Ton Bouw, The Greenery:

"Der Ankauf von Produkten in guten und schlechten Zeiten zahlt sich aus"

Die letzte spanische Saison war noch nicht einmal ganz vorbei. Dennoch trafen sich Erzeuger, Käufer und Verkäufer bereits, um die Saison 2021/2022 zu besprechen. Dies ist das Ergebnis jahrelanger Unsicherheit, die nicht nur auf den Brexit und COVID-19 zurückzuführen ist. Auch die Preise werden von allen Seiten immer weiter angehoben.

Der Brexit war nicht allzu schlimm, aber in diesem Herbst hat die Energiekrise eine neue Ebene der Besorgnis hinzugefügt. Dies ist ein weiterer Faktor, der die niederländische Importsaison beeinflussen kann. Diese ist auch immer stark von den Wetterbedingungen abhängig. Anfang November brachte Ton Bouw von The Greenery etwas Licht in die Angelegenheit.

Zu diesem Zeitpunkt war die Saison bereits seit zwei Monaten im Gange. Im Allgemeinen begann die Saison in Spanien früher. Das scheint in den letzten Jahren der Fall gewesen zu sein. Das wirft die Frage auf, ob Spanien (noch) mehr von einem schnelleren Rückgang des Angebots der Erzeuger im Nordwesten profitiert hat. Das ist eine Folge der Energiekrise, aber für Ton nicht sofort ersichtlich.

Ton Bouw 

"[Die Region] Almería hat früh angefangen, vor allem mit den Zucchinis. Das war sogar zwei Wochen früher. Aber das hat nichts mit der Situation in den Niederlanden zu tun. Die Erzeuger in Almería haben das nicht bedacht. Abgesehen davon, dass sie eine Energiekrise für sich nicht absehen können. Der frühe Start ist vielmehr auf die guten Preise der letzten Saison im September und Oktober zurückzuführen. Die Erzeuger hatten gehofft, diese Preise zu Beginn dieser Saison wieder zu erzielen. Das ist aber nicht eingetreten."

Spitzpaprika sticht hervor
Zucchini sind eine echte Spezialität des niederländischen Obst- und Gemüseimporteurs. Diese sind das ganze Jahr über bei The Greenery/Hagé International erhältlich. Es gibt sowohl grüne als auch gelbe Zucchini und spezielle runde Zucchinis. "Die Preise in diesem Sommer waren gut. Bis jetzt war es eine ziemlich normale Saison. Allerdings waren die Preise im September und Oktober deutlich niedriger als im letzten Jahr", sagt Ton.

Das Gleiche gilt für Gurken. Diese sind wie Zucchini eine relativ kurzlebige Kultur. Die Erzeuger setzen auf diese Kulturen, weil sie sich davon eine größere Flexibilität in unsicheren Zeiten erhoffen. "Die Anbaufläche hat sich auch hier nicht wesentlich vergrößert. Auch der Start in die Saison war nicht gerade der beste."

Die Anbaufläche von Paprika in Almería ist jedoch deutlich gewachsen. Ton schätzt um zehn bis 12%. "Die Saison begann ganz normal. Wie so oft, mit minderer Qualität, wegen zu warmer Nächte. Man braucht ein paar gute kalte Nächte für die Festigkeit. Die gab es zu Beginn der Saison nicht. Das führte dazu, dass die Haltbarkeit der Produkte manchmal etwas zu wünschen übrig ließ. Aber inzwischen ist dieses Problem überwunden. Die Preise waren nicht sehr gut. Aber das ist nicht ungewöhnlich, solange sowohl die Niederlande als auch Spanien auf dem Markt sind. Jetzt, da die Niederlande nicht mehr auf dem Markt sind, hat Spanien mehr Möglichkeiten."

Ungewöhnlich ist, dass die Erzeuger in diesem Jahr neben Blockpaprika auch viel mehr Spitzpaprika angepflanzt haben. Bouw rechnet mit etwa 15% mehr als im letzten Jahr. "Diese Kultur ist wirklich auf dem Vormarsch. Man kann sie nicht mehr als Spezialität bezeichnen." Die Anbaufläche für Auberginen hat zugenommen, aber nicht sehr stark. Auch die Preise sind zu Beginn der Saison gestiegen.

"Die Niederlande hatte zwei Wochen lang weniger Ware. Spanien konnte daher von den höheren Preisen profitieren. Diese haben sich jedoch wieder normalisiert. Jetzt, wo die Niederlande nicht mehr auf dem Markt ist, werden die Leute umsteigen. Bei Auberginen lief es zu Beginn der Saison jedoch recht gut."

Zucchini gingen schneller zurück
Südspanien wurde bis Anfang November von schlechtem Wetter verschont. Dennoch haben die Erzeuger bereits mit den notwendigen Problemen zu kämpfen, besonders bei Zucchini und Gurken lautTon. "Virusprobleme plagen die Zucchini-Erzeuger in der Region Níjar. Dort werden viele Zucchini angebaut. Das ist bei vielen Gurken in Regionen wie Motril der Fall. Das ist schon seit Jahren ein Problem, aber dieses Jahr scheint es noch schlimmer zu sein. Das liegt zum Teil daran, dass es im September und Oktober relativ warm war."

"Einige Erzeuger mussten ihre Pflanzen früher aus dem Boden holen. Die übliche schwierige Zeit für Zucchinis, was die Verfügbarkeit angeht, dürfte in dieser Saison früher kommen. Die Verfügbarkeit könnte bereits im November und Dezember abnehmen. Das ist normalerweise von Ende Dezember bis Mitte Februar der Fall. Das ist zum Teil auf das Virus zurückzuführen, aber auch auf den frühen Saisonbeginn. Da es sich um eine kurzlebige, schnell wachsende Pflanze handelt, wird sie jetzt auch früher fertig sein. Es gibt jetzt (in Woche 45, Anm. d. Red.) einige besonders kalte Nächte mit Temperaturen von drei bis vier Grad Celsius. Dann hören die Pflanzen einfach auf zu wachsen."

Es gibt keine klaren Alternativen zu Zucchini im Sommer. "Wirklich konkurrenzfähige Anbauländer gibt es zu dieser Jahreszeit nicht. Italien auch nicht. Sie verwenden den Großteil ihrer eigenen Produktion für den lokalen Verkauf. Italien kauft auch nur aus Spanien. Marokko fängt inzwischen auch mit Zucchini an. Aber sie können in Bezug auf die Qualität noch nicht mit Spanien konkurrieren", fährt Ton fort.

(Neue) Chance für spanische Gurken
Im Winter ist es schwierig, irgendwo anders Zucchini zu finden. Nicht so bei Tomaten und jetzt auch bei Gurken. Vor allem in den Niederlanden, aber auch in anderen nordwesteuropäischen Ländern haben die Erzeuger in Beleuchtung investiert. Bei Tomaten ist das keine Neuheit mehr, bei Gurken dagegen schon. "Wenn Sie mich vor vier Monaten gefragt hätten, was das für die Erzeuger in Spanien bedeutet, hätte ich gesagt, dass die niederländischen Supermärkte Gurken aus beleuchtetem Anbau bei weitem bevorzugen werden. Aber die Energiepreise sind so plötzlich gestiegen."

"Ich denke also, dass diese Veränderung vielleicht doch nicht so abrupt ist. Die Supermärkte haben inzwischen erkannt, dass die lokale Produktion nicht immer zuverlässiger ist. Nicht jetzt, wo es Erzeuger gibt, die diesen Winter nicht anbauen. Ich erwarte, dass es in Zukunft mehr Risikostreuung geben wird. Davon kann Spanien profitieren. Nicht bei Tomaten, aber sicher bei Gurken. Aber das bleibt abzuwarten. Deshalb gibt es Akteure, die noch nach Spanien kommen werden. Vor allem jetzt, wo es weniger Gurken aus Lichtanbau gibt", erklärt Ton.

Vereinbarungen werden früher getroffen
Der Begriff Risikostreuung wurde bereits erwähnt. Das ist sicherlich kein neuer Begriff. Aber angesichts der jüngsten Ereignisse sind sich alle (wieder) sehr bewusst, wie wichtig eine gute Risikostreuung ist. "Vereinbarungen werden viel früher getroffen. Normalerweise geschah dies im Mai oder Juni. Dieses Jahr war es im April. Die Programmabschlüsse werden früher getätigt. Das liegt an COVID-19 und an der stärkeren Konzentration auf Supermärkte."

"Das Gastgewerbe, auch in Spanien, zieht wieder an. Aber die Menschen suchen nach wie vor nach mehr Stabilität. Die Menschen haben gesehen, was mit den Preisen passiert, wenn man nichts unternimmt. Man könnte plötzlich mit einer riesigen Nachfrage konfrontiert werden. Dann zahlt man Höchstpreise, wenn man überhaupt ein Produkt bekommen kann. Alle erinnern sich an die Bilder von leeren Regalen", sagt Bouw.

Und auch die Erzeuger wollen Stabilität. "Alle Materialien werden teurer. Dünger kostet 30% mehr, Strom sogar 200% mehr. Spanische Gewächshäuser verbrauchen nicht annähernd so viel Energie wie die in den Niederlanden. Aber die Lagertechnik und die Kühlung verbrauchen Strom. Das kann auch die Solarenergie nicht immer ausgleichen."

Gerade in Zeiten der Extreme zahlt es sich aus, in gute gegenseitige Beziehungen zu investieren, meint Ton. "In unserem Fall handelt es sich um Investitionen, die vor 30, 40 Jahren begonnen haben. Damals leisteten wir Pionierarbeit mit Importen aus Spanien. Indem man in guten wie in schlechten Zeiten Produkte kauft, baut man Vertrauen auf. Das zahlt sich in Krisenzeiten aus."

Unverpackte Gurken
Die spanischen Erzeuger müssen den noch früheren Abschluss der Geschäfte und die Befüllung der Programme berücksichtigen. Aber können sie das tun? Sie scheinen jedes Jahr auf die Erfolge der Vorjahre zu reagieren. Das ist dieses Jahr bei Zucchini der Fall. "Ja, ohne die Erzeuger kann man keine Geschäfte machen. Sie geben nicht einfach irgendetwas heraus. Genauso wie die Praxis, willkürliche Waren in die Niederlande zu schicken, immer seltener geworden ist. Die Erzeuger haben aber immer einen gewissen Spielraum."

"Sie nutzen diesen als Puffer, wenn etwas schief läuft. Aber das heißt noch lange nicht, dass Produkte, die im September oder Oktober in letzter Minute nachgefragt werden, noch verfügbar sind. Sie könnten zwar noch verfügbar sein, aber nicht mehr zu dem gewünschten Preis oder den gewünschten Kundenspezifikationen. Laut Ton werden diese Spezifikationen immer wichtiger. "Große deutsche Supermärkte zum Beispiel entscheiden sich jetzt definitiv für unverpackte Gurken ohne Plastikversiegelung. Auch im Winter."

Schweres Gerät
Wenn es um die Verarbeitung von verpackten oder unverpackten Produkten geht, denken die Menschen zunehmend über Automatisierung nach. Das ist auch in Spanien der Fall. Das wurde Ton bei einem kürzlichen Besuch klar. Höhere Mindestlöhne sind ein wichtiger Grund dafür. "Früher waren für das Verpacken von Zucchini beispielsweise 12 oder mehr Personen erforderlich. Diese Zahl kann durch den Einsatz von Maschinen deutlich reduziert werden. Die Arbeitskräfte werden immer knapper. Die Menschen wollen manchmal nicht mehr in Gewächshäusern oder Lagerhäusern arbeiten. Selbst mit den verbesserten Rechten."

"Deshalb kommen jetzt Maschinen ins Spiel. Und es sind schwere Maschinen, die man nicht überall sieht, auch nicht in den Niederlanden. Mit diesen Maschinen ist es jetzt möglich, nach allen Verpackungsvorschriften zu arbeiten. Das ist auch wegen der zunehmenden Online-Bestellungen notwendig." Was die Arbeitskräfte betrifft, so ist die Reduzierung der Höchstarbeitszeit eine weitere Überlegung. "Diese ist jetzt auf knapp 40 Stunden pro Woche begrenzt. Es gibt also mehr Schichten in den Lagern. Das ist ein Ausgleich für die verlorene Flexibilität."

Marokkanische Konkurrenz
In Marokko, wo die Kosten andere sind, ist Arbeit weniger ein Thema. Das ist vor allem in Spanien ein Grund zur Sorge. Es befindet sich mit dem nordafrikanischen Land in einem erbitterten Konkurrenzkampf um den Anbau von Gewächshausgemüse. Es ist bekannt, dass die Anbauflächen für Tomaten in Spanien stetig zurückgehen, während sie in Marokko zunehmen. Aber auch der Anbau von anderem Gewächshausgemüse nimmt dort allmählich zu. "In Zahlen ausgedrückt, ist der Verlust bei der Tomate noch nicht so groß, aber er nimmt zu", sagt Ton.

"Marokkanische Zucchinis gibt es schon länger und sie konkurrieren mit denen aus Spanien. Allerdings ist das spanische Produkt in Bezug auf Verfügbarkeit, Qualität und Menge immer noch weitaus besser. Es gibt auch Gurken aus Marokko, aber die kommen nicht auf den nordwesteuropäischen Markt. Paprikaschoten gab es noch nie so viele, aber das ändert sich langsam. Erzeuger aus Spanien, aber auch aus Israel, haben begonnen, Paprika anzubauen. Allerdings spielen hier billige Arbeitskräfte keine so große Rolle wie bei Tomaten und, in geringerem Maße, bei Zucchini."

Spanien hat eine lange Saison und ein günstiges Klima mit viel Sonnenschein. Es bleibt also ein bedeutender Akteur, ob mit oder ohne die Expansion in Marokko oder den verstärkten Anbau von Gewächshäusern in Nordwesteuropa. "Wenn es zu Engpässen kommt, schauen die Leute immer nach Spanien. Das sieht man jetzt wieder, wo es Probleme bei den beleuchteten Kulturen gibt", sagt Ton. "Aber auch in diesem Sommer, zum Beispiel bei den Überschwemmungen in Deutschland und Südlimburg. Da sind viele Zucchini verloren gegangen. Wir suchen dann automatisch in Spanien nach Ware, zum Beispiel für unsere ganzjährigen Zucchini."

"Ich bin mir sicher, dass die Kunden zurückkommen werden, wenn Spanien zeigt, was es kann, was bei der Automatisierung zunehmend der Fall ist. Vielleicht nicht ganz, aber sicherlich als Ergänzung zu den lokalen Produkten. Im Moment versucht Spanien zunehmend, seinen eigenen Weg zu finden. Bis vor zehn, 15 Jahren hat man sich stark auf die Niederlande verlassen. Diese Abhängigkeit nimmt jetzt ab. Unsere guten Beziehungen zu Spanien bleiben bestehen. Und das ist das Wichtigste, wie sich derzeit zeigt", sagt Ton abschließend.

Ton Bouw 
The Greenery 
t.bouw@thegreenery.com   
www.thegreenery.com 


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