Rewes Partnerschaften mit Landwirten

"Es braucht ein Vertrauens­verhältnis"

Dr. Andreas Steidl, Geschäftsführer der Eigenmarke „Ja! Natürlich“ und Leiter des Qualitätsmanagements der REWE Group Österreich, spricht im Interview darüber, was gute Partnerschaften mit Landwirt:innen auszeichnet, warum jede Zusammenarbeit anders ist und warum Innovationen wichtig sind. 

Was erwartet „Ja! Natürlich“ von seinen Partner:innen aus der Landwirtschaft?
Dr. Andreas Steidl: Das Wichtigste ist gegenseitiges Verständnis. Wir bei „Ja! Natürlich“ akzeptieren, dass ein Landwirt nicht alles beeinflussen kann, was für die Produktion wichtig ist. So kann er sich beispielsweise nie vollständig gegen die Folgen außergewöhnlicher Witterungen absichern. Aber natürlich darf er sich bei Lieferschwierigkeiten nicht immer auf Naturgewalten berufen.

Wir erwarten, dass er alle seine Möglichkeiten ausschöpft, um Qualität und Lieferzuverlässigkeit zu gewährleisten. Denn wir benötigen stabile Mengen – sonst sind wir gezwungen, uns nach anderen Lieferanten umzuschauen. Wenn der Landwirt investieren muss, um eine konstant gute Ernte zu gewährleisten – zum Beispiel in eine zusätzliche Beregnung – sollte er uns ansprechen. Gemeinsam können wir dann nach einer passenden Lösung suchen. 

Wird jedes neue Produkt gleich landesweit angeboten und gibt es deshalb Mindestanforderungen an die Mengen, die eine Landwirtin oder ein Landwirt liefern muss?
Dr. Andreas Steidl: Das ist abhängig vom Produkt. Bei Obst und Gemüse erfolgt die Belieferung häufig aus der Region – da lassen sich Innovationen gut in einigen ausgesuchten Märkten testen. Bei anderen Artikeln ist das schwieriger. Es gibt kein Patentrezept. Wichtig ist uns, dass wir Dinge angehen, die das Potential haben, für größere Aufmerksamkeit zu sorgen. Voraussetzung dafür ist Ernsthaftigkeit. Etwas Neues nur um der Neuigkeit willen zu tun, führt zu nichts. Dafür ist der erforderliche Aufwand zu groß.

Wie stellt „Ja! Natürlich“ eine gleichbleibend hohe Qualität sicher?
Dr. Andreas Steidl: Es braucht ein Vertrauensverhältnis. Wir müssen uns auf den Landwirt verlassen können. Gleichzeitig müssen wir aber auch uns hinterfragen, ob das, was wir verlangen, machbar ist. Wenn die vereinbarte Qualität der Waren nicht stimmt, ist die Zusammenarbeit sehr schnell beendet. Wir haben aber auch Verständnis für Anlaufprobleme. Denn es ist selten, dass alles gleich von Beginn an perfekt funktioniert. Das ist aber kein Freibrief für die Landwirte. Wir erwarten, dass sie die Voraussetzungen schaffen, Qualitätsrisiken klein zu halten.
 
Wer ist Innovationstreiber: Die Landwirt:innen, die Ideen zu Ja! Natürlich tragen oder der Handel, der sie anregt, Neues auszuprobieren?
Dr. Andreas Steidl: Impulse kommen von beiden Seiten. Ich freue mich, wenn mir jemand Vorschläge macht und umgekehrt gefällt es mir, wenn Landwirte meine Anregungen aufgreifen und wir gemeinsam nach Lösungen suchen. Denn erst in einer Diskussion kann aus einer guten Idee eine bessere Idee werden.

Gibt es Landwirt:innen mit Berührungsängsten vor einem so großen Unternehmen wie der REWE Group?
Dr. Andreas Steidl: Ja, möglicherweise scheuen manche Landwirte aus diesem Grund eine Zusammenarbeit. Deshalb ist es wichtig, immer wieder Beispiele guter Partnerschaften zwischen „Ja! Natürlich“ und Bio-Bauern herauszustellen. Das baut Hemmungen ab und ermuntert hoffentlich manchen Landwirt, uns anzusprechen. Manchmal verweisen wir aber auch auf die bäuerlichen Organisationen, mit denen wir zusammenarbeiten. Sie verfügen über die erforderlichen Infrastrukturen, an denen es kleinen Landwirten häufig mangelt. Zu einer offenen und fairen Partnerschaft gehört auch, keine überzogenen Versprechungen zu machen und ehrlich zu sagen, wenn eine Zusammenarbeit keinen Erfolg verspricht.

Klicken Sie hier, um zu lesen, wie Landwirt:innen beschreiben, was ihnen aus ihrer Sicht besonders wichtig ist bei der Partnerschaft mit der REWE Group Österreich.


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