"Wir haben 25 bis 30% mehr Clementinen geerntet, als ursprünglich erwartet"

Die meisten Mandarinen in der südspanischen Region Andalusien wachsen in Huelva. Die Anbaufläche und der Ertrag dort sind dreimal größer als in der Provinz Sevilla, welche die zweitwichtigste Mandarinen-Produktionsregion in Andalusien ist. Außerdem ist der Unterschied zwischen der bepflanzten Fläche und der produktiven Fläche so groß, dass die Produktion in Huelva in den kommenden Jahren noch deutlich steigen wird.

"Am 13. September haben wir mit der Ernte der ersten Celemenrubí angefangen und vor einer Woche haben wir die letzten Oronules gepflückt", sagt Alfonso Tomé von Frescitrus. "Es war, was die Mengen angeht, eine sehr gute Saison und das trotz des stürmischen Wetters Ende September. Wir haben fast 120 Liter Regen pro Quadratmeter in unserer Region gemessen und das in nur einer Stunde. Dazu kam dann sogar noch vereinzelt Hagel. Die Kommunen Isla Cristina, Cartaya und Lepe wurden besonders hart getroffen, dort wurden die Plantagen überflutet, als die Ernte gerade erst angefangen hatte. Wir konnten aber trotzdem 25 bis 30% mehr ernten, als wir ursprünglich erwartet hatten. Wir haben 9 Millionen Kilo frühe Sorten geerntet, die für uns einen von zwei Ernte-Höhepunkten ausmachen."

"Den anderen Ernte-Höhepunkt erreichen wir mit den späten Clementinen. Die Saison beginnt im Januar mit Clemenvilla, gefolgt von Tango, Nadorcott und Orri. Ende März/Anfang April beenden wir die Saison dann mit Murcott. In Huelva bauen wir die ganze Bandbreite an Mandarinen an."

Die Mandarinen aus Huelva kommen im September auf den Markt, wo zu der Zeit auch südafrikanisches Obst verkauft wird. Anfang November überschneidet sich dann die Saison mit der aus Valencia, dort wurde dieses Jahr aber weniger geerntet. Der Valenzianische Rat für Landwirtschaft schätzt, dass insgesamt 18% weniger Mandarinen und 27,7% weniger Clementinen geerntet wurden. 

"Normalerweise beenden wir die Ernte unserer frühen Clementinen, wenn valenzianische Celemnules auf den Markt kommen, denn dann sinkt die Nachfrage nach Oronules und damit auch der Preis. In diesem Jahr konnten wir aber weitermachen, weil es so wenig Angebot aus Valencia gab. Deswegen haben wir die Saison bis in den November hinein verlängert."

"Zu Beginn unserer Saison war allerdings noch immer ziemlich viel aus Südafrika auf dem europäischen Markt, vor allem Club Mandarinen der Nadorcott-, Orri- und Tango-Sorten. Da konnten wir mit unseren frühen Clementinen kaum mithalten. Aber insgesamt hatten unsere Clementinen eine sehr gute Qualität und auch die richtigen Größen, deswegen haben wir gerade am Anfang der Saison gute Preise erzielt. Außerdem bieten wir auch Clementinen mit Blatt an, um uns so von Südafrika zu differenzieren. Denn Zitrusfrüchte mit Blatt stehen für Frische", sagt Alfonso. "Von den 9 Millionen Kilo, die wir verkauft haben, waren fast 70% Clementinen mit Blatt." 

"Früchte, die 30 Tage lang gelagert wurden, haben nicht mehr die gleiche Qualität wie die, die am Baum gereift sind und so eine wunderschöne Farbe und ein gutes Brix-Level erreicht haben. Die frischen, grünen Blätter zeigen, dass die Früchte erst vor zwei oder drei Tagen gepflückt wurden und dann ganz frisch ins Supermarktregal gekommen sind."

"Alle Märkte, sowohl der spanische Markt, als auch der ausländische Markt, nehmen Früchte mit Blatt sehr gut an", sagt Alfonso. "Wir müssen unseren Kunden aber natürlich genau erklären, was das bedeutet, wenn noch Blätter an den Zitrusfrüchten sind. Erst dann wissen sie das Produkt so richtig zu schätzen. Der Bauer geht ein Risiko ein, wenn er die Früchte länger am Baum lässt, damit sie eine schöne, natürliche Farbe annehmen. Denn wenn es dann plötzlich anfängt zu regnen, könnte der Bauer die Ernte verlieren. Der Markt sollte also diese besonders frischen Zitrusfrüchte zu schätzen wissen und uns entsprechend dafür bezahlen. Außerdem ist der Geschmack der Früchte, die so reifen, viel besser als der von Früchten, die im Lager heranreifen", sagt der Manager von Frescitrus.

Früchte mit Mehrwert
Für das Unternehmen aus Huelva, das 1998 gegründet wurde, haben sich Zitrusfrüchte mit Blatt als großer Mehrwert herausgestellt. Das Unternehmen hat aber noch ein weiteres Ass im Ärmel. Mehrere seiner Felder sollen bald als Bio ausgezeichnet werden. Dort werden bereits integrierte Schutz-Strategien angewendet. "Einfach Insekten zur Schädlingsbekämpfung auszusetzen, ist für uns viel besser, als Chemikalien zu nehmen", sagt Alfonso Tomé. "Wir sind außerdem Mitglied in verschiedenen Clubs. Beispielsweise bauen wir Nadorcott, Tango und Orri an. Der Anbau von Clubsorten kostet mehr als der von freien Marken. Aber im Moment bekommen wir sehr gute Gewinnmargen für diese Sorten."

Laut einer Kostenstudie der andalusischen Regierung für die Saison 2019/20 (vor dem scharfen Kostenanstieg im vergangenen Jahr) lagen die durchschnittlichen Produktionskosten für freie Mandarinensorten mitsamt Ernte bei 8.555 Euro pro Hektar. Clubsorten hingegen kosteten im gleichen Zeitraum 13.462 Euro.

"Auch Marokko baut Clubsorten an, vor allem die Nadorcott. In dem Land sind die Produktionskosten viel niedriger als bei uns, vor allem weil die Arbeitskosten viel günstiger sind als hier. In Zukunft könnte das ein Problem werden", warnt Alfonso Tomé. "Wir werden dafür wieder eine Lösung finden müssen, wie wir es schon mit den Mandarinen mit Blatt getan haben."

Clementinen aus Huelva
In der vergangenen Saison sind die andalusischen Mandarinenexporte um 12% gestiegen und lagen bei 49.000 Tonnen. Davon wurden 93,7% in der Europäischen Union verkauft. Huelva spielt eine große Rolle dabei, weil 61% der andalusischen Mandarinen in der Provinz gepflückt werden. 

In Anbetracht dieser großen Mengen, der geografischen Konzentration, der Qualität der Früchte und des eigenen Marktfensters innerhalb der spanischen Saison kann man davon ausgehen, dass die Mandarinen und Clementinen aus Huelva sich in Zukunft von anderen nationalen Zitrusfrüchten absetzen werden. Es gibt schon eine ähnliche Initiative für eine andere, andalusische Zitrusfrucht, sie heißt 'Orangen aus dem Guadalquivir-Tal'. 

"Im Moment gibt es in unserer Provinz noch kein vergleichbares Projekt, aber gerade die frühen Mandarinen haben viele Möglichkeiten, was das angeht. Wir sprechen hier immerhin von einer sehr hohen Qualität, die immer gut auf dem Markt ankommt und das obwohl die Konkurrenz groß ist", sagt Alfonso Tomé.

Für weitere Informationen: 
Alfonso Tomé
Frescitrus
Centro Tecnológico de la Agroindustria ADESVA
P.I. La Gravera, Avda. La Dehesa del Piorno, 1
21440 Lepe (Huelva) - Spain
Tel: +34 650 949 191
atome@frescitrus.com
www.frescitrus.com


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