Erste virtuelle Messe der Obst- und Gemüsebranche erhält vermischtes Feedback

"Es war ein guter Anfang aber es muss noch viel gelernt werden"

Die weltweit erste virtuelle Messe für Frischeprodukte, United Fresh LIVE!, ging am vergangenen Freitag, dem 19. Juni, nach einer vollgepackten Veranstaltungswoche zu Ende. Mehr als 12.500 Menschen meldeten sich für die Veranstaltung an und mehr als 7.500 waren gleichzeitig online. Allgemeine Sitzungen, Workshops, Kaffeegesprächsrunden, Fitnesskurse am Vormittag, Netzwerkempfänge sowie die Messe erreichten Tausende von Teilnehmenden. "Sie haben dies wirklich zu einer der außergewöhnlichsten Erfahrungen unserer Produktionskarrieren gemacht", sagten Michael Muzyk, Vorstandsvorsitzender von United Fresh, und Tom Stenzel, Präsident und CEO der Organisation.

Die ausstellenden Firmen stammten vorwiegend aus den Amerikas, aber auch die eine oder andere deutsche Firma hatte einen Stand auf der virtuellen Expo. FreshPlaza sprach mit den internationalen Kollegen über den ersten Eindruck und die Zukunft der virtuellen messe. Eins ist klar: Keiner wusste im Voraus was von der Veranstaltung zu erwarten war und es gibt definitiv Verbesserungsbedarf, wenn die virtuelle Messe das Medium der Zukunft werden soll.

Michael Muzyk und Tom Stenzel.

Bildungssitzungen besser zugänglich
Traditionell hat United Fresh viel Lob für seine Bildungsveranstaltungen erhalten und dieses Jahr war keine Ausnahme. Während der Messe wurden jeden Tag zahlreiche hochwertige Workshops angeboten, die für alle Teilnehmenden kostenlos waren. Normalerweise finden die Fortbildungssitzungen während der Expo-Stunden statt, was die Teilnahme für die Aussteller schwieriger macht. Mit dem virtuellen Format fanden die Bildungssitzungen vor den Expo Power Hours statt und werden bis September auf Anfrage verfügbar sein.

Ein weiteres Schlüsselelement der Messe ist der Expo-Floor, eine virtuelle Ausstellungsfläche in diesem Jahr. Mehr als 200 Unternehmen stellten aus, von denen etwa 85 neu auf der United Fresh Ausstellungsfläche waren. Es handelt sich um einen relativ großen Anteil an neuen Ausstellern, was zum Teil darauf zurückzuführen ist, dass außer dem Stand keine weiteren Kosten anfielen. Ohne Kosten wie Flugtickets, Hotels und Mahlzeiten war die Eintrittshürde relativ niedrig.

Den ausstellenden Unternehmen wurden wertvolle Analysen vorgelegt. Sie konnten sehen, wer ihren Stand besuchte, was sich die Besucher am Stand ansahen und wie lange die einzelnen Besucher dort verweilten. Viele Aussteller teilten mit, dass ihre Firmenvideos das größte Interesse weckten. Einige Aussteller hatten mit dem digitalen Format insofern zu kämpfen, als dass es schwierig war, mit Käufern in Kontakt zu treten und Beziehungen aufzubauen.

"Wir applaudieren der United Fresh Association für ihre Bemühungen, das Messeerlebnis unter einzigartigen Umständen neu zu gestalten", sagte Danny Mucci, Präsident für Verkauf & Marketing bei Mucci Farms. "Die United Fresh Live war eine interessante Erfahrung, vom Aufbau eines digitalen Stands bis hin zur virtuellen Begegnung und Begrüßung von Menschen. Es war schön, mit einer Vielzahl von Teilnehmenden aus der gesamten Branche zu plaudern, und wir haben uns gefreut, mit ihnen über unsere neuen Produkte, Verpackungen und neuesten Nachhaltigkeitsinitiativen zu sprechen. Die virtuelle Expo hat die Chance, einen großen Einfluss auf die Branche auszuüben, und wir sind gespannt, welche Rolle sie in Zukunft spielen wird", so Mucci.

Virtueller Stand von Mucci Farms

Größeres Angebot außerhalb der Messe
Das britische Unternehmen RedPack Packaging Machinery, das auch einen Sitz in Deutschland hat, sieht noch Verbesserungsbedarf - sowohl von Seiten der Organisatoren als auch von ihrer eignen. "Wir haben so etwas noch nie zuvor gemacht, es war also eine ganz andere Erfahrung. Beim nächsten Mal werden wir besser wissen, was uns erwartet", erzählt Giles Briston. Sie erhielten einige Anfragen von Besuchern, die zu ihrem Stand kamen, und sie konnten auch mit anderen in Kontakt treten, indem sie zu ihren Ständen gingen. "Es war ein wenig schwierig, jemanden zu 'erwischen', während er auf unserer Seite war. Wir können sie auch danach noch kontaktieren, aber uns fehlte definitiv die direkte Interaktion - es war nicht wie eine richtige Ausstellung, bei der man physisch interagieren und sein Produkt zeigen kann."

Für die Zukunft erhoffen sie sich Verbesserungen bei der Kontaktaufnahme mit Besuchern. Sie planen auch, ein interaktiveres Feature außerhalb des Ausstellungsraums anzubieten: "Wir möchten unsere Präsenz verbessern und sicherstellen, dass wir pro-aktiver sind. Wir möchten Präsentationen über Zoom anbieten und Unternehmen gezielt einladen, uns zu besuchen. Es ist eine Lernkurve für alle Beteiligten."

"Virtuelle Plattform nur für Bildungszwecke geeignet"
Nicht alle sprachen so positiv über die Plattform. Ein anderer Aussteller aus dem Maschinenbereich, der ebenfalls auf dem deutschen Markt aktiv ist, erzählte FreshPlaza: "Wir hatten große Hoffnungen in diese Ausstellung und das virtuelle Format gesetzt und viel Zeit mit der Vorbereitung verbracht. Wir haben uns bemüht unser Arbeitsumfeld und unsere Assets aufzubauen, sowie die Veranstaltung und unsere Teilnahme über verschiedene Medienkanäle zu bewerben. Leider sind wir nicht annähernd an die Ziele herangekommen, die wir uns selbst gesetzt haben, basierend auf den Erwartungen, die wir normalerweise für eine Veranstaltung dieser Größe haben."

Der Stand war nur gering frequentiert worden, und es sei schwierig gewesen, mit denen, die an unseren Stand kamen, in Kontakt zu treten. "Wir erhielten meist pauschale Standposts, die Produkte verkauften, die für unser Geschäft nicht relevant waren." Sie waren sich nicht sicher, ob sie in Zukunft an einem digitalen Format teilnehmen würden: "United Fresh hat etwas Neues ausprobiert und hoffentlich haben alle aus dem Verlauf gelernt. Wir freuen uns auf neue Wege, um Aussteller und Besucher zu begeistern, andernfalls könnte es sein, dass diese Art des Formates ausschließlich für Bildungszwecke verwendet werden sollte."

"Vielleicht bringt die Nachbereitung noch mehr Erfolg"
Auch die KRONEN GmbH war "mit dabei" auf der United Fresh LIVE!. Der geschäftsführende Gesellschafter Stephan Zillgith zeigt sich optimistisch. "Es war auf jeden Fall eine neue Erfahrung und ist sicher noch verbesserungswürdig. Wir sehen Vorteile und Nachteile des Formates und der Umsetzung: Einerseits kann man zwar einsehen, wer unsere Seite besucht hat und im Nachhinein noch Kontakt aufnehmen. Andererseits fällt es schwer direkt mit den Interessenten ins Gespräch zu kommen. Vielleicht bringt die Nachbereitung noch mehr Erfolg."

Dabei hatte man sich technisch gut auf das Event vorbereitet: "Wir hatten Google Glasses und eine GoPro-Kamera zur Verfügung um in der Power-Hour Präsentationen machen zu können, dieses Angebot wurde aber nicht wirklich genutzt. Auch unsere live Demo, die sogar im Programm angekündigt wurde, kam nicht richtig zum Tragen. Der von der Organisation angebotene Yogakurs war sehr gut besucht, habe ich gesehen", lacht er.

Wegen des virtuellen Formates und des kostenlosen Zugriffs für Besucher hatte Zillgith sich ein internationaleres Publikum erhofft: "Letztendlich kamen aber wie bei der Präsenzveranstaltung viele Interessenten aus Nord- und Südamerika. Das erwartete weltweite Interesse ist ausgeblieben."

"Es war die erste Messe dieser Art für unsere Branche und so mussten sich sowohl die Organisation als auch Aussteller und Besucher erst einmal einfinden. Sicherlich ist das Format interessant, da es bei diesen Messen aber auch um den persönlichen Kontakt geht, bleibt abzuwarten ob es sich durchsetzen wird", sagt Zillgith abschließend.


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