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Enormer Kartoffelüberschuss bedroht den Markt

Die Coronakrise bringt die kartoffelverarbeitende Industrie durcheinander

Die niederländische Industrie liegt aufgrund des weggefallenen Out-of-Home-Markts so gut wie still und sucht nach alternativen Verwendungen für einen enormen Kartoffelüberschuss. Belgische Verarbeiter machen so gut es geht weiter und versuchen, die jetzige Saison zu verlängern und das vertragliche Volumen einzulösen.

Obwohl die Frühjahrsarbeiten auf dem Land beginnen und die Erzeuger dabei sind, Kartoffeln für die neue Saison zu setzen, sind die Kartoffellager noch gefüllt, insbesondere mit Pommes-Kartoffeln. Im Gegensatz zu Kartoffeln, die für den Frischemarkt bestimmt sind, scheint der Absatz der für Pommes frites geeigneten Kartoffeln aufgrund der Coronakrise einen ziemlichen Knacks zu bekommen. Hylke Brunt, Sekretär des Verbandes für die kartoffelverarbeitende Industrie (VAVI), bemerkt, dass der wichtigste Absatzmarkt für tiefgefrorene Kartoffelprodukte für die Niederlande, der Gastronomie-Markt, in ganz Europa vollständig eingebrochen ist. Dadurch wurde die Kapazität der 15 niederländischen kartoffelverarbeitenden Fabriken zurückgestuft und die Produktion fast oder komplett eingestellt. Obwohl er eine leichte Konsolidierung beim Export nach Asien und China erkennt, macht er deutlich, dass dies eine sehr schwache Erholung ist und das Volumen nicht ausreicht, um den in Europa entstandenen Schaden kompensieren zu können.


Hylke Brunt (l) & Romain Cools

Überschuss
Der VAVI-Sekretär geht davon aus, dass etwa eine Millionen Tonnen Kartoffeln, die für Pommes frites geeignet sind, nicht verarbeitet werden können. „Wie groß der Überschuss exakt sein wird, hängt von der Entwicklung auf den Absatzmärkten ab, aber es ist klar, dass in diesem Jahr etwas übrigbleiben wird.“ Eine Millionen Tonnen seien 25.000 Lastwagen mit Kartoffeln, sagt er. Für diese große Menge sucht die Branche jetzt eine anderweitige Verwendung. Dabei wäre an eine Lagerung tiefgefrorener Kartoffelprodukte zu denken. Am Rande sei jedoch vermerkt, dass die Grenze der eigenen und der externen Gefrierkapazität schon erreicht ist. Andere Alternativen könnten Tierfutter, Vergärung zwecks Energiegewinnung oder die Gewinnung von Stärke aus Kartoffeln sein. Hylke erklärt, dass sich diese Kartoffeln oftmals nicht zur Verwendung als Speisekartoffeln eignen, außerdem ist ein solcher Berg Kartoffeln einfach zu viel für den Frischemarkt. Hylke hofft, dass es der Branche gemeinsam gelingt, eine Verwendung für diesen Überschuss an Industriekartoffeln zu finden. Weniger optimistisch ist er über deren Erlös. „Wir versuchen, eine Verwendung zu finden, die ein positives finanzielles Saldo ergibt, damit die Erzeuger etwas davon haben. Wir suchen bevorzugt nach Wegen, die der Kartoffelkette nicht kosten und sogar etwas abwerfen. Und das ist spannend.“ Dabei konstatiert er, dass die Branche gut beraten ist, die sich aus den Verträgen ergebenden Verpflichtungen einzuhalten, wobei es unmöglich ist, dieses Volumen komplett zu Pommes zu verarbeiten. Die Branche bemüht sich um eine kurzfristige Lösung, damit der Überschuss möglichst geringe Auswirkungen auf die kommende Saison hat, obwohl Hylke feststellt, dass sich die Industrie derzeit mit der Abschließung von Verträgen für neue Ernten zurückhält.

Katastrophenjahr
Hylke prophezeit, dass die Folgen dieser Krise noch eine Weile andauern. „Dies ist ein Katastrophenjahr. Die Branche sieht sich einem deutlichen finanziellen Rückschlag gegenüber.“ Er rechnet damit, dass die Branche im Falle einer Wiederaufnahme des zuvor üblichen außerhäuslichen Verzehrs von Kartoffelprodukten erst zum Jahresende hin wieder annähernd 100 Prozent der Produktionskapazität erreichen kann. „In diesem Fall würden über das Jahr 2020 ein Viertel weniger Rohstoffe verarbeitet werden, was auf einen Umsatzverlust von minimal 500 Millionen für die niederländische verarbeitende Industrie hinausläuft. Die Kartoffelkette steht in den Niederlanden einigermaßen gut da, so dass wir die Krise hoffentlich bewältigen, aber wir werden dennoch einen ziemlichen Schlag abbekommen.“ Der Schlag werde derart sein, dass staatliche Unterstützung notwendig ist, sagt Hylke. „Es zeigt sich, dass die von den staatlichen Stellen lancierten Regelungen der Situation nicht gerecht werden, auf die sich viele Land- und Gartenbauorganisationen einstellen müssen. Was uns betrifft, so muss eine gesonderte Regelung kommen, die speziell für diese Branchen etwas tut.“ Die Kartoffelkette hat intensiven Kontakt mit den staatlichen Stellen, um den Ernst der Situation aufzuzeigen und nach Lösungen zu suchen.

Mühsam weiter
Obwohl auch die belgische kartoffelverarbeitende Industrie von der Coronakrise betroffen ist, erscheint die Situation aufgrund der traditionell starken Hinwendung zum Einzelhandel anders als in den Niederlanden. Die kartoffelverarbeitende Industrie macht so gut es geht weiter, wenngleich dies für mehrere Unternehmen aufgrund der Folgen der ‘Lockdown’-Maßnahmen schwer wird, so Romain Cools, der Generalsekretär von Belgapom, dem belgischen Berufsverband für Kartoffelhandel und -verarbeitung. „Die Nische Catering ist für alle zu einem Großteil weggebrochen, sowohl im In- als auch im Ausland. Das Gros der kartoffelverarbeitenden Betriebe, die das größte Volumen stellen – also jene Betriebe, die entweder Tiefkühlprodukte oder Chips herstellen – tut jedoch ihr Bestes, um möglichst viele Kartoffeln aus den Verträgen auch zu nehmen.“ Außerdem ist ein Volumen an freien oder nicht unter Vertrag stehenden Kartoffeln verfügbar. Unterdessen wird klar, dass vor allem diese Nische freier Kartoffeln nicht aufgenommen werden kann. Eine Schätzung der belgischen Branchenorganisation Belpotato.be rechnet mit einem Maximum an Kartoffeln von 750.000 Tonnen im Wert von etwa 125 Millionen Euro, die nicht verarbeitet werden können.

Erhöhte Nachfrage des Einzelhandels
„Betriebe, die den Einzelhandel beliefern, haben eine normale bis erhöhte Nachfrage, weil die Menschen mehr und mehr zuhause kochen und daher auch tiefgekühlte Kartoffelprodukte kaufen.“ Romain beobachtet auch, dass der Export teilweise noch weiterläuft, wenn auch zäher. „Die Leute im Verkauf arbeiten hart daran, den Export am Leben zu erhalten.“ Romain sagt, dass das große Problem dabei die Verfügbarkeit von Reefercontainern sowohl für Asien als auch für Südamerika ist. Er konstatiert eine Verzögerung der Ernten und damit der Verschiffungen aus Südamerika durch Personalausfälle, wodurch auch weniger Container für Retourfracht mit tiefgekühlten Pommes frites-Kartoffeln verfügbar sind. „Gerüchte eines teureren Seeverkehrs kommen auch unpassend.“ Als weiteres Problem für die Betriebe sieht Romain die soziale Unruhe, die hier und dort unter den Arbeitnehmern entstanden ist. „Die Betriebe tun ihr Bestes, um zu funktionieren, und gerade dann sind zusätzliche Prämienforderungen an die Arbeiter komplett unrealistisch“.

Druck auf neue Saison
Romain sagt weiter, dass die heutigen Zustände ihren Schatten schon auf die kommende Kartoffelsaison werfen. Die ‘alte’ Saison wird erwartungsgemäß länger verlaufen, indem ein Teil der Verträge der ‘alten’ Ernte, abhängig vom Potenzial der Kartoffeln, ein oder zwei Monate vorgeschoben und später abgearbeitet werden als geplant. Er stellt auch fest, dass derzeit viel Vorrat bei Tiefkühlprodukten und Flocken aufgebaut wird, die früher oder später auf den Markt gebracht werden müssen. „Daraus lässt sich schließen, dass die Kartoffelsaison 2020-2021 um mindestens ein oder zwei Monate verkürzt wird, wodurch auch die Saison der Frühkartoffeln und sogar die der Lagersaison 2020-2021 unter Druck kommen wird.“ Das ist der Grund, warum die Erzeuger von der Branche aufgerufen werden, bei der Neuanpflanzung in der kommenden Saison die Umstände zu bedenken. „Es gibt eine ganze Reihe von Erzeugern, die dabei sind, ihre Verträge bezüglich Frühkartoffeln durchzusehen. Es gibt auch immer Erzeuger, die freie Frühkartoffeln pflanzen, und die sollten sich unbedingt klarmachen, dass dies für Sie zu einem Problem werden kann.“ 

Dieser Artikel erschien bereits in der deutschsprachigen Frühlings-Ausgabe unseres Fachmagazins Primeur.

Weitere Informationen:
h.brunt@fnli.nl 
Belgapom@fvphouse.be 


Erscheinungsdatum:
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