Seit dem 5. September 2025 ist Greenyard nach einer Übernahme durch die Familie Deprez und Solum Partners offiziell nicht mehr an der Börse notiert. Dieser Schritt erfolgte nach jahrelangen internen Überlegungen, ob die Börsennotierung noch einen Mehrwert bot. "Letztlich sind wir zu dem Schluss gekommen, dass die Börsennotierung die Entwicklung unseres Unternehmens nicht mehr unterstützte", erklären Francis Kint und Charles-Henri Deprez (CEO und CFO von Greenyard), die zusammen mit Daniel Sachs von Solum Partners näher auf die Entscheidung, die Dynamik rund um den Börsenausstieg und die zukünftige Strategie eingehen.
© Greenyard
Der Schritt, sich von der Börse zurückzuziehen, war daher eine bewusste Entscheidung. "Theoretisch bietet eine Börsennotierung Zugang zu Kapital, Sichtbarkeit und einem stabilen Investorenpublikum. In der Praxis haben wir jedoch einen anderen Effekt erlebt", beginnt Charles-Henri. Nach Ansicht des Managements stand der Börsenkontext zunehmend im Widerspruch zu der strategischen Zukunftsvision von Greenyard. "Das gilt nicht nur für uns. Der europäische Mid- und Small-Cap-Markt hat seit Jahren mit geringer Liquidität und begrenztem Interesse großer institutioneller Anleger zu kämpfen. Daher besteht der größte Teil der Aktionärsbasis aus Privatanlegern, was zu einem sehr volatilen Kurs und einer starken Sensibilität für Kurzeitreaktionen führt."
Diese Volatilität sorgte für zusätzlichen Druck. "Wir stellten fest, dass fast jede Mitteilung, ob positiv oder negativ, vom Markt negativ interpretiert wurde. Das sorgte für Unruhe und machte es schwierig, strategische Schritte zu unternehmen, ohne dass diese sofort unter Druck gerieten."
© GreenyardRechts Charles-Henri Deprez
Langfristige Vision kollidiert mit Börsenlogik
Dieses Spannungsfeld wiegt umso schwerer, da Greenyard ein Familienunternehmen ist. "Als Familienunternehmen denken wir in Generationen", betont Charles-Henri. "Unsere strategischen Entscheidungen zeigen oft erst nach fünf oder zehn Jahren ihre volle Wirkung, während sich die Börsenlogik hauptsächlich um Quartalsberichte dreht. Dieses Spannungsfeld wurde immer größer. Deshalb sind wir bereits vor drei Jahren intern zu dem Schluss gekommen, dass die Börse uns eher einschränkt als stärkt. Der Ausstieg war also keine spontane Entscheidung, sondern das Ergebnis eines langen und wohlüberlegten Prozesses."
In Solum Partners fand Greenyard einen Aktionär, der die langfristige Vision teilt. Die Gespräche mit Solum reichen zudem viel weiter zurück als die jüngste Übernahme. Hein Deprez, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Greenyard, und Solum kennen sich bereits seit zehn Jahren. Vor drei Jahren kam Hein Deprez auf die Idee, Greenyard gemeinsam von der Börse zu nehmen, und dann kamen die Gespräche in Gang. "Wir kennen Solum noch aus ihrer Rolle innerhalb der Harvard Management Company. Das gab uns die Zeit, ohne Druck auf eine Struktur hinzuarbeiten, die für alle Beteiligten passt."
Ruhe bei Kunden und Lieferanten
Seit dem Börsenausstieg erlebt Greenyard vor allem mehr Ruhe in der Organisation. Francis: "Das Tagesgeschäft kann sich wieder voll und ganz auf Kunden, Erzeuger und operative Effizienz konzentrieren, ohne den ständigen Druck der öffentlichen Berichterstattung." Auch im Bereich der Unternehmensführung wurden Fortschritte erzielt. „Die Vereinbarungen zwischen der Familie, Solum und dem Management sind klar festgelegt, was die Entscheidungsfindung nicht nur beschleunigt, sondern auch fördert."
© Greenyard
Francis Kint
Die Reaktionen der Kunden und Lieferanten waren ebenfalls überwiegend positiv, wie sie berichten. "Große Kunden wollen natürlich Klarheit über die Aktionärsstruktur, da wir intensiv mit ihnen zusammenarbeiten und sie stark von zuverlässigen und stabilen Partnern abhängig sind. Wir haben sie daher transparent informiert."
Auch die Bedenken hinsichtlich des Einstiegs eines für sie relativ unbekannten Partners wie Solum verschwanden laut der Geschäftsführung schnell. „Sobald die Kunden Einblick in dessen Hintergrund, Investitionsphilosophie und Erfahrung im Lebensmittel- und Agrarsektor erhielten, schlug die Stimmung in eine positive Richtung um." Die Lieferanten reagierten ähnlich. "Anfangs waren sie noch zurückhaltend, aber letztlich überwiegt die Erkenntnis, dass diese Struktur Ruhe und Kontinuität bietet."
Laut der Geschäftsführung gab es keine Bedenken hinsichtlich einer geringeren Transparenz, nachdem Greenyard wieder privatisiert wurde. "Unsere Transparenz gegenüber der Börse ist weggefallen, aber gegenüber Kunden und Partnern bleibt sie unverändert. Je integrierter wir mit einem Kunden zusammenarbeiten, desto mehr Informationen teilen wir. Auf der Lieferantenseite gilt das Gleiche. Wir bieten weiterhin Offenheit, wo dies operativ relevant ist. Der Ausstieg ändert nichts an unseren Formen der Zusammenarbeit."
Branchenpartner, kein klassischer Investor
Und Solum? War es für sie eine schwierige Entscheidung, diesen Schritt zu wagen? "Als Team arbeiten wir seit mehr als zwanzig Jahren weltweit im Lebensmittel- und Agrarsektor", erklärt Daniel Sachs vom Investmentpartner. "Wir werden innerhalb der Branche auch nicht
© Greenyardals traditioneller Finanzinvestor gesehen, sondern wirklich als Partner. Seit 2016 haben wir uns bewusst dafür entschieden, ausschließlich in Lebensmittel- und Agrarunternehmen zu investieren."
Rechts Daniel Sachs
Dieser Fokus wurde beibehalten, als sich Solum 2020 von der Harvard Management Company abspaltete. "Dadurch werden wir auf dem Markt eher als Branchenpartner gesehen. Wir bringen nicht nur Kapital ein, sondern auch Wissen über Einzelhandelsmodelle, Produktionseffizienz, Anbaustrukturen und Technologie. Das ist auch einer der Gründe, warum wir in diesem Schritt mit Greenyard eine äußerst attraktive Zusammenarbeit sahen. Andererseits senkt es auch die Hemmschwelle für Kunden und Lieferanten, uns als stabilen Anteilseigner zu betrachten."
Wiedereingliederung der Anbaubetriebe in Greenyard
Der Börsenausstieg fällt mit einer Zeit zusammen, in der der Sektor durch Wetterbedingungen, geopolitische Unsicherheiten, steigende Kosten und sich ändernde Vorschriften unter Druck steht. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach frischen und gesunden Produkten strukturell. Hat dies zusätzliche Herausforderungen im Prozess mit sich gebracht? "Wir sehen diese Komplexität nicht als Bedrohung, sondern als Chance, die Kette weiter zu professionalisieren", versichert Francis.
In diesem Zusammenhang steht auch die Entscheidung, eine Reihe von Anbaubetrieben wieder in Greenyard zu integrieren. "Wir haben angekündigt, dass eine Reihe von Gartenbaubetrieben, die zuvor aus der Gruppe ausgegliedert worden waren, wieder in Greenyard integriert werden. Der eigene Anbau verringert unsere Abhängigkeit, verbessert die Qualität und macht unsere Lieferungen vorhersehbarer. Ich habe in der Vergangenheit bereits mit dieser integrierten Struktur gearbeitet und weiß, wie wertvoll sie sein kann."
© Greenyard
Der private Rahmen bietet dabei zusätzlichen Spielraum. "Der größte Vorteil der Privatisierung ist die größere strategische Freiheit. Wir können zeitaufwändige Projekte entwickeln, ohne sie vorzeitig öffentlich erläutern zu müssen. Die Unternehmensführung ist einfacher, der Berichtsaufwand geringer und die Qualität der Entscheidungsfindung höher. Für Investitionen in Digitalisierung, Logistik oder internationales Wachstum ist dieses Umfeld effizienter. Auch die Zusammenarbeit zwischen den Aktionären verläuft einfacher und zielgerichteter."
Entwicklung des US-Marktes
Für die Zukunft sehen die Partner daher eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Rolle von Greenyard innerhalb der Kette. "Einzelhändler, einschließlich Discounter, wollen im Bereich Obst und Gemüse immer stärker werden. Das macht sie anfälliger für Schwankungen bei Erträgen, Wetterbedingungen und logistischer Verfügbarkeit, wodurch wir als Greenyard zunehmend eine verbindende Rolle übernehmen. Wir machen diese Schwankungen beherrschbar, indem wir Volumen besser planen, Risiken streuen und schneller auf Veränderungen bei Angebot und Nachfrage reagieren."
© Greenyard
Mit der Präsenz von Solum sehen die Partner auch ein Wachstum in Nordamerika. "Unsere historischen Aktivitäten in Südamerika und Afrika stehen vor allem im Zusammenhang mit unseren Anbaubetrieben. Diese Märkte bleiben relevant, machen aber derzeit einen geringeren Teil des Gesamtumsatzes aus. Dabei möchten wir betonen, dass wir stets die Augen offen halten für zukünftige Möglichkeiten in Lateinamerika und Afrika, wo wir bereits präsent waren. Geografisch liegt der Schwerpunkt weiterhin vor allem auf Europa und Nordamerika. Wir sind bereits seit Jahren in den USA präsent, und der amerikanische Hintergrund von Solum stärkt diese Position und sorgt dafür, dass wir strategisch prüfen werden, wie wir das weiterentwickeln können."
"Die strategischen Überlegungen für die kommenden Jahre sind in vollem Gange. Wir prüfen, wie wir unser Modell weiter stärken können, wie die Reintegration der Anbauaktivitäten gestaltet werden soll und welche Investitionen erforderlich sind, um die Kette effizienter und robuster zu machen. Unser Horizont liegt bei fünf bis zehn Jahren, mit klaren Ambitionen in Bezug auf Größe, Qualität und internationale Expansion."
Weitere Informationen:
Greenyard
[email protected]
www.greenyard.group