Große Sortierungen? USA und Ukraine können sie liefern

Überblick Weltmarkt Zwiebeln

Wird die Saison 2018/2019 die spannendste Zwiebelsaison seit Jahren? Weltweit hat das Wetter die Ernten sehr beeinträchtigt. Nicht nur Europa wurde von der Hitze getroffen, auch in Kalifornien wurde es sehr heiß. Andere Teile der USA hatten viel Regen und auch aus Asien sind die Nachrichten wechselhaft. Das resultiert in Spannung und Spekulation. Gibt es ausreichend große Sortierungen? Sollte man jetzt zu einem guten Preis verkaufen oder zu eine höheren Preis später in der Saison? Ist die Qualität ausreichend um sie monatelang zu lagern? So viele Fragen, so viele Antworten. Einen Überblick des Zwiebelmarktes.

Niederlande: über 30 Prozent weniger Zwiebeln; Mangel an grobe Zwiebeln
Auch diese Saison kann man den Absatz wieder als besonders bezeichnen. Mit über 30 Prozent weniger Ertrag, oder etwa 40 Tonnen pro Hektar statt den üblichen fast 60 Tonnen, gibt es viel weniger Zwiebeln für den Export. Drillinge gibt es ausreichend und auch die mittlere Sortierung ist reichlich anwesend. Grobe Zwiebeln sind aber viel weniger erhältlich und auch die Großen sind sehr selten. Die erste Saisonhälfte, wenn der Absatz der Drillinge und der mittleren Sortierung ausreichend ist, namentlich nach Westafrika, wird der Export vielleicht nicht ganz anders sein. Doch nach Februar, wenn die Destinationen für die grobe Sortierung sich melden, wird es sich herausstellen, dass es diese Sortierungen kaum gibt. Es ist wahrscheinlich, dass dann auch die kleineren Sortierungen nicht ausreichend verfügbar sein werden um diese Knappheit auszugleichen. Das hohe Preisniveau verringert die Nachfrage natürlich einigermaßen. Doch über 30 Prozent weniger Zwiebeln in den Niederlanden und über 1 Millionen Tonnen weniger in Europa wird den Markt beeinflussen. Manche Sortierbetriebe fragen sich ob man für die zweite Saison-Hälfte ausreichend Arbeit hat. Wenn das Volumen wöchentlich kaum 15.000 Tonnen beträgt – während die Sortierkapazität höher als 40.000 Tonnen je Woche ist – wird es kaum noch etwas geben.

 
Spanien hat ausreichend grobe Sortierungen
Man erntet in Spanien vollauf. Vor allem in den Regionen Castile-La Mancha, Valencia und Murcia sind die Erzeuger sehr beschäftigt. Obwohl ein großer Teil der Ernte nicht gerodet wurde, erwartet man einen kleineren Ertrag im Vergleich zum Vorjahr. Ursache sind hauptsächlich die häufigen Stürme, ab und zu mit Hagel.
“Die Regenfälle Anfang September haben die Ernte verspätet, doch die Qualität ist im allgemeinen gut,” erzählt ein Händler. Das gilt vor allem für die Zwiebeln, die nicht vom Hagel getroffen wurden. Spanien könnte dieses Jahr von der Knappheit der großen Sortierungen in Europa profitieren, vor allem in den Niederlanden. “Im allgemeinen haben die spanischen Zwiebeln eine gute Größe,” erzählt ein Erzeuger. Besonders für die Regionen Ciudad Real, Castile-La Mancha (die wichtigste Anbauregion in Spanien) erwartet man eine gute Verfügbarkeit der großen Sortierungen. “Die Nachfrage nach den großen Zwiebeln nimmt jeden Tag zu.” Momentan ist der Preis bei den Landwirten bei 0,18 bis 0,20 Euro je Kilo, obwohl der Marktpreis 0,28 Euro beträgt. Dadurch sind die Margen für den Handel klein. “Momentan ist der Preis etwas niedrig, wenn die Ernte Mitte Oktober vorbei ist, wird er ansteigen.”

Deutschland: hohe Preise gleichen die Verluste aus
Der Zwiebelpreis ist momentan hoch – fast doppelt so hoch wie voriges Jahr. Ein Händler erklärt: “Manche Erzeuger haben wetterbedingte Verluste bis 40 Prozent, abhängig von der Region und der Produktion. Der hohe und stabile Preis gleicht den Verlust aus.” Normalerweise ist der Preisdruck in dieser Periode hoch, doch man ist sich allgemein einig angesichts der Lage. “Die Käufer wollen gerne einen niedrigeren Preis. Die Erzeuger, Händler und Einkäufer sind sich jedoch einig, sodass der Markt stabil ist.”

Die Qualität der Zwiebeln ist wechselhaft, sodass es viel Sortierarbeit gibt. “Wir müssen viel arbeiten um die Kunden Qualitätszwiebeln liefern zu können,” erzählt der Händler. “Manchmal sind wir kaum imstande die Nachfrage zu erfüllen.” Die hohe Nachfrage fördert die Loyalität der Konsumenten. Die Erzeuger sind mit dem Preis zufrieden. Der Verkauf läuft gut, das ist günstig, weil die Lagerfähigkeit der Zwiebeln zweifelhaft ist. “Normalerweise gibt es kurz vor Weihnachten noch eine Nachfragespitze, doch es ist eine Spekulation die Zwiebeln zu lagern statt sie jetzt zu einem guten Preis zu verkaufen.” Diese Lage wird in sich in der Zukunft nicht viel ändern. In den vergangenen Jahren war der Markt weniger gut, deshalb werden keine großen Investitionen oder Anbauflächenerweiterungen erwartet.

Frankreich hat eine kleine Ernte
Ein Händler befürchtet, dass der Zwiebelmarkt unter der Dürre der vergangenen Monate zu leiden hat. “Genauso wie in ganz Nordeuropa liegen die verfügbaren Volumen in Frankreich weit unter dem Durchschnitt. Auf dem Markt wird es zu einer Umkehrung kommen. Wie die Folgen genau aussehen werden, sollen wir abwarten.”

Es gibt einen zweiten Grund für die niedrige französische Produktion: Große Gebiete in Frankreich wurden Anfang des Jahres von heftigen Regenfällen getroffen. In dem Cévennes, ein bekanntes Produktionsgebiet der süßen Zwiebeln, ging 25 bis 30 Prozent der Ernte verloren. Die Preissteigung war nicht ausreichend um die Verluste zu kompensieren.

Man investiert noch in Zwiebeln. Eine Kooperation aus 55 Erzeugern investierte neulich in einer ultramodernen Fabrik mit einem optischen Sortierer für die Detektion der inneren und äußeren Unebenheiten in der Zwiebeln. Die Investition von 10 Millionen Euro muss dafür sorgen, dass Rücknahmen halbiert werden. Diese werden auf 300.000 Euro jährlich geschätzt.

Ukraine in den Startblöcken mit großen Sortierungen
Der Zwiebelsektor in der Ukraine riecht Chancen, weil in großen Teilen Europas die Zwiebeln dieses Jahr kleiner ausfallen. Die Exporteure wollen gerne die Lücken füllen. “Die meisten Konkurrenten sind jetzt Kunden geworden,” erzählt ein Exporteur. Auf dem europäischen Markt sind die Sortierungen 60 bis 80 knapp. In der Ukraine fallen die Sortierungen auch etwas kleiner aus, doch laut eines Händlers gibt es ausreichend Zwiebeln in der Kategorie 80 bis 100 mm. Neben den europäischen Ländern führt das Land auch nach Indonesien, Singapur und Malaysia aus. “Wir hoffen in Asien Fuß zu fassen,” erzählt ein Exporteur über seine Ambition in dieser außergewöhnlichen Saison.

USA: Wechselhafte Berichte, mehr Jumbos
In Kalifornien beenden die Erzeuger die Ernte. Im San Joaquin Valley werden die letzen Zwiebeln gerodet. Die Saison hat im Mai begonnen und trotz der extremen Hitze in den Sommermonaten war der Ertrag gut. Voriges Jahr wurden 6.767 LKWs geerntet, dieses Jahr 6.620. Die Ernte fing im Mai um Stockton an mit den ersten milden, süßen Zwiebeln. In den folgenden Wochen verschob sich die Ernte weiter Richtung Norden und endete im San Joaquin Valley. Danach verschob sie sich nach dem Nordwesten und Idaho. Der Markt der kalifornischen Zwiebeln war dieses Jahr schwach. Diejenigen Erzeuger die keinen Vertrag abschließen konnten, erlebten ein Jahr mit großen Herausforderungen.

Auch in anderen Teilen der USA bestimmt das Wetter den Ertrag. “Es schien so zu sein, dass wir eine große Ernte haben würden, doch in Washington und im Norden Oregons hatten wir in den Sommermonaten viel Regen,” erzählt ein Händler. Auch in anderen Regionen ist viel Regen gefallen und im Südwesten gab es auch klimatologische Herausforderungen.

Im allgemeinen ist die Anfuhr aus dem Columbia Basin vergleichbar mit vorigem Jahr, vielleicht etwas geringer. Obwohl die Erzeuger vielleicht von dem Weltmarkt profitieren können, ist die einheimische Nachfrage momentan gut. “Ich glaube, dass die Nachfrage sich verbessern wird wenn die Ernte zu Ende ist und wir wissen was wir auf Vorrat haben,” so ein Händler.

In dem Northwest sind die Erzeuger mit dem Saisonstart zufrieden. Die Ernte hat rechtzeitig begonnen und das Wetter spielte mit. Man erwartet, dass dieses Jahr mehr Jumbo-Sortierungen verfügbar sein werden. “Die Ernte hat im August begonnen und seitdem läuft alles nach Plan,” so der Experte. Beim Saisonstart war die Nachfrage nach den weißen Zwiebeln größer als die Nachfrage nach den anderen Farben. Trotz der positiven Berichte bildeten die Frachttarife in nächster Zeit eine Herausforderung. Mit den Feiertagen vor der Tür und einem anhaltenden Mangel an Fahrern, wird der Preis im vierten Quartal erwartungsgemäß weiter ansteigen.

Kanada: kleinere Sortierungen wegen der Hitze
Die Zwiebelernte in Quebec bringt dieses Jahr erwartungsgemäß kleinere Sortierungen. Das ist die Folge des heißen Wetters im Juli. In diesem Monat stieg die Temperatur bis fast 40 Grad Celsius an. Die Gesamternte ist erwartungsgemäß vergleichbar mit vorigem Jahr. Laut eines Händlers sind die Zwiebeln nicht sehr klein. Der Konsument wird den Unterschied nicht bemerken, weil es sich nur um einige Millimeter handelt. Die Nachfrage war früher im Monat noch etwas enttäuschend. Ein Händler erzählte, dass die Nachfrage niedriger war als sonst. Erwartungsgemäß wird bald ein großes Volumen auf den Markt kommen, wenn kleine Erzeuger ohne Lager sich entscheiden ihre Zwiebeln zu verkaufen. Der Preis war voriges Jahr zwischen 17 und 18 Dollar, dieses Jahr waren es 15 Dollar. Im November und Dezember wird die Nachfrage weiter zunehmen, erwartet ein Händler.

Australien will Export fördern
Der australische Sektor bereitet sich auf die Sommerspitze vor. Dabei wird der internationale Handel die Priorität der Exporteure bekommen. Dieses Jahr ist das zweite Jahr der Onions Australia, einen fünfjährigen Exportplan mit Asien und der Nahost als Zielmärkte. Einer der genannten Herausforderungen ist der Überschuss kombiniert mit einer stockenden Nachfrage. Laut den letzten Zahlen von Hort Innovation (bis Juni 2017) wurde das Volumen der Zwiebeln fast halbiert von 43.888 Tonnen im Vorjahr bis 24.798 Tonnen.

Neuseeland: Sorgen wegen des kalten Winters
Die Inselgruppe hat einen Plan, der mit dem des Nachbarlands Australien vergleichbar ist. Gegen 2025 muss das Exportvolumen von 2012 verdoppelt sein. 2012 betrug der Export 62 Millionen Dollar. Ende 2016 waren es 116 Millionen, also liegt die Branche auf Kurs um diese Zielsetzung zu schaffen. Der Sektor will aber auch das Volumen erhöhen bis 330.000 Tonnen Export. Diese Saison warnt man aber davor, dass die Kälte im vergangenen Winter zu einer kleineren Ernte führen wird. Laut der Branchenvereins ist es aber noch zu früh etwas dazu zu sagen.

China: wechselhafte Ernte, träger Export
Die Saison hat dieses Jahr im Mai mit einem wechselhaften Ertrag je Region angefangen. In manchen Teilen stieg der Ertrag an, während in anderen Gebieten (unter anderen Shandong) die Ernte niedriger ausfiel. Das hat alles mit den Wetterextremen zu tun, die in manchen Gebieten große Folgen hatten für die Ernte.

Der Export der Zwiebeln verläuft träge. Die Nachfrage aus Exportmärkten wie Thailand, den Phillipinen, Südkorea und Malaysia hat im Vergleich zu vorigem Jahr abgenommen. Das ist anders für die Tiefkühlzwiebel, dieser Export nimmt zu. Diese Zwiebeln werden nach Ägypten, Indien, Südamerika und Europa verschifft.

Die große Ernte in Thailand und den Phillipinen beeinflusst die chinesischen Preise. Diese Länder exportierten ein großes Volumen nach China, das setzt die Preise dort unter Druck.

Peru: Kleine Sortierungen und Erträge wegen der Bewölkung
Die Saison der süßen Zwiebeln hat vor einigen Wochen begonnen und dauert bis Februar nächstes Jahr. Der amerikanische Markt ist inzwischen auf die peruanischen süßen Zwiebeln umgeschaltet. Nach der Saison übernehmen Mexiko und Georgia den amerikanischen Markt.

Die Ernte in Peru ist niedriger wegen des bewölkten Wetters. Die Größensortierung ist kleiner. Laut eines amerikanischen Importeurs hatte Peru eine ungewohnte Saison. Weil es wenige Sonnenstunden gab, fallen die Sortierungen kleiner aus und ist der Ertrag niedriger. Er spricht von einer durchschnittlichen Ernte. Die Nachfrage nach süßen Zwiebel ist in den USA gut, die süßen Zwiebeln notieren einen Preis von 18 Dollar.


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