Erzeuger Theo Münch zur anstehenden Chicorée-Saison

"Frühestens Ende Oktober wird es vermehrt deutschen Chicorée geben"

Bis Monatsende werden die ersten Chicorée-Wurzeln auf den deutschen Feldern gerodet. Anschließend werden die Setzlinge in die Dunkelkammer gestellt und dort weiter aufgezüchtet, bevor sie in den Handel gelangen. „Auch in diesem Jahr hat der Chicorée während der anhaltenden Hitze extrem gelitten, deshalb rechnen wir eher mit bescheidenen Erträgen. Erste treibfähige Ware aus deutscher Erzeugung wird erwartungsgemäß frühestens Ende Oktober erhältlich sein“, erläutert Theo Münch, Chicorée-Erzeuger im rheinischen Gelsdorf.

Aufgrund der heißen Temperaturen sei der Absatz im Sommer nicht so groß wie in anderen Jahren gewesen, blickt Münch zurück. „Weil wir durch die Trockenheit im letzten Jahr weniger Wurzeln hatten, war diese Marktentwicklung eigentlich gar nicht mal so negativ.“ Momentan werden die letzten, eigenen Restbestände sowie holländische Ware aus eigener Aufzucht vertrieben.

Auch in der anstehenden Saison wird es dürrebedingt weniger Ware geben. „Aktuell schätze ich mal, dass wir höchstens 80 Prozent der gewohnten Volumina ernten werden können. Laut meiner Informationen wird es ja in Frankreich nicht besser sein, weswegen vermutlich auch weniger Importware am deutschen Markt zur Verfügung stehen wird.“

Aktuell wird der Chicorée an der belgischen Versteigerung sehr hochpreisig gehandelt (2 Euro/kg). Bild: Münch GbR.

Strenge Qualitätsvorgaben im Handel
Außer den kleineren Erträgen bringt der Klimawandel noch eine zweite Herausforderung für die Erzeuger mit sich. Das handelsübliche Produkt mit drei oder vier Stück in einer 500g-Packung habe sich mittlerweile auch in Deutschland bei allen namhaften Ketten durchgesetzt. „Aufgrund der Trockenheit hatten wir letztes Jahr vorwiegend kleinere Ware welche den Qualitätsvorgaben im Handel nicht entsprach.“

Für den Endverbraucher machen die verschiedenen Kaliber kaum Unterschied, betont Münch. „Statt dieser strengen Qualitätsvorgaben könnte man die Entscheidung stattdessen auch dem Konsumenten überlassen: Möchte man einen Salat zubereiten, holt man sich eine 2-er-Verpackung, damit man weniger Arbeitsaufwand in der Küche hat. Möchte man den Chicorée bevorzugt backen, wählt man eher die 5-er.“


Impressionen aus der Dunkelkammer / Bild: Münch GbR.

Salat-Image in Deutschland
Die Familie Münch widmet sich bereits seit vielen Jahren der Chicorée-Produktion und gehört mit zu den größeren Anbietern in Deutschland. Das bitter-aromatische Treibgemüse aus deutscher Erzeugung hat sich über die Jahre hinweg vorwiegend als Winterartikel im Handel etabliert. „Chicorée wird in Deutschland nach wir vor erstens mit Salat und zweitens mit Wintergemüse assoziiert. Sobald es aber wärmer wird, greift man eher auf andere Salatarten – etwa Eissalat und Blattsalat – zurück. Wenn es aber im November eine Frostphase gibt in der die Endivien erfrieren, steigt man im Gegenzug direkt auf Chicorée um.“

Im Vergleich zu den traditionellen Anbauländern – den Niederlanden, Belgien und Frankreich – bleibt der deutsche Chicorée-Anbau weit zurück, beobachtet Münch. „Der Trend hin zur regionalen Ware ist auch beim Chicorée abzusehen und wir sind als deutsche Erzeuger auch gut verteilt. Dennoch reichen die Produktionsmengen bei weitem nicht aus um den einheimischen Markt mit regionaler Ware zu bedienen.“


Chicorée-Setzlinge auf dem Hof Münch / Bild: Münch GbR.

Fehlende Hofnachfolge
„Wenn wir die regionale Karte spielen können, gibt es noch Luft nach oben“, kommentiert Münch das allgemeine Wachstumspotenzial des Gemüses. Er sieht aber ein grenzübergreifendes Problem für die Chicorée-Zucht. „Ich frage mich wie es mit der Hofnachfolge in den großen Anbauländern aussieht. Meine Einschätzung ist, dass die bestehenden Erzeugerbetriebe größer werden, während keine neue Betriebe gegründet werden. Das könnte auf Dauer ein Problem werden“, heißt es schließlich.

Weitere Informationen:
Chicorée-Treibbetrieb Theo Münch GbR.
Burgstr. 2
D-53501 Gelsdorf (Grafschaft)
T: +49 (0) 22 25-1 79 77
F: +49 (0) 22 25-1 86 57
theomuench@t-online.de  
http://www.deutscher-chicoree.de/  


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