Lorenz Gutknecht, Gemüsekulturen Gutknecht, zur Schweizer Freilandsaison:

"Verschärfte Pflanzschutzregelung macht uns massiv zu schaffen bei gleichbleibenden Qualitätsanforderungen"

Die Einlagerung des Kohlgemüses und damit auch die diesjährige Ernte neigt sich beim Gemüsebaubetrieb Lorenz Gutknecht im Berner Seeland dem Ende entgegen. "Wir haben dieses Jahr eine erfreuliche Weißkohlernte mit einem hohen Anteil großer Kaliber. Für den Schweizer Frischmarkt werden aber vorwiegend Kohlköpfe mit einem Stückgewicht bis 1,2 Kilo benötigt, weshalb wir absatzseitig vermehrt auf Schneidebetriebe und Verarbeiter ausweichen müssen", schildert Inhaber Lorenz Gutknecht die aktuellen Marktverhältnisse.

Ansonsten beobachtet der Gemüseerzeuger einen relativ hohen Mengendruck und eine entsprechende Abgabebereitschaft bei den Branchenkollegen. Im Gegensatz zur üppigen Weißkohlernte habe man im Bereich Rotkohl dieses Jahr einen erheblichen Mengeneinbruch hinnehmen müssen, Gutknecht: "Wir gehen aufgrund von Qualitätsproblemen zur Zeit von etwa 50 Prozent Gesamteinbußen aus. Die Ware die aber vorhanden ist, kann auch relativ flott vermarktet werden."


Blick auf das Rotkohlfeld

Knollensellerie und Chinakohl
Lorenz Gutknecht hat sich im Laufe der Jahre auf den Anbau von Kohl- und Wurzelgemüse spezialisiert und ist so zum zuverlässigen Lieferanten für Abnehmer in der ganzen Schweiz geworden. Außer Weiß- und Rotkohl wird auch der Knollensellerie nun in großen Mengen geerntet und eingelagert. "Am Anfang der Erntekampagne hatten wir die Befürchtung, dass es dieses Jahr verhältnismäßig mehr kleinere Knollen geben würde. Gegen Schluss war der Zuwachs dann aber sehr gut, weshalb uns sämtliche Kaliber nun in guten Mengen zur Verfügung stehen." Die Notierungen lägen dabei etwa auf Vorjahresniveau, so Gutknecht.


Weißkohl frisch vom Feld

Auch der Chinakohl macht mittlerweile einen wesentlichen Teil des Betriebsumsatzes aus. "Das Kühllager ist nahezu voll und die Ernte steht kurz vor dem Abschluss. Die Preise sind insgesamt recht erfreulich, dürften aber im Hinblick auf die guten Qualitäten etwas besser sein." Weitere Kohlkulturen kämen vorerst nicht in Frage, so Gutknecht des Weiteren. "Wirsing haben wir schon mal angebaut, ist aber fruchtfolgetechnisch relativ schwierig. Spitzkohl stellt wiederum in der Schweiz eher eine Nische dar. Auch den Anbau unserer Kalettes haben wir nun erstmal gestoppt, nächstes Jahr werden wir sie aller Voraussicht nach wieder anbauen. Luxus- und Nischenprodukte sind momentan auch schwierig zu vermarkten, da die Kaufkraft stark nachlässt."


Vermarktungsfähiger Chinakohl

Die Karottenernte geht währenddessen aufgrund der Niederschläge sehr schleppend voran. "Wenn das Wetter demnächst nicht umschlägt, werden in dem Anbaugebiet Seeland bei Weitem nicht alle Karotten geerntet. Viele Partien zeigen schon jetzt Schäden auf, was auf die nassen Felder zurückzuführen ist. Dies wirkt sich wiederum sehr negativ auf die Lagerkampagne, sprich die Haltbarkeit der Ware, aus."

Rechts: Blick ins Kühlhaus. Auf dem Betrieb Gutknecht sind nun etwa zwei Drittel der Karotten eingelagert worden.

"Bei den Zwiebeln sieht es auch nicht erfreulich aus", so Gutknecht. "Die Zwiebeln haben aufgrund des warmen Sommers sehr stark gelitten, weshalb es überdurchschnittliche Sortierausfälle gibt. Die national gemeldeten Lagerzahlen werden dadurch deutlich nach unten korrigiert werden."

Erhebliche Mehrkosten im Gemüsebau
Die Kostensteigerungen in der Produktion machen sich auch im Betrieb Gutknecht prägnant bemerkbar. "Wir gehen insgesamt von etwa 300.000 CHF Mehrkosten in diesem und nächstem Jahr aus", beziffert der Erzeuger. "Dementsprechend versuchen wir derzeit die Preise anzuheben, was aber bei Weitem nicht reichen wird um die Zusatzkosten abzudecken."

Ferner kämpft der Produzent vor allem mit der Pflanzschutzregelung die in den zurückliegenden Jahren tendenziell verschärft wurde. "Aufgrund der Tatsache, dass immer weniger Pflanzschutzmittel zugelassen sind bei gleichbleibenden Qualitätsanforderungen, ist der Gemüsebau besonders anspruchsvoll geworden." Gleiches gilt für den Arbeitskräftemangel: "Erntehelfer sind schwierig zu bekommen, wobei wir aber den Vorteil haben, dass wir uns mit Lagerprodukten befassen und unser Personal somit ganzjährig beschäftigen können. Dies trägt maßgeblich zur Betriebstreue unserer Mitarbeiter bei."

Bilder: Gutknecht Gemüsekulturen 

Weitere Informationen:
Lorenz Gutknecht
Gutknecht Gemüsekulturen
Witzwilstrasse 20
3232 Ins
Tel. 032 313 46 14
Fax 032 313 46 15
Mobile 079 340 92 26
betriebsleiter@gemuesekulturen.ch 
www.gemuesekulturen.ch  


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