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Marktforscher warnen vor Versorgungsengpässen und Preissteigerungen

Verteuert der Klimawandel schon bald den Import von exotischen Früchten?

Fast ein Drittel aller Obst- und Gemüse-Importe nach Großbritannien wird mittlerweile in Ländern angebaut, deren Landwirtschaft durch die Auswirkungen des Klimawandels bedroht ist. In Zukunft könnte es daher zu einem Versorgungsengpass und Preissteigerungen bei diesem importiertem Obst und Gemüse kommen. Verlierer*innen der Entwicklung wären Konsument*innen, die älter als 50 Jahre sind und Haushalte mit geringem Einkommen. Das berichtet ein internationales Team, darunter der Senckenberg-Wissenschaftler Dr. Thomas Kastner im Fachmagazin „Nature Food“. Da das Konsument*innenverhalten in Westeuropa dem in Großbritannien ähnelt, lassen sich die Schlussfolgerungen der Studie übertragen.

Ananas, Mango und Avocado – was Ende der 80er Jahre noch als exotisch galt, finden Konsument*innen heute in nahezu jedem Supermarkt. Doch künftig könnten die Preise für manch importiertes Obst und Gemüse anziehen. Schuld daran ist der Klimawandel. „Im Jahr 2013 stammten 32 Prozent des Obstes und Gemüses, das in Großbritannien verzehrt wird, aus Ländern, deren Landwirtschaft besonders durch die negativen Auswirkungen des Klimawandels gefährdet ist. 1987 waren es noch 20 Prozent. Da die Importstrukturen in Westeuropa ähnlich sind, dürften die Zahlen hier vergleichbar hoch sein“, so Dr. Thomas Kastner, Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum.

Bereits in der Vergangenheit haben klimatische Extremereignisse wie Dürren in Kalifornien, Überflutungen in Latein-Amerika und extrem kalte Winter in Italien zeitweise zu Preissteigerungen bei importiertem Obst und Gemüse geführt. Eine Zunahme solcher Ereignisse ist mit voranschreitendem Klimawandel durchaus wahrscheinlich, schreibt ein Team um Pauline Scheelbeek von der London School of Hygiene and Tropical Medicine, zum dem auch Kastner gehört, in einer aktuell im Fachmagazin „Nature Food“ veröffentlichten Studie.

Die Studie zeigt, dass insbesondere tropische Früchte teurer und knapper werden könnten. „Über die Hälfte der importierten Zitrusfrüchte, zwei Drittel des importierten Beerenobstes, zu dem auch Bananen zählen, und fast alle importierten Ananas und Papaya stammen in Großbritannien nämlich aus Ländern, die durch den Klimawandel stark betroffen sein werden und denen die Kapazitäten fehlen, sich rasch und effektiv an die veränderten Anbaubedingungen anzupassen“, sagt Kastner.

Besonders Menschen in der Altersgruppe über 50 Jahre werden darunter leiden, wenn importiertes Obst und Gemüse aus durch den Klimawandel gebeutelten Ländern teurer wird. Diese Altersgruppe kauft in Großbritannien mengenmäßig das meiste Obst und Gemüse aus Ländern, in denen der Klimawandel die Landwirtschaft zukünftig stark beeinträchtigt. Ebenso wird es Haushalten mit geringem Einkommen schwerer fallen, tropisches Obst und Gemüse zu kaufen.

Kastner und seine Kolleg*innen werteten für ihre Studie Daten der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen aus. Sie berechneten, welches Obst und Gemüse zwischen 1987 und 2013 nach Großbritannien importiert wurde, wieviel und woher es stammt. Zusätzlich fanden Daten zum Einkaufsverhalten verschiedener Bevölkerungsgruppen Eingang in die Studie. Die Klimaverletzlichkeit der Anbauländer beurteilte das Team anhand des Indexes der „Notre Dame Global Adaption Initiative“ ND-GAIN).

Laut den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation sollen Obst und Gemüse fünf Mal pro Tag verzehrt werden und sie sind zudem Grundpfeiler einer umweltschonenden Ernährung. „Die zunehmende Abhängigkeit von Obst- und Gemüseimporten aus Ländern, deren Landwirtschaft durch den Klimawandel gefährdet ist, wird – sofern wir keine angemessenen Maßnahmen ergreifen – zu Versorgungsengpässen und Preissteigerungen bei Obst und Gemüse in Großbritannien führen. Damit wird das Ziel, einen hohen Obst- und Gemüsekonsum zu fördern, der der Gesundheit und der Umwelt nützt, schwieriger zu erreichen“, so die Leitautorin der Studie, Pauline Scheelbeek, London School of Hygiene and Tropical Medicine.

Die Autor*innen der Studie schlagen deshalb vor, die Zusammenarbeit mit den Anbauländern, in denen der Klimawandel die Landwirtschaft stark beeinträchtigen wird, zu intensivieren und in Maßnahmen zur Abmilderung und Anpassung an den Klimawandel zu investieren. Verbraucher*innen sollten beim Kauf von exotischem Obst und Gemüse darauf achten, dass es aus nachhaltig orientiertem Anbau kommt. Um Europa weniger abhängig von Importen aus klimawandelgefährdeten Regionen zu machen, könnte der Eigenanbau geeigneter Obst und Gemüsesorten ausgebaut werden und Konsument*innen dazu ermuntert werden, mehr Obst und Gemüse aus Europa zu kaufen.

Weitere Informationen:
www.senckenberg.de   


Erscheinungsdatum:



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