Sascha Suler (BioTropic Deutschland) zum Ausnahmezustand:

"Nach und nach kommen die Mitarbeiter aus den Home-Offices zurück."

Seit gut drei Monaten leben wir nun mit Corona. Der Ausnahmezustand wird zur Normalität mit Folgen, die den einen härter und den anderen weniger hart betreffen. Eines ist klar: Es ist noch nicht vorbei und wir müssen weiterhin Regeln beachten, die unser Leben beeinflussen. In Europa hat es sich vielleicht etwas beruhigt – aber der Blick auf andere Kontinente zeigt, dass die Entwicklung in anderen Teilen der Erde noch am Anfang steht.

BioTropic hat deren Mitarbeiter*innen in den Niederlassungen erneut gefragt, wie die Situation bei ihnen aussieht. „Der Alltag im Duisburger BioTropic-Büro normalisiert sich langsam wieder", schreibt Sascha Suler, Betriebsleiter Deutschland. "Wir haben Umbaumaßnahmen in den Büroräumen in die Wege geleitet, indem wir mehr Platz zwischen den Schreibtischen geschaffen und neue Trennwände installiert haben. Nach und nach kommen die Mitarbeiter aus den HomeOffices zurück."

Körperliche Mehrarbeit & mehr Zeitaufwand
Man merkt, dass die Mitarbeiter, die in den letzten Monaten zusätzlich belastet wurden, ihre Energien wieder auffüllen müssen. "Ein Klick in unserem Bestellprogramm heißt körperliche Mehrarbeit und mehr Zeitaufwand für die Kolleg*innen im Lager."

Generell sei die Erfahrung des HomeOffice eine Bereicherung, berichtet Suler des Weiteren: "Viele Kolleg*innen konnten Ihre Aufgabe gleichwertig bewältigen, wogegen andere auf den täglichen Kontakt im Betrieb angewiesen sind. Vor allem menschlich sind viele froh, wieder täglich ins Büro kommen zu können.“

Hier gelangen Sie zu den Kommentaren der übrigen BioTropic-Niederlassungen.

Dick Troost, Betriebsleiter – Büro Niederlande
„In den Niederlanden hat sich die Lage sehr beruhigt. Seit dem 1. Juni haben die Restaurants und Pubs ihre Türen und Terrassen wieder geöffnet. Selbstverständlich muss man den Abstand von 1,5 Metern weiterhin einhalten. Seit Anfang Juni sind die Schulen wieder voll in Betrieb, d.h. alle Kinder gehen zur gleichen Zeit in die Schule, fünf Tage in der Woche. Ich bin sehr froh drüber, dass meine Mädels wieder zu 100% in die Schule gehen, denn sie haben mich ab und zu fast in den Wahnsinn getrieben, vor allem wenn ich im Homeoffice war.

Zur Zeit buchen die Niederländer wieder Urlaube im eigenen Land, die Deutschen haben wahrscheinlich bis September keine Chancen mehr.

Wir können uns nicht beklagen, was die Umsätze angeht. Es gibt viel Nachfrage nach Bio Obst und Gemüse – die Leute wollten fit bleiben. Langsam normalisiert es sich aber wieder.
Die Verladung aus Südamerika ist unterschiedlich gelaufen, einige Lieferanten hatten mehr Problemen mit der Anzahl der Arbeiter in den Packhäusern als andere.“

Odile Bouron, Betriebsleiterin – Büro Frankreich
„Die Lage hat sich in Frankreich weiter normalisiert: Am 11. Mai wurden die Beschränkungen gelockert, d.h. man durfte sich wieder in einem Umkreis von 100 Kilometer frei bewegen. Ab den 2. Juni wurde auch diese Regel aufgehoben und die Cafés und Restaurant haben wieder geöffnet – zwar mit Abstandsregeln, aber das muss so sein. Mehr Schüler durften wieder in die Hochschulen und Gymnasien. Ab dem letzten Wochenende dürfen alte Leute in Altersheimen wieder von ihrer Familie besucht werden. Das soziale Leben kann also wieder stattfinden.

Das Büro in Perpignan ist wieder vollständig besetzt. Da die Räume groß genug sind, haben wir keine Probleme, die Abstände einzuhalten. Wir alle sind froh, wieder miteinander agieren zu können. Die Belastung durch den komplizierteren Informationsfluss (in unserer Branche sehr wichtig und es muss immer sehr schnell gehen) ist überwunden. Die Geschäfte und Prozesses laufen wieder runder.“

Doris Thewes, Betriebsleiterin – Büro Italien
„Wir möchten gerne wieder ‚Normalität‘ erleben – die Leute möchten keine Corona-Nachrichten mehr hören. Andererseits: Es ist wichtig, dass wir darüber berichten, was auf anderen Kontinenten vor sich geht. Schließlich haben wir Kollegen*Innen vor Ort, welche die Lage aus dem Alltag heraus beschreiben können. Normalität heißt nämlich leider auch, dass diejenigen Menschen, die gut leben, möglichst nicht weiter durch Probleme gestört werden wollen – Länder und Menschen mit Problemen machen sich solche Gedanken nicht, da geht es ums Überleben.

In Europa scheint Corona zunächst eingeschränkt zu sein – in Italien ist jetzt alles offen (noch keine Diskos oder Großveranstaltungen – aber Fußball wird kommen…). Jeder redet vom Tourismus, die Einnahmen machen schließlich einen Großteil unseres BIP aus. Griechenland und Österreich meinten: Alle dürfen rein, nur die Italiener nicht. Dann hieß es, nur die Norditaliener dürfen nicht über die Grenze… jetzt sagen die Italiener: Zu Hause ist es auch schön – Küste haben wir genug, Berge und gutes Essen auch. Das sagen die Deutschen auch: Man kann auch zu Hause bleiben – Sylt kann jedoch nicht alle deutschen Urlauber aufnehmen, sollen sie doch besser nach Mallorca, Italien oder Griechenland fahren.

Die ersten Deutschen sind bereits unterwegs in Italien. Venedig für sich alleine zu haben oder in Cinque Terra ohne Amerikaner die Küste entlang zu laufen, das hat auch was.

Aber das sind unsere Probleme – Probleme von Menschen, die einen Job haben und sich auf das Wesentliche besinnen wollen. Die Menschen, die nur zu essen haben wenn sie arbeiten, befinden sich in einer völlig anderen Situation.

Selbst in Europa gibt es davon sehr viele. Italien hat gerade ein wichtiges Gesetz verabschiedet, um 500.000 illegale ausländische Arbeitskräfte zu legalisieren. Hört sich gut an, aber für die Betroffenen ist es nur ein kleiner Fortschritt – Geld bekommen sie dadurch noch keines.

Betrachtet man die Situation in Afrika, Asien oder Südamerika, in denen Covid 19 gerade erst richtig los geht, sollten wir unseren Horizont besser erweitern.

Dort gibt es keine Sicherheiten, wie ein soziales Netz oder gesetzliches Gesundheitssystem. Gerade vor diesem Hintergrund ist es jetzt wichtig, sich nicht zurückzuziehen und nur lokal zu denken. Es gibt viele Menschen in diesen Ländern, die seit Jahren ihr Land biologisch und somit umweltschonend bewirtschaften und für die lokale Bevölkerung eine wichtige Lebensgrundlage darstellen. Und ihr Markt ist aktuell immer noch Europa.“

Pernille Krøyer Dynesen, Betriebsleiterin – Büro Spanien
„Ab 1. Juli sind die Grenzen wieder offen und Touristen können wieder reinkommen. Andalusien ist schon offen, vorher nur in der Provinz Malaga. Restaurants dürfen wieder 75 Prozent der Tische belegen.

Die Bevölkerung hat ein bisschen Angst, dass die Infektionsrate dann wieder steigt. Die Menschen haben Respekt und halten die Regeln strikt ein. Wir brauchen die Einnahmen, aber gerät dann wieder alles außer Kontrolle? Wir machen uns Sorgen, wie es in den anderen Länder weitergeht und sich entwickelt. Wie wir aus Costa Rica hören…., Länder, die nicht so vorbereitet sind wie wir und auch die medizinischen Möglichkeiten nicht haben.

Unser Büro ist wieder voll besetzt. Generell sind wir froh, wieder hier zu sein. Wir haben gesehen, dass die Arbeit von zuhause funktioniert, aber besser ist es doch im Büro.“

Volker Schmidt – Büro Costa Rica / Dominikanische Republik
„In den letzten zwei Wochen hat sich die Lage in Costa Rica stark verschlechtert. Nicaraguaner, die den Großteil der Belegschaft im Agrar- und Dienstleistungsbereich stellen, haben die Krankheit durch Arbeitsmigration in die Grenzregion gebracht. Der nicaraguanische Präsident Ortega leugnet das Virus leider. Deswegen kam es im Land zu einer Explosion von Krankheitsfällen.

Die gesamte Grenzregion zu Nicaragua (auch die, in der wir leben und in der sich unsere Produktion befindet) unterliegt daher seit einer Woche strengsten Auflagen. Sie gehen weit über den Lockdown hinaus, der im März für das ganze Land verhängt wurde und bereits für eine flächendeckende Wirtschaftskrise gesorgt hat.

Alle unsere Arbeitskräfte auf dem Feld und in der Packstation sind Nicaraguaner. Diese leben am Rand der Dörfer in kleinen sogenannten ‚Barrios‘. In einem dieser Barrios kam es letzte Woche zu einem Mega-Ausbruch. Dort wohnen auch Angestellte von uns. Die Behörden haben die Packstationen in der Gegend geschlossen und die Barrios stehen nun unter Quarantäne. Die Lage hat sich dann am Wochenende weiter rapide verschlechtert. Die Situation in den Dörfern rund um La Fortuna, also dort wo die Nicaraguaner leben, die in unserer Packstationen arbeiten, ist außer Kontrolle. Die örtlichen Krankenhäuser sind am Limit.

Womit BioTropic den Menschen vor Ort helfen wird: Für Costa Rica haben wir von der DEG-Bank (Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft) finanzielle Unterstützung aus dem ‚Corona Response Fund‘ für laufende PPP´s bewilligt bekommen, die für die Kosten der ‚Anti Corona Maßnahmen‘ verwendet werden können. Damit ist BioTropic-Costa Rica in der Lage, die aufwändigen Maßnahmen zur Infektionsvermeidung (Hygienemaßnahmen bis in die Häuser der Mitarbeiter, Schulungen, Bereitstellung von Hygieneartikeln, Testen aller Mitarbeiter, Umgestaltung der Packstationen, Hilfe etc.) und zur Unterstützung der vielen Kleinbauern und Arbeiter zu bewältigen, die nun ohne Einkommen dastehen.

Der ‚Corona Response Fund‘ ist ein zeitlich beschränktes Angebot des BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) an Firmen, die gerade ein PPP-Projekt (Public Private Partnership) durchführen, so wie wir es seit 10.2018 in Costa Rica tun.“

…und in der Dominikanischen Republik:
„Hier wurden kürzlich wie in Europa die ersten Lockerungen des Lockdowns eingeleitet. Die Dominikanische Republik hatte relativ hohe Infektionszahlen, die Ausbreitung verlangsamt sich jetzt aber Gott sei Dank. Die Lockerungen sind bitter nötig, um die Wirtschaft wieder in Gang zu setzen, weil der Lockdown flächendeckende Armut und Hunger gebracht hat, da es dort keine Unterstützung bei Arbeitslosigkeit gibt.“

Kuemkwong Siemefo, Betriebsleiter – Büro Elfenbeinküste
„In der Elfenbeinküste melden die offiziellen Zahlen 1.857 bis 3.739 Infektionen, 820 bis 1.818 Genesungsfälle und 21 bis 36 Tote. Diese Zahlen sind aber mit Vorsicht zu genießen, weil wenig getestet wird und auch die Registrierung von Corona-Toten undurchsichtig ist. Es ist davon auszugehen, dass die tatsächlichen Fälle deutlich zahlreicher sind.

Schlimm sind die wirtschaftlichen Folgen, weil der Lockdown das Land seit Monaten lähmt. Dies führt zur Vergrößerung der Armut und des Hungers. Bei uns (Ivoire Organics) wurde bis jetzt kein einziger Fall festgestellt. Es wird also weiterhin gearbeitet und verladen, wenn auch mit erheblichen Corona-bedingten Einschränkungen in der Kette Feld-Packstation-Hafen, weshalb nur ein kleiner Teil der Ware exportiert werden kann, und dies unter großem Mehraufwand.

Ansonsten wird seit kurzem, ähnlich wie in Europa, auch in der Elfenbeinküste langsam gelockert. Schulen sowie öffentliche Einrichtungen sind seit letzter Woche wieder durchgehend geöffnet. Zurzeit bleiben die Grenzen jedoch noch geschlossen, ähnlich wie viele Institutionen, beispielsweise Gerichte.“

Weitere Informationen:
www.biotropic.com  


Erscheinungsdatum:



Erhalten Sie den täglichen Newsletter in Ihrer E-Mail kostenlos | Klick hier


Weitere Nachrichten in dieser Branche:


© FreshPlaza.de 2020

Melden Sie sich für unseren täglichen Newsletter an um immer auf dem neusten Stand zu bleiben!

Anmelden Ich bin bereits angemeldet