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Jahresübersicht: Die Schweizer Landwirtschaft 2020

"Die Solidaritätswelle in der Schweizer Bevölkerung hat uns überwältigt"

Die Corona-Situation wirbelte die Märkte durcheinander. Die Nachfrage nach gewissen Produkten stieg rasant, andernorts machte die geschlossen Gastronomie zu schaffen. Die Ernten fielen mehrheitlich gut aus, Sommerfrüchte waren generell sehr gefragt.

Gefragte Sommerfrüchte
Die Nachfrage nach Sommerfrüchten war 2020 ausserordentlich hoch. Dies lag laut Schweizer Obstverband (SOV) vor allem daran, dass viele Schweizerinnen und Schweizer aufgrund der schwierigen Situation im Inland geblieben waren und vermehrt frische Früchte konsumierten. Die marktkonformen Mengen trugen dazu bei, dass die Vermarktung ohne grössere Probleme ablief. Eine Herausforderung stellten dabei die rekordhohen Mengen an Zwetschgen dar.

Nach dem milden Winter präsentierten sich die Kulturen in einem sehr guten Zustand. Der zeitige Vegetationsbeginn hat dazu geführt, dass die Kulturen in ihrer Entwicklung rund 10 bis 14 Tage Vorsprung hatten. Dies zog sich durch die gesamte Ernte. Die tiefen Temperaturen Ende März und Anfang April führten bei einigen Produzenten zu Frostschäden in den Kulturen. Diese waren regional und sortenabhängig unterschiedlich stark ausgeprägt. Die weitgehend überdurchschnittliche Sonnenstunden wirkten sich positiv auf die Qualität der Früchte aus.

Mehraufwand und beliebte Selbstpflückfelder
Wegen der Corona-Pandemie war Ende März nicht klar, ob und wieviele Erntehelfer einreisen können. In Zusammenarbeit mit den Behörden wurden Lösungen erarbeitet, die schliesslich dazu führten, dass die erforderlichen Erntehelfer rekrutiert werden konnten. Doch war dies für die Betriebe mit einem höheren Aufwand verbunden. Wegen der Coronavirus-Krise waren die Selbstpflückfelder beliebter als üblich. Einige Erdbeerproduzenten mussten deshalb ihre Selbstpflückfelder früher schliessen oder striktere Zeiten am Wochenende festlegen.

Gute Apfel- und Birnenernte
Die Wetterbedingungen im Sommer begünstigten das Wachstum der Tafelkernfrüchte, sodass die Ernte rund zehn Tage früher beginnen konnte. Die Ernte 2020 war gross und qualitativ hochstehend, wie der Schweizer Obstverband (SOV) meldet. Die Tafelapfellager beliefen sich per 31. Oktober auf 62’344 Tonnen, 2’801 Tonnen höher als im Vorjahr. Der Lagerbestand per Ende November ist markkonform. Die Tafelbirnenlager betrugen Ende Oktober 11’615 Tonnen und entsprachen damit dem Zielwert von 10’000 bis 12'000 Tonnen. Bio-Birnen sind sehr gefragt. Trotz der grossen Ernte konnte das Angebot die starke Nachfrage nicht decken.

Ein stabiles Gemüsejahr
Die Gemüseproduktion entwickelte sich 2020 generell sehr stabil, wobei wie jedes Jahr regionale Unterschiede vorhanden sind. Trotz verhältnismässig trockenem Winter startete die Saison gut. Im Frühling habe es teilweise ein bisschen viel Regen gegeben, wodurch im Freiland später angesetzt werden konnte, sagt Markus Waber vom Verband Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP).

Das Sommerloch blieb aus
Im Sommer gab es hingegen gegenüber dem Vorjahr weniger heisse und trockene Perioden. Ein übliches Sommerloch sei nicht entstanden, weil viele ihre Ferien zu Hause verbracht haben, so Waber. Der Konsum von Schweizer Gemüse blieb stabil bis dieser durch das Saisonende vieler Kulturen abnahm.

Die Covid-19-Situation hatte grossen Einfluss auf die Nachfrage von Schweizer Gemüse. Die Importmenge war im Frühjahr auf einem Rekordtief und blieb es bis ins Sommerende. Die Nachfrage nach Schweizer Gemüse habe sich zwangsläufig im Markt in den Detailhandel und in den Direktverkauf verlagert, da der Absatzkanal in die Gastronomie weggebrochen sei, erklärt Waber.

Gutes Zusammenspiel zwischen Handel und Produktion
So konnten im Frühjahr alle Schweizer Spargeln über die Direktvermarktung und den Detailhandel abgesetzt werden. «Das Zusammenspiel von Produktion und Handel funktionierte sehr gut und die Versorgung der Bevölkerung mit frischem Schweizer Gemüse konnte jederzeit gewährleistet werden», so Markus Waber. Ein schönes Beispiel dafür: Grössere Kaliber sind normalerweise für den Gastrokanal vorgesehen. Da dieser aber zum Ende der Lagergemüse-Saison immer noch sehr eingeschränkt funktionierte, konnte diese Ware über den Detailhandel verkauft werden.

Auch die Wochenmärkte waren im Frühjahr vorübergehend geschlossen. Es mussten kurzfristig Alternativen gefunden werden. «Die Leute gingen direkt in den Hofladen oder bestellten Gemüseabos. Teilweise stellten geschlossene Restaurants den Gemüsegärtnern ihr Lokal als Verkaufsmöglichkeit zur Verfügung», so Waber.

Die Gemüsegärtnerinnen und Gemüsegärtner leisteten in diesem Jahr sehr viel. Die Arbeitskräfte konnten mit einem zusätzlichen Effort in die Schweiz einreisen, aber auch auf das inländische Personal wurde kurzfristig gesetzt.

«Die Solidaritätswelle in der Schweizer Bevölkerung hat uns überwältigt», freut sich Markus Waber. Viele die einmal im Gemüsebau arbeiten wollten, konnten diese Erfahrung machen und stellten teilweise sehr schnell fest, dass sie dieser körperlich anstrengenden Arbeit nicht gewachsen sind. Die Einhaltung und Umsetzung der Schutzkonzepte sorgte für die Produzenten für einen Mehraufwand. Trotz aller Herausforderungen, konnten die Betriebe viele neue Erfahrungen sammeln und können generell auf eine gute Saison zurückblicken.

Kartoffeln: Corona sorgt für Turbulenzen
Die Kartoffelernte 2020 liegt laut Schätzungen der Branchenorganisation Swisspatat bei knapp 490'000 Tonnen. Das sind rund 76'000 Tonnen mehr als im Vorjahr. Die Anbaufläche lag mit 10'985 Hektaren ungefähr auf Vorjahresniveau, der Ertrag lag bei geschätzt 446 Kilo pro Are und damit über dem Durchschnitt der letzten Jahre.

Die Corona-Krise sorgte für starke Turbulenzen auf dem Kartoffelmarkt. Während des Lockdowns im Frühjahr legten die Frischkartoffel-Verkäufe massiv zu haben, während wegen der geschlossenen Gastronomie der Pommes-Frites-Markt einbrach. Für einen ähnlichen Effekt sorgte die erneute Verschärfung der Regeln ab November.

Quelle: LID


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