© Fresh RecruitmentNach einer dreißigjährigen Karriere im Obst- und Gemüsehandel begann Jan Willem Tolhoek vor fünf Jahren als Personalvermittler. Mittlerweile feiert er als Inhaber von FreshRecruitment sein fünfjähriges Jubiläum in derselben Branche. In diesen fünf Jahren hat er erhebliche Veränderungen im Bereich der Personalbeschaffung erlebt, allein schon durch den Vormarsch von KI, und dennoch bleibt es seiner Meinung nach vor allem Menschenarbeit. "KI kann wirklich nicht einschätzen, ob man zur Kultur eines Unternehmens passt."
Das bedeutet nicht, dass er vor dem Einsatz von KI die Augen verschließt. "Sie ist Teil des Lebens geworden, und ich nutze sie selbst, um Fragen zu stellen. Die Bedingung ist für mich allerdings immer, dass man es dann persönlich macht, sonst verfehlt man sein Ziel. Ich höre regelmäßig von Bewerbern, dass sie mit automatisierten Nachrichten angesprochen werden, während ein Blick auf das Stellenprofil das bereits überflüssig machen sollte."
"Es bestätigt mir, dass es in diesem Beruf vor allem um Vertrauen zueinander geht. Kandidaten werden von Personalvermittlern massiv angesprochen, und es gibt eine Menge 'Cowboys' auf diesem Markt. Deshalb ist es so wichtig, die Menschen und die Branche zu kennen. Ich spreche mit allen Bewerbern vertraulich. Es gibt keine andere Möglichkeit, denn oft arbeiten sie noch irgendwo und wollen über ihre Zukunft sprechen. Ich gebe dann oft Ratschläge, wenn sie zu einem Vorstellungsgespräch bei einem Unternehmen kommen. Für viele Bewerber ist es ideal, dass sie mit ihren Fragen zu uns kommen können, als unabhängiger Sparringspartner, anstatt direkt zu einem Unternehmen zu gehen. Das ist etwas, das man nicht durch KI ersetzen kann. Bei der Erstellung von Stellenprofilen geht es auch um Worte. Hier kann die KI ein nützliches Werkzeug sein, aber sie ist sicher keine fertige Lösung. So muss man vor allem authentisch bleiben und darf sich nicht dem gängigen Sprachgebrauch anschließen, wenn das nicht der eigene Stil ist."
Annahmen und Vorteile
Als Personalvermittler kennt Jan Willem mittlerweile die Vorurteile, die es gegenüber der Personalvermittlung gibt. "Und es gibt auch genug Lebenslauf-Schieber. Man darf jedoch nicht alle über einen Kamm scheren. Andererseits wird heute häufiger mit Personalvermittlern zusammengearbeitet als noch vor etwa zehn Jahren. Sowohl Kandidaten als auch Unternehmen erkennen zunehmend den Mehrwert dieser Zusammenarbeit. Dennoch gibt es nach wie vor viele Annahmen und Vorurteile. So werden wir oft mit Zeitarbeitsfirmen in einen Topf geworfen. Die Vermittlung von beispielsweise 200 Erdbeerpflückern ist wirklich etwas ganz anderes als das, was wir tun."
Was sich in fünf Jahren nicht geändert hat, ist der angespannte Arbeitsmarkt. "Was mir dabei auffällt, ist, dass das Alter für viele Unternehmen ein großes Thema ist. Ich sehe in der Praxis, dass viele Unternehmen Schwierigkeiten haben, Menschen über 55 einzustellen. Persönlich überrascht mich das, denn das sind Menschen, die noch gut zehn Jahre arbeiten müssen. Man kann natürlich nur 30-Jährige einstellen, aber welche Garantie hat man, dass sie in etwa drei Jahren noch für einen arbeiten? Gerade Senioren sind oft ortsfest, etwas flexibler in Bezug auf Gehälter und bringen eine Menge Erfahrung mit. Meiner Meinung nach besteht die ideale Verteilung aus 1/3 unter 30 Jahren, 1/3 zwischen 30 und 50 Jahren und 1/3 darüber, wenn möglich auch noch mit einem gesunden Verhältnis zwischen Männern und Frauen. Auch Letzteres ist sicherlich in den kaufmännischen Abteilungen noch nicht selbstverständlich."
"Aufgrund der Knappheit auf dem Markt sieht man auch immer mehr andere Nationalitäten bei Obst- und Gemüseunternehmen. Die brauchen wir auch dringend. Allerdings verlangen viele Obst- und Gemüseunternehmen, dass die Bewerber Niederländisch sprechen, was regelmäßig zu Reibereien führt, da ausländische Studenten der Universität Wageningen, der HAS oder der Larenstein oft nur Englisch sprechen. Und wir als Niederländer müssen uns diesbezüglich auch an die eigene Nase fassen, denn wir sprechen oft sofort Englisch mit ihnen. Übrigens erwartet man manchmal auch von ausländischen Bewerbern ein etwas proaktiveres Verhalten. Wenn ein chilenischer Bewerber nach vier Jahren seinen Führerschein noch nicht umgeschrieben hat, dann denke ich: Warum hast du das nicht sofort gemacht?"
"Der gesamte Obst- und Gemüsesektor verändert sich rasant, wobei wir sowohl im Einzelhandel als auch in der Produktion eine starke Konzentration beobachten. Auch im Handel gibt es immer mehr Kooperationen oder Neugründungen mit ausländischen Lieferanten, und trotz der vertikalen Integration wird es immer einen Teilhandel geben. Das liegt einfach in der Natur unseres Produkts. Man sieht daher auch, dass Menschen aus beispielsweise der Blumenbranche oder anderen verwandten Branchen Schwierigkeiten haben, sich in den Obst- und Gemüsesektor zu integrieren. Man versteht zwar, dass es sich um einen dynamischen Handel handelt, aber tatsächlich darin zu arbeiten, ist eine ganz andere Geschichte. Und dann kommt es auch noch darauf an, ob man mit Orangen arbeitet, die man einen Monat lang lagern kann, oder mit Himbeeren, die noch am selben Tag aus dem Kühlraum müssen. Da ich aus der Branche komme, kann ich im Allgemeinen gut einschätzen, welcher Kandidat zu welchem Unternehmen und zur dort herrschenden Kultur passt."
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