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Eliane Steinmeyer und Alexandra Adler zum 60-jährigen Jubiläum des Großmarkts Hamburg:

"Was Corona gezeigt hat, ist, wie wichtig ein Großmarkt für das städtische Leben ist und vor allem aber für die Versorgungssicherheit"

Seit 60 Jahren stellt der Großmarkt Hamburg in Hammerbrook einen Grundpfeiler der Lebensmittelversorgung im Raum Hamburg dar - aber auch über die Region hinaus. Als Mitglied der Weltunion der Großmärkte (WUWM) sowie als Teil des Vorstands der GFI Deutsche Frischemärkte kennt sich Geschäftsführerin Eliane Steinmeyer bestens mit der Situation der Großmärkte aus. Mit ihr und der Marketingleiterin Alexandra Adler sprachen wir vor Ort über aktuelle Herausforderungen und neue Potenziale am Großmarkt. Abgesehen vom Jubiläum kann sich der Großmarkt zudem über eine Verlängerung der Standortgarantie bis 2044 freuen.


Eliane Steinmeyer (links) und Alexandra Adler

Interesse an Flächen auf dem GM weiterhin groß
"Während der Pandemie ging die Anzahl an Insolvenzen nicht über das normale Maß hinaus. Im Gegenteil, die Nachfrage nach Flächen in unserem Großmarkt ist weiterhin groß. Wir haben sogar eher zu wenig Platz als zu viel. Die Räume werden auch ständig saniert und aufgerüstet und gerade Kühlräume werden uns quasi aus der Hand gerissen. Es gibt momentan sogar Betriebe, die auf Wartelisten stehen", stell Steinmeyer fest.

"Bestehende Betriebe, bei denen es gut läuft, werden tendenziell größer. Wenn es zu Betriebsaufgaben kommt, dann eher altersbedingt und weil sowohl der Nachwuchs als auch Personal fehlen. Letztes stellt aber branchenunabhängig ein flächendeckendes Problem dar." So sei etwa der Betrieb von Facheinzelhandel im Obst- und Gemüsebereich kaum und sogenannte 'Tante-Emma-Läden' so gut wie gar nicht mehr vorzufinden. 

Auch wenn sich eine Erholung der Gastronomie zeige und damit eine große Nachfrage einherginge, leide auch diese Branche am Arbeitskräftemangel. "Sie könnten durchaus mehr machen, wenn sie mehr Personal hätten. Da ist in den letzten zwei Jahren sehr viel Personal abgewandert. Die Mitarbeiter in der Gastro leben unter anderem von Trinkgeld, was in die staatlichen Hilfen nicht inkludiert worden ist." Großmarkthändlern, die primär die Gastronomie beliefern, hatte die Geschäftsleitung die Miete gestundet.

Analoger Markt, digitale Sicherheit
E-Commerce sei am Großmarkt noch kein Thema. Während der Pandemie sei allerdings mehr Ware per Mail bestellt worden. Steinmeyer: "Viele bestellen ihre Ware online und lassen sie sich liefern, allerdings handelt es sich hierbei nicht um ein eigentliches E-Commerceverfahren. Wir wollen uns die bisher realisierten Lösungen ansehen. Hierzu stehen wir in engem Austausch mit dem Großmarkt Rungis in Paris, die eine Art Amazon Fresh für den Großhandel anbieten. Wir wollen prüfen, ob das auch auf Deutschland und speziell Hamburg übertragbar ist. Ob der hiesige Markt dafür schon reif ist, wird sich zeigen. Deutschland hinkt, was E-Commerce betrifft, aber generell stets etwas hinterher", so Steinmeyer. 

Sie ist sich aber auch sicher, dass der Obst- und Gemüsehandel nicht komplett digitalisiert werden könne: "Wir brauchen weiterhin den klassischen analogen Markt, sprich: Stände, Paletten und Gabelstapler. Obst und Gemüse lassen sich nicht per WLAN transportieren. Zwar sind wir ein relativ alter Markt, nichtsdestotrotz kann noch einiges modernisiert werden." Gemeint ist neben der Sanierung der Räume auch der Austausch der Hallentore, die an ein Zugangskontrollsystem angeschlossen werden. Marktausweise, die den Zugang gewähren, sind bereits vor einigen Jahren digitalisiert worden. Ferner werden an den Hallentoren Signalgeber installiert, die die Geschwindigkeit der Stapler in den Hallen reduzieren sollen, um Unfällen und dergleichen vorzubeugen. 


Eliane Steinmeyer

Inflation trifft auf niedrige Nachfrage
Die seit einigen Wochen herrschende Inflation sei vor allem bei höherpreisigen Produkten wie Spargel oder Flugware zu bemerken. Das Kaufverhalten habe sich zudem bei gleichzeitig sinkender Nachfrage verändert. "Sowohl bei Erdbeeren als auch beim Spargel war die Nachfrage eher verhalten und das, obwohl die Preise teilweise recht niedrig waren."

Geringe Kapazitäten
Hinzukamen geringe Kapazitäten bei der Flugware sowie bei Schiffen. "Die Preise sind im Transportwesen allgemein sehr gestiegen und ein Ende ist bisher auch nicht absehbar", fährt Steinmeyer fort. "Die Fahrpläne sind dadurch auch durcheinandergewürfelt worden. Während es in China ständig zu Lockdowns kommt, kam es in den Häfen von Ecuador und auch in Hamburg zu Streiks. Zusammen mit den bestehenden Krisen wirbelt es natürlich das gesamte Gefüge durcheinander."

Preis relevanter als Herkunft
In den letzten zwei Pandemiejahren zeichnete sich ein starker Trend Richtung Regionalware ab. Aufgrund der Preissteigerung werde jedoch ein Großteil der Konsumenten zunehmend mehr auf den Preis und weniger auf die Herkunft achten, schätzt Steinmeyer. "Wenn man davon ausgeht, dass in Deutschland die Energiepreise so extrem steigen werden, könnten laut einigen Berichten bis zu 25 Prozent der Bevölkerung von Energiearmut betroffen sein. Das heißt, dass an anderer Stelle entsprechend gespart werden muss." 

Führungen, Kulturveranstaltungen und vieles mehr
Nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause finden seit Juni wieder Führungen statt, die von einem ehemaligen Mitarbeiter geleitet werden, der über 40 Jahre lang selbst am Großmarkt tätig war. "Die Führungen waren vor der Pandemie regelmäßig ausgebucht und sind es auch aktuell wieder. Auf unserem großen Gelände finden aber auch Kulturveranstaltungen statt wie etwa Theateraufführungen von 'Harry Potter und das verwunschene Kind'. Außerdem haben auch die Harley Days wieder stattgefunden", fügt Adler hinzu. Genutzt wird die Fläche aber auch für Filmproduktionen, Schulung von Busfahrern, Projekte der TU Hamburg usw. Es gibt sogar ein kleines Museum auf dem Großmarkt, das Zusatzstoffmuseum.

Sommerfest und Food Market Hamburg abgesagt
"Wir hatten ein großes Sommerfest geplant anlässlich des Jubiläums. Doch das, was uns vorschwebte, war unter den gegebenen Umständen nicht möglich. Ebenso mussten wir zum dritten Mal in Folge den Food Market Hamburg im September absagen, eine Veranstaltung, zu der viele Hamburger erscheinen. Da die Gastrobetriebe an massivem Personalmangel leiden, hätte es auch von dieser Seite aus gesehen wenig Sinn ergeben", sagt Steinmeyer. "Zudem haben einige Erzeuger die Krise einfach nicht überstanden. Und mit Maske und Abstand ist die Veranstaltung nicht sinnvoll. Die Unsicherheit war also insgesamt einfach zu groß." 

Märkte als Anker der Versorgungssicherheit 
Solche Veranstaltungen dienen aber zusätzlich zum soziokulturellen Aspekt auch zum Teil der Finanzierung des Großmarkts. "Das hält die Mieten auf einem stabilen Level. Wir organisieren diese Events auch, um zusätzliche Einnahmen zu generieren und den Handel dadurch möglichst günstig zu halten. Insofern liegt das auch im Interesse der Händler und der Verbraucher, weil sonst Kosten aufkämen, die wir auf die Händler umlegen müssten und die sich wiederum in den Verbraucherpreisen bemerkbar machen würden", sagt Steinmeyer. 

Überregionale Versorgungsreichweite
Sowohl aus Dänemark als auch Westpolen sowie Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg seien viele Händler, teils auch zu Pandemiezeiten, zum Großmarkt gefahren, um dort Waren zu kaufen. "Als es mit Corona anfing, setze auch ein Run auf die Wochenmärkte ein. Die Ware, die eigentlich sonst an die Gastronomie verkauft worden wäre, konnte auf die Wochenmärkte verlagert werden. Plötzlich hatten wir aber auch viele Supermärkte vor Ort, die als Einkäufer auf die Händler zukamen, weil es viele Komplikationen mit den Lieferungen aus dem Ausland gab", beschreibt Steinmeyer.

"So eine Situation kann man nur abfangen, wenn man eine feste Institution in solch einer Größenordnung ist. Händler sind zwar Konkurrenten, aber eben doch auch eine große Familie, die sich gegenseitig unterstützt. Dank der Riesendrehscheibe, die wir hier zur Verfügung haben, konnten wir alle versorgen. Außerdem ist auch kein Betrieb bei uns während Corona insolvent gegangen. Was Corona gezeigt hat, ist, wie wichtig ein Großmarkt für das städtische Leben ist und vor allem für die Versorgungssicherheit." 

Brand Awareness Großmarkt Hamburg
Anlässlich des Jubiläums produzierte die Leitung ein Printmagazin, indem neben der Geschichte und der Architektur des Großmarkts ein Querschnitt von allen Menschen gezeigt wird, die den Betrieb seit 60 Jahren am Laufen halten. Das Magazin wird dabei auch in verschiedenen Buchhandlungen in Hamburg verkauft. Zusätzlich wurde Anfang des Jahres eine Sonderbroschüre über den Stadtwert des Großmarkts mit Hamburger Abendblatt an 50.000 Haushalte verteilt und auch online beworben.

Weitere Informationen:
Eliane Steinmeyer
Alexandra Adler
Großmarkt Hamburg Obst, Gemüse und Blumen
Auf der Brandshofer Schleuse 4
20097 Hamburg
Tel: +49 (0)40 42854-2370
Fax: +49 (0)40 4 27 31-33 51
E-Mail: info@grossmarkt.hamburg.de   
Web: www.grossmarkt-hamburg.de  


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