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Interview mit Daniel Oppermann von Import Promotion Desk:

Großes Wachstumspotenzial auf deutschem Markt für Exoten aus Ecuador, Kolumbien und Peru

Das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geförderte Import Promotion Desk vermittelt zwischen deutschen Importeuren und mittelständischen "Exporteuren in aufstrebenden Wachstumsmärkten". Daniel Oppermann, Spezialist für Sourcing und Märkte im Bereich frisches Obst und Gemüse, sprach mit uns unter anderem über den Import von Blaubeeren, Avocados und Mangos aus Ecuador, Kolumbien und Peru nach Deutschland und allgemein nach Europa sowie über weitere Trends, wie etwa dem Anteil des Bioanbaus in den entsprechenden Ländern.


Daniel Oppermann. Bild: IPD

FreshPlaza: Wie schätzen Sie die Nachfrage nach Produkten wie Avocados, Mangos, Blaubeeren und Bananen aus Kolumbien, Ecuador und Peru in Deutschland ein?
Daniel Oppermann: Besonders zu Blaubeeren erreichen uns aktuell viele Anfragen. Dabei spielt das Lieferland fast keine Rolle. Die Nachfrage übersteigt aktuell das Angebot. Die peruanischen Produzenten haben den Vorteil, dass Peru bereits als Herkunftsland für Blaubeeren etabliert ist. Kolumbien und Ecuador schließen aber schnell auf. In beiden Ländern werden traditionell viele Schnittblumen produziert und einige Blumen-Exporteure haben in den letzten Jahren ihre Produktion auf Blaubeeren umgestellt. Dabei profitieren sie von ihrer großen Erfahrung im Umgang mit verderblichen Gütern und bereits etablierten Prozessen.

Avocados zählen mittlerweile in vielen Supermärkten zum Standardprodukt, d.h. die Nachfrage ist da, auch wenn das Wachstum aktuell nicht mehr vergleichbar ist mit den Boom-Jahren. Deutschland ist dabei noch eines der Länder mit dem größten Wachstumspotential innerhalb Europas. Die weltweit steigenden Produktionskapazitäten machen es aber auch schwieriger, Marktentwicklungen vorherzusagen und bergen das Risiko von Überangebot und Preisverfall, zum Beispiel, wenn in der peruanischen Saison große Mengen  auf den Markt drängen. Interessant ist die Entwicklung in Ecuador, wo man erst in den letzten Jahren begonnen hat, Avocado für den Export anzubauen. Erste Lieferungen nach Europa liefen vielversprechend – so unsere Erfahrung.

Der Markt für Mango ist sehr volatil bei stark schwankendem Angebot. Insgesamt sehen wir aber eine gute Nachfrage mit konstantem Wachstum, insbesondere wenn Produzenten, wie unser Partnerunternehmen, gleichbleibende Mengen und Qualität liefern können. Auch hier hat Peru wieder die Nase vorn. In Ecuador gibt es viele Produzenten, die sich aber oft auf den nordamerikanischen Markt fokussieren. An der Karibikküste Kolumbiens bringen sich aktuell Produzenten von Zuckermango, einer kleinen, süßen und faserarmen Sorte für das Premiumsegment in Stellung.

Bananen sind und bleiben ein schwieriger Markt. Die niedrigen Preise stellen die Produzenten schon seit Jahren vor enorme Herausforderungen. Der Krieg Russlands mit der Ukraine hat die Situation noch verschärft. Um die 20 Prozent der ecuadorianischen Bananenproduktion ging bis vor kurzem nach Russland. Dieser Markt ist nun weggebrochen. Die ohnehin schon hohen Kosten für Düngemittel werden weiter steigen. Steigende Energiepreise in der Logistik, für Kühlung oder Reifeanlagen wirken sich zudem auf die Produktionskosten aus.

Wie hoch ist die Nachfrage insbesondere nach peruanischen Blaubeeren und wie entwickelt sich die dortige Produktion? 
Die Nachfrage in Europa ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen, wobei nach wie vor Entwicklungspotential vorhanden ist im Vergleich zu Nordamerika. So konsumieren Verbraucher in Europa durchschnittlich im Jahr zwischen 200 und 300g Blaubeeren, während der Konsum in den USA bei 1,3 und in Kanada sogar bei 2kg liegt. Blaubeeren haben als gesunder Snack in Zeiten von Corona einen Boom erlebt, da Konsumenten ihre gesundheitsfördernden Eigenschaften schätzen. Gleichzeitig hat die Pandemie die Logistik enorm erschwert. Peru ist neben Chile und Marokko wichtigster Lieferant für Europa außerhalb der europäischen Saison. Dabei kann Peru über einen relativ langen Zeitraum liefern, da sich verschiedene Regionen mit unterschiedlichen Erntezeiten für den Anbau von Blaubeeren eignen. Das IPD hat daher einige Blaubeer-Lieferanten aus Peru, aber auch aus anderen IPD-Partnerländern im Programm.

Wie hoch ist Konkurrenz aus Spanien bei diesen Produkten?
Regionalität ist auch bei diesen Produkten im Trend, was für Spanien von Vorteil ist. Aber das Angebot dort reicht nicht aus, um europäische Nachfrage über das ganze Jahr zu bedienen Beschaffungsmärkte wie Ecuador, Kolumbien und Peru sind daher interessant. Ein Grund, warum wir diese Länder als Partnerländer in unserem Programm aufgenommen haben.

Gibt es andere Avocado-Sorten neben "Hass", die angebaut bzw. vermarktet werden? 
In Ecuador, Kolumbien und Peru werden viele verschiedene Sorten Avocado angebaut, außer Hass z.B. Fuerte, Lorena, Santana, Ettinger, Reed oder Edranol. Für den Export nach Europa spielt Hass jedoch mit Abstand die größte Rolle. Das hat verschiedene Gründe, nicht zuletzt sind aber vor allem die Konsumenten an Hass Avocado gewöhnt. Auch die IPD Unternehmen haben sich für den Export auf Hass Avocados spezialisiert.

Ist dieses Jahr mit Lieferengpässen oder etwaigen -schwierigkeiten zu rechnen, sowohl hinsichtlich des Luft- als auch des Schifftransports? 
Die Lage bei der Logistik ist extrem angespannt. Die Produzenten im IPD-Programm berichten uns, dass sie aktuell enorme Probleme haben, Container für ihre Ware zu finden und dass ein Vielfaches der üblichen Preise für ihre Fracht aufgerufen wird. Bei der Luftfracht sieht es ähnlich aus. Grund dafür sind zum einen die seit zwei Jahren andauernde Pandemie mit allen ihren Folgen wie Lockdowns in chinesischen Häfen, ausbleibender Passagierluftfahrt und damit wegfallenden Beiladekapazitäten, usw. Der Krieg in der Ukraine belastet nun zusätzlich die ohnehin gestörten Lieferketten, z.B. aufgrund steigender Energiekosten oder weil Frachten nach Russland und in die Ukraine in andere Häfen umgeleitet werden müssen.

Wie hoch ist der Anteil bzw. wie hoch sind die Wachstumsraten der Bioproduktion in den drei Ländern im Vergleich zur konventionellen Produktion vor Ort?
Die Nachfrage in Europa nach Bioprodukten ist auch 2021 trotz Wachstumsrekord im Vorjahr erneut gestiegen. Die heimische europäische Produktion von Obst- und Gemüse kann diesen hohen Bedarf nicht allein decken. Produzenten in Ecuador, Kolumbien und Peru haben diesen Trend erkannt und zählen schon heute zu den wichtigsten Lieferanten für Bio-Produkte in die EU.

Auch wir vom IPD zeigen den Unternehmen in unserem Programm das Potenzial von Bio-Produkten für den Export auf. Wir beraten die Produzenten zu den Möglichkeiten und dem Zertifizierungsprozess. Viele Unternehmen erkennen die Chancen des Bio-Anbaus. Weiterhin sind aber das gehandelte Volumen im Vergleich zu konventioneller Ware gering, so dass auch kleinere Produktionen für europäische Einkäufer interessant sind. Im Verhältnis zur konventionellen Landwirtschaft ist die Bio-Produktion nach wie vor noch eine Nische. Nur etwa ein Prozent der Agrarflächen in Ecuador, Kolumbien und Peru werden für ökologische Landwirtschaft genutzt. Doch unsere Erfahrung zeigt, dass immer mehr Produzenten auf Bio-Anbau setzen, da auch die Konsumenten verstärkt nach ökologischen Produkten fragen.

Weitere Informationen:
Daniel Oppermann
Import Promotion Desk
c/o sequa gGmbH
Alexanderstr. 10
D-53111 Bonn
Tel.: +49 (0) 228 909 0081 0
Fax: +49 (0) 228 926 37 989
E-Mail: info@importpromotiondesk.de 
https://www.importpromotiondesk.de


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