Roland Tolls von der Düsseldorfer Großmarktgilde und Berger & Tolls:

"Wer hätte gedacht, dass ich während einer Pandemie palettenweise Avocados verkaufe"

Für Roland Tolls waren die letzten anderthalb Jahre wahrlich keine einfache Zeit. Als Vorstandsmitglied der Düsseldorfer Händlergenossenschaft und Geschäftsführer des Betriebs Berger und Tolls kämpfte er sowohl um die Zukunft des Großmarkts Düsseldorf als auch mit den Auswirkungen der Coronapandemie.

Zum aktuellen Stand des Düsseldorfer Großmarkts

"Der Rat der Stadt Düsseldorf wird noch einen endgültigen Beschluss zur Situation des Großmarkts fassen und entscheiden, ob es den öffentlichen Betrieb, der in dieser Form seit Jahrzehnten existiert, noch geben wird. Im Vorfeld ist aber schon angedacht, dass der Obst- und Gemüse- sowie der Blumenmarkt zusammen in der Ulmenstraße verbleiben werden. Wir sind dahingehend aber weiter im Gespräch mit der Stadt," so Tolls. "Wir von der Genossenschaft glauben schon, dass mit der Stadt eine gute Verhandlungsbasis zu finden ist. Es gibt aber leider ein paar Großhändler außerhalb der Genossenschaft, die zwar berechtigterweise ihre eigene Vorstellung haben, um das Problem zu lösen, dabei aber unsere Gespräche etwas erschweren." Zudem hofft er, "dass die Stadt Düsseldorf am Ende erkennt, dass die letzten 30 Jahre die Immobilie Großmarkt sträflich vernachlässigt worden ist."

Die Auflösung des Großmarkts als öffentliche Einrichtung ist vom Stadtrat Düsseldorf am 01.07. beschlossen worden. 

Gewinner und Verlierer der Pandemie 

Für Tolls lassen sich die Großmarkthändler in der Pandemiezeit in zwei Gruppen einteilen: "Einmal gibt es diejenigen, die das klassische Großhandelsgeschäft betreiben. Zu denen kommen Menschen von der Obst- und Gemüsebranche, die einen Einzelhandel betreiben oder am Wochenmarkt tätig sind. Deren Geschäfte liefen während der ersten Corona-Zeit sehr gut."

Deutlich schlechter sah es wiederum bei der zweiten Gruppe aus: "Dann gab es die, die ihre Produkte primär an kleinere Betriebe, soziale Einrichtungen, Kantinen, usw. auslieferten; die waren natürlich die großen Verlierer." Sein Betrieb zählt nach eigener Aussage zu den Letzteren: "Wir hatten tatsächlich 80% Umsatzeinbußen. Wir haben zehn LKWs, von denen acht zeitweise einfach nur herumstanden. Ich hatte 15 Mitarbeiter in Kurzarbeit. 2020 war schon ein einziges Desaster und 2021 läuft es bisher sogar noch schlechter."

"2020 liefen zumindest noch bis Mitte März die Geschäfte recht gut. Dann kam der erste Lockdown am 16. März 2020. Der Sommer letzten Jahres lief auch noch relativ gut, aber dann ging es im Oktober wieder mit dem Lockdown weiter. Aber dieses Jahr war jeder einzelne Monat eine einzige Katastrophe aufgrund der großen Einbrüche. Ich hoffe sehr, dass wir im Juli trotz der Sommerferien wieder auf einen Umsatz von etwa 70% kommen", fasst Tolls zusammen.

Guter Avocadoverkauf, schlechte Spargelsaison

"Aufgrund des Lockdowns sind insbesondere die To-Go-Angebote der Gastronomie äußerst populär geworden. In der Hinsicht haben tatsächlich Läden, die zwar vorher schon gute Kunden waren, uns nun aber plötzlich ein kleines Plus beschert, wodurch wir wenigstens kleinteilig den Schaden abfedern konnten." Das zeigte sich ihm zufolge vor allem in der Nachfrage nach der ziemlich gehypten Avocado. Tolls: "Aber das ich in einer Pandemie, in der ich gerade mal 20% von dem ursprünglichen Umsatz erziele, nun palettenweise Avocados verkaufe, das hätte ich mir jetzt nicht zu Träumen gewagt." 

Als Gegentrend sieht er hierbei wiederum den Spargel. "2020 kam der Lockdown genau zur Spargelzeit rein, womit die Saison hinüber war. Und dieses Jahr war es zwar etwas besser, aber eine relativ ähnliche Katastrophe."

Bundesweite Großmarktschließungen

Den Trend der Großmarktschließungen sieht er kritisch. "Hierbei geht es natürlich um den Aspekt der Rentabilität aus Sicht der Städte und Kommunen. Allerdings hat sich ja gerade in der Pandemie herauskristallisiert, wie wichtig die Großmärkte sind. Denn was da in Düsseldorf an Obst und Gemüse in den Einzelhandel, in die Wochenmärkte, etc. geliefert worden ist, war immens."

"Wir sind natürlich auch eine Truppe, die eine gewisse Nische bespielt, da wir mitunter Produkte haben, die man nicht einfach so im LEH kaufen kann. Vor allem aber wird die Gastronomie, Krankenhäuser, Schulen weiterhin hauptsächlich von den Großmärkten beliefert. Auch ökologisch gesehen sind wir nicht wegzudenken, da wir direkt vor Ort sind und entsprechend kurze Wege haben und überwiegend regionale Produkte vertreiben. Ich denk schon, dass ein Großmarkt immer eine Daseinsberechtigung haben wird", sagt Tolls abschließend.  

Weitere Informationen:
Berger & Tolls GmbH & Co. KG
Eickener Str. 40
41366 Schwalmtal
Tel.: +49 (0) 2163-576928-0
Fax: +49 (0) 2163-576928-19
E-Mail: info@bergerundtolls-fruechte.de 
Internet: www.bergerundtolls-fruechte.de   

Fotos: Berger & Tolls GmbH & Co. KG


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