Ben Horsbrugh und René Capote von GLOBALG.A.P.:

Werte für die Industrie schaffen

Das Zertifizierungssystem von GLOBALG.A.P. wird in über 130 Ländern eingesetzt und wird oft als die am weitesten verbreitete landwirtschaftliche Qualitätssicherung im Frischesektor bezeichnet. Wir sprachen mit René Capote, Senior Technical Expert, und Ben Horsbrugh, Team Leader of Key Account & Membership Management, über die Zertifizierungsprozesse von GLOBALG.A.P. sowie über Biodiversität, Nachhaltigkeit und die Rolle von Multistakeholder-Prozessen.   


Ben Horsbrugh (links) und René Capote (rechts) vor dem neuen Biodiversity Add-on zur Förderung der Biodiversität im konventionellen Obst- und Gemüseanbau. Das neue Add-on soll in der ersten Hälfte des Jahres 2022 für alle Marktteilnehmer eingeführt werden. Es handelt sich um eine Kooperation zwischen GLOBALG.A.P. und Lidl.

Intensive Teamarbeit bei den Prozessen
"Die Erhaltung der biologischen Vielfalt und der Nachhaltigkeit erfordert viel Teamarbeit. Als Produktentwickler besteht ein Teil meiner Aufgabe darin, die Interessen und Ideen unserer Stakeholder mit der entsprechenden Technologie in Einklang zu bringen und dafür zu sorgen, dass am Ende alle auf derselben Seite stehen", sagt Capote. "Wir helfen den Arbeitsgruppen, ihre jeweiligen Anforderungen zu definieren und aufzuschreiben. Mit Interessengruppen sind in diesem Fall Einzelhändler, Hersteller, Nichtregierungsorganisationen und sogar Wissenschaftler gemeint, die in den Prozess der Normenentwicklung eingebunden sind."

Auf die Frage, wie das Unternehmen mit den jeweiligen regionalen Unterschieden umgeht, antwortet Capote: "Ein Ansatz, den ich bei GLOBALG.A.P. kennen und schätzen gelernt habe, lautet 'Global denken, lokal handeln'. Das bedeutet, dass die Normen zwar im Allgemeinen einen globalen Geltungsbereich abdecken, wir aber auch die nationale Politik im Auge behalten müssen, die bestimmt, wie die Normen ausgelegt werden. So können die Zertifizierungen an die lokalen Gegebenheiten angepasst werden."

Lokale Initiativen 
Horsbrugh sieht in diesem Zusammenhang neue Gruppen entstehen: "In den nächsten zwei bis drei Jahren wird es wahrscheinlich viele lokale Initiativen geben. Das liegt daran, dass es viele dringende Probleme gibt, die auf regionaler Ebene gelöst werden müssen. Wir müssen auch akzeptieren, dass es eine Fülle von Standards gibt, die zusammengeführt und harmonisiert werden müssen, um letztendlich zu entscheiden, welche die besten sind und wie wir mit ihnen umgehen können. Solange es keine endgültigen Standards gibt, ist dies unsere Art, mit unterschiedlichen Idealen und Ideen umzugehen".

Zu der Frage, ob die von Zertifizierungsunternehmen wie GLOBALG.A.P. gesetzten Standards nicht auch auf regionaler Ebene erreicht werden könnten, sagt Horsbrugh: "Das ist eine zentrale Herausforderung, der wir uns ständig stellen, nämlich die Quadratur des Kreises in Sachen Nachhaltigkeit; wir haben klare Marktanforderungen und klare inhärente Bedürfnisse in Bezug auf Nachhaltigkeit. Das ist unsere tägliche Arbeit. Hinter der Entwicklung dieser Standards steht die Arbeit vieler Menschen, die auf hohem Niveau arbeiten und viel Verantwortung tragen. An einzelnen Programmen sind zum Beispiel oft zwischen 30 und 40 Personen beteiligt. Standards und Zertifizierungen funktionieren nur, wenn all diese Menschen dahinter stehen."

Capote fügt hinzu: "Ich denke, der Schlüssel ist, sich auf Multi-Stakeholder-Governance oder Multi-Stakeholder-Prozesse zu verlassen, denn um die Standards zu entwickeln, gibt es eine Ebene von Interessenvertretern, nämlich NRO, Einzelhändler und Produzenten. Damit soll sichergestellt werden, dass es eine angemessene Transparenz und eine gute Entwicklung innerhalb des Prozesses gibt". Darüber hinaus sei es auch wichtig, die Ergebnisse von Forschungsorganisationen einzubeziehen.

"Die NGOs und die Forschungsorganisationen sind manchmal die lautstärksten Stakeholder, wenn es beispielsweise darum geht, was der wissenschaftlich am weitesten entwickelte Stand der Technik ist. Diese müssen aber auch auf operativer Ebene anwendbar und kosteneffizient sein und auch mit dem Markt in Verbindung stehen. Sobald diese Standards festgelegt und von Einzelhändlern und Erzeugern akzeptiert sind, werden sie entsprechend umgesetzt.


GLOBALG.A.P. war dieses Jahr erneut auf der Fruit Logistica vertreten.

Auswirkungen der Pandemie auf die Zertifizierungsverfahren
Horsbrugh: "Während der Pandemie ist es uns gelungen, schnell Fernlösungen zu entwickeln, die vom Markt akzeptiert wurden, so dass wir ein Zertifizierungsverfahren einführen konnten, das innerhalb von drei Monaten entwickelt wurde. Zu Beginn der Pandemie gab es die Befürchtung, dass der Fokus auf Nachhaltigkeit verloren gehen würde, aber das Gegenteil war der Fall. Wir hatten tatsächlich mehr Diskussionen über Nachhaltigkeit, wobei alle möglichen Interessengruppen proaktiv auf uns zukamen. Es war ein großes Privileg für GlobalG.A.P., während der Pandemie Teil eines Kerngeschäfts zu sein. Und da die meisten von uns bereits gut vernetzt und entsprechend strukturiert waren, war dies auch für uns keine allzu große Umstellung."

Der Markt sei derzeit volatiler denn je, sagt Horsbrugh. "Störungen in der Versorgungskette betreffen definitiv unsere Stakeholder, aber nicht direkt GLOBALG.A.P. Wir müssen also auch sensibel sein für die Situation der Erzeuger und Einzelhändler, die mit unterschiedlichen Preisen zurechtkommen müssen."

Capote: "Darüber hinaus war die Nachfrage nach smarten Lösungen, also digitalen Tools sowie digitalen Dienstleistungen im Allgemeinen und sozialen Standards sehr hoch." Er sprach außerdem von der Notwendigkeit und der Wichtigkeit, angemessen auf den jüngsten ICPP-Bericht zum Klimawandel zu reagieren.

Horsbrugh bezeichnete das Thema Nachhaltigkeit als "no-brainer" in der gesamten Branche, da es heute eine Selbstverständlichkeit sei, nachhaltig zu arbeiten, während Capote betonte, dass in den nächsten zwei bis drei Jahren eine gewisse Dringlichkeit gegeben sei. Denn in diesem Zeitraum werde sich entscheiden, welche Technologie die Welt im Jahr 2050 prägen wird.

In diesem Jahr wird GLOBALG.A.P. die überarbeitete Version seines Programms IFA V6 auf den Markt bringen, das rationalisierte, intuitive und digitalisierte Lösungen für den gesamten Sektor bietet, sowie den Sozialstandard GRASP 2.0 und das Programm TR4 für die Bananenindustrie: "Dabei handelt es sich um ein Instrument, das den Landwirten einen Plan zur Risikominderung an die Hand gibt, um die Einschleppung (und/oder weitere Ausbreitung) des TR4-Erregers in, auf und von ihren GLOBALG.A.P.-zertifizierten Betrieben zu verhindern, und das die beste ergänzende Lösung darstellt, die wir bisher haben", heißt es abschließend. 

Weitere Informationen:
Dr. René Capote und Ben Horsbrugh
GlobalG.A.P. / FoodPLUS GmbH
Spichernstraße 55
50672 Köln
Tel: +49 221 57776 -0
Fax: +49 221 57776 -1999
Web: www.globalgap.org  
E-Mail: info@globalgap.org    


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