Prozess vor dem Landgericht Stuttgart

Bauernpaar wegen Sklaverei angeklagt

Ein Ehepaar soll polnische Arbeiter wie Leibeigene gehalten haben. Ein Vorarbeiter hatte den Spitznamen Zahnarzt. Laut Anklage hat er Abtrünnige mit Faustschlägen gefügig gemacht. Nebenbei herrschten ekelerregende hygienische Zustände.

Die Staatsanwaltschaft hat überaus sorgfältig ermittelt. Am Ende der Anklageschrift ist sogar vermerkt, dass Öl aus zwei Schrottautos das Erdreich verschmutzt habe, ein Verstoß gegen das Umweltrecht. Die eigentlichen Vorwürfe, wegen denen das Landgericht Stuttgart gegen ein einst im 6700-Seelen-Dorf Grafenau ansässiges Bauernehepaar verhandelt, dürften einzigartig sein in der Bundesrepublik des 21. Jahrhunderts.

Sogar dass die Angeklagten mehr als eine Million Euro Sozialbeiträge hinterzogen haben sollen, wirkt eher nebensächlich. Schwarzarbeit und Insolvenzverschleppung kommen hinzu. Für den Hauptvorwurf ist in der Anklageschrift das Wort Sklaverei niedergeschrieben. Sofern sich die Vorwürfe bestätigen, hätte das Paar schon eine Gefängnisstrafe riskiert, wenn es Tiere so gehalten hätte wie seine polnischen Hilfsarbeiter.

In der Großküche fanden Fahnder Mäuse, Ratten und Tierkadaver
Im August 2011 hatte eine Hundertschaft Fahnder die fünf Betriebsgebäude durchsucht. Zuvor hatten sich die Fälle gehäuft, in denen Arbeiter beklagt hatten, ihnen sei Lohn vorenthalten worden. Der Hof lebte vom Anbau und der Weiterverarbeitung von Kartoffeln. Neben der Landwirtschaft betrieb das Ehepaar eine Großküche. Für deren Kunden muss das Angebot verlockend geklungen haben: Produkte aus regionalem Anbau, vor Ort verarbeitet, etwa zu Kartoffelsalat.

Quelle: Stuttgarter Nachrichten


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