Als Metro am 2. März 1971 in Vösendorf seinen ersten Markt eröffnete, war „Großhandel" noch ein Wort, in dem „Fülle" mitschwang. Der Wirt fuhr morgens mit dem Transporter vor, lud ein, was er brauchte, und war am Nachmittag wieder im Betrieb. Das Prinzip war einfach: Menge gegen Preis. Heute, 55 Jahre später, ist dieses Versprechen komplexer geworden. Der Großhandel ist weniger ein Einkaufserlebnis als Systemarchitektur, es ist ein Geflecht aus Lieferketten, digitalen Bestellplattformen, Eigenmarkenstrategien und Dateninfrastrukturen.
Heute wird diese Verschiebung sichtbar. Das Unternehmen meldet ein erfolgreiches Jahr 2025, kündigt Investitionen in die Modernisierung an und verweist auf seine sogenannte sCore-Strategie. Was sich nach Konzernsprech anhört, beschreibt in Wahrheit einen fundamentalen Umbau des Geschäftsmodells, mit Konsequenzen für die gesamte österreichische Gastronomie- und Hotelleriebranche.
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Big in Vösendorf
Die Zahlen vermitteln eindrucksvoll, wie groß das Unternehmen tatsächlich ist: 16 Großmärkte, ein Lieferdepot, rund 2.300 Vollzeitarbeitskräfte, ein Sortiment von 37.000 Artikeln. Im Geschäftsjahr 2023/24 erwirtschaftete METRO Österreich einen Umsatz von 914 Millionen Euro. Dahinter steht ein Konzern, der in über 30 Ländern operiert und im Geschäftsjahr 2024/25 einen Gesamtumsatz von 32,4 Milliarden Euro erzielte.
Der erste Metro Markt außerhalb Deutschlands überhaupt war jener in Vösendorf, den sicher ganz Ostösterreich kennt. Das erklärt auch, warum Metro in Österreich eine Sonderstellung innehat: Das Unternehmen ist ein Urgestein und hat die Professionalisierung der heimischen Gastronomie in Teilen mitgeprägt und ist für viele Betriebe der selbstverständliche, nicht weiter hinterfragte Einkaufspartner der ersten Wahl.
Der Großmarkt wird zum Fulfillment-Center
Die eigentliche Nachricht zum Jubiläum ist nicht das Alter des Unternehmens, sondern seine Transformation. Metro bewegt sich weg vom klassischen Cash-and-Carry-Modell hin zu einem Multichannel-Ansatz, der drei Vertriebskanäle kombiniert: den stationären Großmarkt, die direkte Belieferung unter dem Begriff Food Service Distribution, kurz FSD, sowie einen wachsenden Online-Marktplatz.
Die Zahlen auf Konzernebene zeigen jedenfalls, wohin die Reise geht. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 legte der FSD-Umsatz weltweit um 12,9 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro zu, während das stationäre Geschäft auf Vorjahresniveau stagnierte. Das Belieferungsgeschäft ist damit längst zum eigentlichen Wachstumsmotor geworden. Die sCore-Strategie, die der Konzern 2022 vorgestellt hat, zielt darauf ab, den FSD-Umsatz bis 2030 im Vergleich zum Ausgangsjahr 2020/21 zu verdreifachen. Für Österreich bedeutet das konkret: Die bestehenden Großmärkte werden schrittweise in Multichannel-Fulfillment-Center umgewandelt: Flächen, die sowohl für den Abholbetrieb als auch für die Kommissionierung von Lieferungen genutzt werden. Umbaumaßnahmen an FSD-Flächen sowie die laufende Modernisierung der Märkte sind bereits im Gange.
Parallel dazu treibt Metro die IT-Harmonisierung voran. Dass das Unternehmen diesen Prozess in seiner Jubiläumskommunikation explizit erwähnt, ist bemerkenswert: Systemintegration und Datenverfügbarkeit gelten intern offensichtlich als strategische Priorität. Ein Großhändler, der seine Prozesse vollständig digital vernetzt hat, kann seine Kunden besser binden und Angebote präziser zuschneiden.
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