Weniger Schweizer Konsumtouristen nach Anpassung des Wechselkurses

Es gibt keine Grenzkontrollen mehr und auch die Schweiz hat sich in anderen Politikbereichen in die EU integriert. Obwohl diese Zusammenarbeit für die Schweizer einen Preis hat, gibt es keinen Drang, sich weiter zu integrieren. Anfang dieses Jahres sagte der Schweizer Finanzminister, dass die Mitgliedschaft in der EU der Wirtschaft des Alpenlandes schaden würde. Die Regierung schützt inländische Unternehmen auf verschiedene Arten. Ein Beispiel dafür sind die Einfuhrbeschränkungen für das Obst und Gemüse.

Trotz aller Versuche der Regierung, den heimischen Sektor zu schützen, achten die Verbraucher in den Grenzregionen nicht sehr darauf. Schweizer Konsumenten geben rund 11 Milliarden Franken (9,5 Milliarden Euro) über die Grenze aus. Im Jahr 2016 wurden mehr als 8 Milliarden Schweizer Franken (8,3 Milliarden Euro) in physischen Geschäften außerhalb der Schweiz ausgegeben. Davon entfielen rund 4,2 Milliarden Franken (4,4 Milliarden Euro) auf Nahrungsmittel und andere Konsumgüter.

Die meisten Verbrauchertouristen bevorzugen es, Milchprodukte, Fleisch und andere Produkte wie Kosmetika über die Grenze hinweg zu kaufen, wo die Preise besser sind als im Alpenland. Während dieser Reisen werden auch tägliche Produkte, einschließlich Obst und Gemüse, gekauft. Schätzungsweise 3 Milliarden Franken (2,55 Milliarden Euro) werden über die Grenze hinweg für Nahrungsmittel ausgegeben. Es ist nicht bekannt, wie viel davon für Obst und Gemüse ausgegeben wird.

Verbrauchertourismus weniger attraktiv
„Der Schweizer Frischmarkt wird von der Regierung stark geschützt, weshalb die Preise für Frischwaren, Milch und Fleisch sehr hoch sind. Deshalb gehen Konsumenten für diese Produkte ins Ausland“, sagt Andreas Allenspach, Einkäufer für Coop. „Das ist noch attraktiver, weil die Verbraucher ihre Mehrwertsteuer im Land des Kaufs zurückfordern können, aber in der Schweiz keine Mehrwertsteuer bezahlen müssen“, sagt Marc Wermelinger von der Berufsgenossenschaft Swisscofel. Diese Steuerdifferenz kann leicht zu einem Gewinn zwischen 12 und 25 Prozent führen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass dies vor allem in Grenzregionen ein Problem ist. „Infolgedessen haben Supermärkte in der Nähe der Grenze bis zu 10 Prozent ihres Umsatzes verloren“, fährt Marc fort.

Vor drei Jahren hat die Schweizerische Nationalbank den festen permanenten Wechselkurs zwischen dem Schweizer Franken und dem Euro plötzlich aufgegeben. Die Finanzmärkte waren erschrocken: Der Wert der Währung brach in kurzer Zeit ein, erholte sich aber auch. Damit endete das jahrelange Programm der Schweizerischen Nationalbank, um den Wechselkurs zum Euro stabil zu halten. „Als die Regierung den permanenten Wechselkurs aufgab, sah man, dass mehr Schweizer bereit waren, weite Strecken zurückzulegen, um im Ausland einkaufen zu gehen“, sagt Andreas.

Import setzt Preise unter Druck

Weil der Unterschied zwischen dem Schweizer Franken und dem Euro um 30 Prozent gesunken ist, hat der „Verbrauchertourismus“ an Attraktivität verloren. „Dennoch importieren die Verbraucher immer noch viele Produkte.“ Seit der Wechselkurs aufgegeben wurde, schwankt er zwischen 1,05 und 1,20 Franken für einen Euro. Aus diesem Grund ist der Preis der Währung stabil und hoch und der Verbrauchertourismus bleibt auf einem ähnlichen Niveau. Um das zu ändern, muss der Euro noch stärker werden, erwartet Andreas.

Jedoch sind es nicht nur die Verbraucher in Grenzregionen, die vom günstigen Wechselkurs profitieren. Die Kurse sind auch für Importeure von Obst und Gemüse positiv. „Das führt manchmal zu einem Preisdruck bei Schweizer Produkten“, sagt Marc. Etwa 60 Prozent der Früchte in Schweizer Supermärkten sind importiert. Bei Gemüse sind das 40 Prozent. „Die Schweizer Branche befindet sich in einer Phase des Strukturwandels“, fährt Marc fort. „Immer mehr Landwirte verkaufen ihre eigenen Produkte.“ Bauernverbände wie in der EU gibt es im Alpenland nicht. „Unsere Landwirte, Genossenschaften und privaten Händler sind es gewohnt, zusammenzuarbeiten.“



Viel Platz für Exoten
Die Supermarktorganisation Coop möchte so direkt wie möglich von den Erzeugern kaufen. Dies ist allerdings nicht immer eine Option. „Dazu muss auch eine Unterscheidung zwischen Händlern getroffen werden“, sagt Andreas. „Händler von Äpfeln oder Birnen haben beispielsweise ihre eigene Hütte und Kühlhäuser für die Lagerung.“ Für andere Produkte, insbesondere Gemüse, wählt die Lieferkette Direktkäufe. Zu diesem Zweck arbeitet Coop mit heimischen Anbauverbänden zusammen. Für den Import aus Südeuropa hat der Händler in Spanien (Alifresca) eine eigene Einkaufsorganisation.

„Für ausländische Produkte arbeiten wir mit festen Importeuren zusammen“, erklärt Andreas. The Greenery und Valstar sind zwei große niederländische Partner von Coop. Exoten haben einen wichtigen Platz im Sortiment des Schweizer Händlers. Baby-Bananen, Pomelos und Passionsfrüchte sind besonders in einer internationalen Stadt wie Genf in den Regalen. „Das ist in einer Stadt mit vielen Nationalitäten wichtig“, fährt Andreas fort. Das Grundsortiment an exotischen Produkten wird in den Ferien wie Weihnachten und Ostern mit Produkten wie Tamarillo und Kumquat erweitert. „Die Kategorie wächst schnell, besonders für die Avocado und Mango.“

Begrenzte Schweizer Produktion
Die heimische Produktion ist im Vergleich zu anderen Ländern begrenzt. Im Jahr 2016 wurden 374.300 Tonnen Kartoffeln geerntet. Obwohl diese Menge in den letzten Jahren unter Druck stand, steht dieses Produkt immer noch an der Spitze des Produktionsvolumens. In der Gemüseproduktion kommen nach Kartoffeln Karotten und Rüben (2016: 68.529 Tonnen), Salat und Chicorée (2016: 66.037 Tonnen) und Tomaten (2016: 41.965 Tonnen). Äpfel, Birnen, Kirschen, Aprikosen und Beeren stehen bei der Obstproduktion ganz oben auf der Liste. Seit dem Jahr 2000 ist diese Menge stark zurückgegangen, aber seit 2010 ist in der Produktion eine steigende Linie zu verzeichnen. Im Jahr 2016 betrug die Produktion 226.487 Tonnen. Bei Trauben lag die Produktion in diesem Jahr bei 136.352 Tonnen. Die Birnenproduktion ging seit dem Jahr 2000 deutlich zurück. Obwohl im Jahr 2000 fast 117.000 Tonnen Birnen geerntet wurden, wurden 16 Jahre später nur 43.922 Tonnen geerntet.

Trotz der begrenzten Menge ist lokal-für-lokal ein wachsender Trend im Alpenland. Schweizer Obst und Gemüse werden von den Verbrauchern sehr geschätzt. „Das liegt auch am Thema Nachhaltigkeit“, erklärt Andreas den Zusammenhang. „Wir haben zwei Etiketten für diese Produkte. Eine ist von der Regierung für Schweizer Produkte, die andere ist unser eigenes Label für lokale Produkte.“ Aufgrund des Raums für lokale Produkte kann die Lieferung je Supermarkt variieren. „Die Qualität ist auch sehr wichtig. Die Schweizer bekommen hohe Gehälter und sind daher bereit, mehr für qualitativ hochwertige Früchte zu bezahlen.“



Importbeschränkungen
Das Gemüse wird im ganzen Land angebaut, außer in den Bergregionen. Die Obstproduktion konzentriert sich hauptsächlich auf eine kleinere Anzahl von Regionen. Rund um den Bodensee im Nordosten des Landes und im Wallis an der Grenze zu Italien werden unter anderem Kirschen, Aprikosen und Baumfrüchte angebaut. Die Kirschbaumplantagen finden sich auch in der Umgebung von Basel wieder, und auch am Genfersee gibt es Baumfrüchte.

Diese einheimische Produktion ist durch verschiedene Importmaßnahmen geschützt. Die Importbeschränkungen sind flexibel und können der Marktsituation angepasst werden. Wenn es keine einheimische Produktion gibt oder wenn mehr Nachfrage als Produktion besteht, werden die Einfuhrzölle gesenkt. Wenn die lokale Produktion ausreicht, um den Markt im Gleichgewicht zu halten, ist ein Import unmöglich. Einige Produkte sind von den Importbeschränkungen ausgenommen wie zum Beispiel exotische Produkte wie Bananen und Ananas, aber auch Spargel, Knoblauch und Pilze können unbegrenzt importiert werden.

Die Importbeschränkungen sind wie eine dreistufige Rakete aufgebaut, die für jedes Produkt unterschiedlich ist. In einigen Zeiträumen gibt es keine Beschränkungen, einige Zeiträume haben einen begrenzten Import, und schließlich gibt es Zeiträume, in denen der Import nicht erlaubt ist. Außerdem ist für einige Produkte der Import im Detail geregelt. Dies gilt unter anderem für Kirschtomaten, Peretti-Tomaten und runde Tomaten. Für andere Produkte, wie zum Beispiel eine Reihe von Kohlsorten, gibt es ganzjährig Einfuhrbeschränkungen.

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