragfähigen Weg in einen Markt aufzeigen soll, in dem Krankheitsdruck, Klimawandel, hohe Kosten und Wasserknappheit zusammenkommen.
ABC investierte zunächst stark in die Forschung zum Substratanbau unter Netzen, doch dies erwies sich als unpraktikabel. „Enttäuschend, aber es lieferte uns wertvolle Erkenntnisse für den Freilandanbau", sagt Roland. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse entwickelte ABC das PCS zu einem bodenbasierten Anbausystem weiter, das höhere Erträge bei geringerem Wasserverbrauch und weniger Pflanzenschutzmitteln anstrebt.
PCS ruht auf drei Säulen: dem System selbst, der Unterstützung der Erzeuger vor Ort und der Risikoteilung. Wenn ein Erzeuger Interesse am Anbau hat, beginnt ABC mit einer Bodenanalyse. „Wenn das Feld mit TR4 kontaminiert ist, sagen wir dem Erzeuger, dass es keinen Sinn macht, dort Bananen anzubauen. Andere Kulturen könnten geeignet sein, und dazu beraten wir ebenfalls", sagt Roland. Auch das Bewässerungswasser wird getestet; bei Bedarf wird eine UV-C-Behandlung empfohlen.
Säule 1: das System
Während des Anbaus übernimmt das Crop Management System (CMS): eine digitale Plattform, die auf der Grundlage von Daten aus Sensoren, QR-Scans und Feldbesuchen Düngungsprogramme für die einzelnen Wachstumsstadien bereitstellt. „Wir verfügen über die weltweit größte Bananendatenbank", sagt Jasper. „Forscher wollen mit diesen Daten arbeiten, beispielsweise für die Infrarot-Bilderkennung und die Früherkennung von Black Sigatoka. Je früher man eingreift, desto weniger Betriebsmittel benötigt man."
„Mit einem gesunden Ausgangspunkt und den richtigen Bedingungen kommt man mit weitaus weniger Chemikalien aus", sagt Roland. „Das CMS kehrt zu den Grundlagen zurück: kein erzwungenes Wachstum, mehr Biodiversität, Biostimulanzien. Gesunde Pflanzen sind widerstandsfähiger und produktiver." Das passt zum Plant Empowerment Model (PEM), das Licht, Nährstoffe und Wasser in den Mittelpunkt stellt.
„Es dreht sich alles um das Gleichgewicht", erklärt Roland: Energie aufnehmen und abgeben; Wasser aufnehmen und verdunsten (für den Nährstofftransport und die Kühlung); Zucker produzieren und verbrauchen. „Nur gesunde Pflanzen können diese Verhältnisse im Gleichgewicht halten. Datengestützte Entscheidungen ermöglichen es, viel präziser zu steuern und dabei weniger Betriebsmittel einzusetzen. Dann ist man wirklich innovativ."
Die ersten Ergebnisse auf den Philippinen sind vielversprechend: Der durchschnittliche Ernteertrag ist von 25 kg pro Pflanze auf 40–52 kg gestiegen, bei geringeren Pflanzenverlusten und einem geringeren Einsatz von Wasser sowie Pflanzenschutzmitteln. Niedrige Rückstandshöchstgehalte steigern zudem den Produktwert. „Was wir bisher ernten, erfüllt problemlos die Exportstandards", fasst Jasper zusammen.
© A Better ChoiceDer durchschnittliche Ernteertrag ist von 25 kg pro Pflanze auf 40–52 kg gestiegen.
Säule 2: Unterstützung vor Ort
Dennoch erwies sich die Eintrittsbarriere für viele lokale Erzeuger anfangs als hoch. „Sie sahen einen Berg an Technologie, mit dem sie nichts anzufangen wussten. Das haben wir unterschätzt", sagt Roland. Deshalb bietet ABC nun auch Schulungen und technische Unterstützung an. In Zusammenarbeit mit lokalen Partnern kümmert sich das Unternehmen um die Wartung der Anlagen.
Online-Lernmaterialien helfen Ingenieuren und Erzeugern dabei, den Umgang mit dem System zu erlernen. Und es bleibt nicht bei Technologie und Ernährungsprogrammen: Biosicherheit bleibt entscheidend. „Alles beginnt mit Disziplin vor Ort", betont Jasper.
Säule 3: Partnerschaft statt einmaliger Verkauf
Die Finanzierung ist oft der Knackpunkt, insbesondere in Ländern, in denen Pflanzenkrankheiten jedes Jahr bis zu 20 % Ertragsverlust verursachen können. „Da bleibt nicht viel Spielraum für Investitionen", sagt Roland. Deshalb verkauft ABC das System nicht als traditionelles Produkt, sondern bietet es als Dienstleistung an: Die Erzeuger zahlen keinen hohen Vorabbetrag, sondern leisten einen Beitrag pro geernteter Kiste Bananen. „Wir sind kein Lieferant, wir sind ein Partner", sagt Jasper. „Wir teilen das Risiko und sorgen dafür, dass es funktioniert."
Das ist an Bedingungen geknüpft: mindestens 20 Hektar und ein Vertrag mit einem internationalen Abnehmer. Auf den Philippinen würden schätzungsweise tausend Erzeuger die Voraussetzungen erfüllen; ABC strebt an, innerhalb von drei Jahren hundert von ihnen zu gewinnen. Ohne jegliche Marketingmaßnahmen haben sich bereits zehn Erzeuger verpflichtet. „Das erste Feld startet in einem Monat", sagt Roland.
Über Bananen hinaus
Die Ambitionen reichen weit über Bananen oder die Philippinen hinaus. ABC will das System für andere Kulturen wie Kaffee, Avocado und andere tropische Früchte anpassen, wobei lokales Fachwissen im Mittelpunkt des Konzepts steht. Obwohl von zwei niederländischen Unternehmern gegründet, überlässt ABC den Anbau und die Umsetzung lokalen Teams aus Ingenieuren, Wissenschaftlern und Pflanzenbau-Spezialisten. „Wir werden ihnen nicht vorschreiben, wie sie Bananen anbauen sollen", sagt Jasper. „Das wissen sie selbst am besten." Die Zusammenarbeit mit der Wageningen University & Research und das niederländische Anbauknow-how in Hightech-Umgebungen ergänzen die Erfahrungen vor Ort.
Ein Skalierungsfonds
Um die Einführung zu beschleunigen, arbeitet ABC an einem Investitionsfonds. Die ersten Pilotfelder auf den Philippinen werden noch aus ABCs eigenen Mitteln finanziert, doch um innerhalb von drei Jahren 100 Felder zu erreichen, laufen derzeit Gespräche mit Banken und Investoren. „Unser Angebot ist finanziell attraktiv", sagt Roland. „Profitabel für den Erzeuger, aber auch für uns und für Investoren."
Jasper fasst es zusammen: „Alles beginnt mit Wasser: Krankheiten mit UV-C fernhalten. Dann kommt das Premium Cultivation System, das – kombiniert mit Biosicherheit und intelligentem Pflanzenmanagement – höhere Erträge liefert. Und wenn man Anbausysteme, Bildung und Finanzierung zusammenbringt, kann man weltweit etwas bewirken."
Weitere Informationen:
A Better Choice
Rijksstraatweg 145
7391 MK Twello (Die Niederlande)
Tel.: +31 (0) 6 52321450 (Jasper van Roon)
[email protected] (PCS und CMS)
[email protected] (UV-C)
www.abetterchoice.nl