Übersicht Weltmarkt Tomaten

Der Weltmarkt für Tomaten ist derzeit von Unsicherheit geprägt. Viele Erzeuger und Händler warten gespannt auf die Entwicklung der Nachfrage nach den Osterfeiertagen. Jetzt steigen die Preise für Tomaten immer noch, aber wird dies auch nach Ostern der Fall sein?

In vielen Ländern Westeuropas und Nordamerikas steht die Saison wieder vor der Tür, und das Angebot an Tomaten nimmt zu. Gegenwärtig sind die Händler auf den Einzelhandel und die verarbeitende Industrie angewiesen. Das Gastgewerbe liegt still und vor allem Nischenprodukte sind betroffen. Das Ausmaß, wie die Preise derzeit steigen und fallen, hängt stark von dem 'Hamsterverhalten' der Bevölkerung ab, das von Land zu Land unterschiedlich ist.

Niederlande: langsamer Start der Produktion ist Glück im Unglück
So wie auch die Nachrichten über das Coronavirus nicht vorhersagbar sind, so ist auch der Tomatenmarkt im Moment nicht planbar. Der Markt ist sehr unruhig. Kurz nachdem die Coronabombe in Woche 12 in den Niederlanden eingeschlagen ist, haben die Konsumenten gehortet, mit steigenden Preisen, doch bald darauf kam es zu einem Einbruch. Die Vorratskammern waren voll und die Preise brachen zusammen. Jetzt mit der Osternachfrage steigen die Preise wieder, aber alle befürchten das Schlimmste nach Ostern.

Glücklicherweise kamen die niederländischen Produktionen nur langsam in Gang. Wenig Licht im Januar und Februar bremste die Fruchtproduktion und daher sind die Mengen im Gegensatz zu anderen Jahren immer noch begrenzt. Was derzeit angeboten wird, fließt also (noch) gut weg, auch in einen traditionell wichtigen Markt wie Deutschland. Gleichzeitig mit den begrenzten Produktionen in den Niederlanden ist auch die Versorgung aus Spanien infolge aller dortigen Coronaprobleme begrenzt, und die Versorgung aus Marokko wurde, wie sich bereits Ende März abzeichnete, wegen aller Virusprobleme früher als üblich eingestellt.

In etwa 5-6 Wochen kommen erwartungsgemäß die größeren Produktionen auf den Markt und dann stellt sich die Frage, was passiert. Vorläufig sehr unbedeutend. Es ist jedoch deutlich, dass es bei den Tomaten vor allem die Spezialitäten sind, wie auch bei anderen Produktgruppen aus dem Gewächshaus, die die härtesten Schläge auszuhalten haben. Dumping ist (leider) auch hier an der Tagesordnung, jetzt, da das Gaststättengewerbe geschlossen ist und entfernte Ziele wie der Nahe Osten und die Vereinigten Staaten nicht zu erreichen sind. Die größeren Segmente, die eigentlichen Einzelhandelsprodukte, laufen besser, da der Einzelhandel zusätzliche Regalflächen für Bulkware einräumt und Spezialitäten dann dort keinen Platz mehr haben. Die Preise sind sehr schwach und am Ostermontag, wenn nichts verkauft, aber wohl geerntet wird, könnte alles zusammenbrechen.

Belgien: "Hamsterphase in jedem Land unterschiedlich"
Für die Zeit des Jahres waren die Preise in Belgien in der Woche 13-14 über bei den Tomaten im Allgemeinen 'anständig'. Etwas 'chauvinistischere' Käufer könnten die Ursache hierfür sein. Traditionell sieht man gegen Ostern die Preise ab diesem Donnerstag bereits fallen, nun da die die Versorgung bereits erfolgt ist und der Export, insofern möglich, bereits stattgefunden hat. Die Auswirkungen der Hamsterkäufe, die in den Niederlanden und Belgien stattgefunden haben, hat zu einem anderen Moment auch in anderen europäischen Ländern stattgefunden, mit manchmal mehr Nachfrage aus diese(n) Gebiet(en).

Es ist zu hoffen, dass sich der Markt stabilisiert, was bei den begrenzt vorhandenen Mengen, wie auch in den Niederlanden aufgrund des langsamen Wachstums infolge von wenig Licht im Januar und Februar der Fall ist, realistisch scheint. Dennoch bleibt die Frage, was passieren wird, wenn man bedenkt, dass 'niemand wirklich Erfahrung mit dem hat, was weltweit gerade vor sich geht'.

Deutschland: Inlandsprodukt in großen Mengen verfügbar
In Deutschland nimmt die Menge an heimischen Produkten spürbar zu. Seit dieser Woche wird im gesamten Tomatensegment in großen Mengen geerntet und vermarktet. Aufgrund der mangelnden Sonneneinstrahlung im Januar und Februar verlangsamte sich die Saison etwas, aber das gute Wetter der letzten Wochen hat dafür gesorgt, dass dieser Rückstand rasch aufgeholt wird. "Im Allgemeinen rechnen wir dann auch mit guten Mengen und einer guten Produktqualität", sagt Carsten Knodt, Gewächshausproduzent bei Landgard. Das deutsche Obst- und Gemüseunternehmen baut auf ca. 120 ha Fruchtgemüse an. Auch in anderen Gartenbauregionen wie Knoblauchsland (Region Nürnberg), Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ist die Tomatenernte in vollem Gange.

Dennoch spielen niederländische und belgische Tomaten aus belichtetem Anbau nach wie vor eine wichtige Rolle auf dem deutschen Markt. Vor allem im Einzelhandel und auf den Großhandelsmärkten im Ruhrgebiet werden Tomaten aus den Nachbarländern in großen Mengen gehandelt. Was die Preisgestaltung betrifft, so verursachte der Coronaausbruch extreme Marktschwankungen: Mitte März schnellten die Preise für Standardgemüse, darunter auch Tomaten, akut in die Höhe. Nun, da die meisten deutschen Bundesländer das Gaststättengewerbe geschlossen haben, muss dieses Produkt anderswo verkauft werden, und die Preise sinken logischerweise. Dieses Bild ist jedoch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.

Frankreich: Regierung appelliert, französische Tomaten zu kaufen
In diesen Krisenzeiten hat die französische Regierung den Schwerpunkt auf den Konsum französischer Produkte gelegt. Es besteht daher eine große Nachfrage nach Tomaten von französischem Boden. Die Preise sind sogar über 3,00 €/kg gestiegen, die für Strauchtomaten gezahlt werden. Aus diesen Gründen verkaufen viele niederländische Händler ihre Tomaten auch in Frankreich. Es besteht immer noch Nachfrage nach spanischen Tomaten, aber aufgrund der Wetterbedingungen und Problemen in der Logistik und Arbeit sind weniger Mengen verfügbar.

Spanien: große Nachfrage und hohe Preise, aber wie sieht es nach Ostern aus?
Die Saison in Spanien ist derzeit in vollem Gange und begann früher als in den vergangenen Jahren. Der Verkauf von Tomaten ist seit dem Ausbruch des Coronavirus im Einzelhandel um 20% gestiegen. Schließlich handelt es sich bei der Tomate um ein Produkt, das in der Küche breite Verwendung findet. Als die Menschen in den ersten Wochen in einer Reihe von Ländern begannen, zu horten, stieg der Verkauf von Tomaten an manchen Tagen um 180%. Nach diesen Wochen stabilisierte sich die Nachfrage etwas. Die Verkäufe sind um diese Jahreszeit immer noch höher als normal, aber die Exporteure sind vorsichtig. Vor Ostern sind die Verkäufe in der Regel höher, die Menschen sind besonders neugierig, was nach Ostern passiert.

Die Maßnahmen, um den Mindestabstand zu halten, höhere Produktionskosten für die Erzeuger und eine gestiegene Nachfrage haben zu höheren Preisen und mehr Bewegung auf dem freien Markt außerhalb der Programme geführt. Das meiste Geld wird für Pflaumentomaten, Kirschtomaten und Cocktailtomaten bereitgestellt. Die losen Tomaten und Strauchtomaten sind billiger. Es ist schwieriger geworden, Tomaten zweiter Klasse zu verkaufen, jetzt wo das Gaststättengewerbe geschlossen ist.  

Italien: Preis für Tomaten stimmt die Erzeuger zufrieden
40% der Tomatenproduktion in Italien befindet sich in Sizilien. Ein am Programm zur integrierten Krankheitsbekämpfung teilnehmender Landwirt ist mit dem Verkauf seiner Strauchtomaten zufrieden, die zu einem Durchschnittspreis von 0,63 €/kg verkauft wurden. In der Zwischenzeit erntet er weiterhin Kirschtomaten (1,20 €/kg), Piccalilly (0,90 €/kg) und Pflaumentomaten (1,25 €/kg). Die Produktionspreise sind um diese Zeit herum ziemlich hoch, und die Qualität der Tomaten ist sowohl qualitativ als auch quantitativ gut, vor allem dank des milden Winters. Auf dem Großmarkt in Vittoria werden Pflaumentomaten zu 2,61 €/kg, Kirschtomaten zu 1,50 €/kg, glatte, runde Tomaten zu 0,95 €/kg und Mini-Pflaumentomaten zu 1,87 €/kg verkauft.

In Norditalien ist die Ernte derzeit in vollem Gange. Eine Reihe von Landwirten hier arbeiten mit dem Anbau auf Wasser in ihren Gewächshäusern und sehen, dass die Qualität ihrer Strauch-, Cocktail- und Kirschtomaten gut ist. Der Verkauf richtet sich normalerweise an den Einzelhandel, aber es werden auch Schwierigkeiten beim Verkauf an Großhändler gemeldet. In Mittelitalien stieg die Nachfrage nach Tomaten zwischen Mitte April und Ende Mai stark an. "Im Mai beginnen wir mit der Ernte des lokalen Produkts", sagt ein Anbauer. "Dann sinkt die Nachfrage nach Tomaten wieder, aber wir sehen auch eine Verringerung des Angebots an Tomaten. Bei den farbigen Tomaten, die normalerweise für das Catering bestimmt sind, sieht die Situation in diesem Jahr anders aus. Die Nachfrage läuft nicht an, und die Preise sinken."

Südafrika: Starker Preisanstieg bei Tomaten
Der Preis für Tomaten ist in der letzten Woche um 58% gestiegen und hat aufgrund der geringen Mengen auf dem Markt ein durchschnittliches Preisniveau von 0,49 €/kg (9,68 ZAR) erreicht. Es wird erwartet, dass diese hohen Preise noch weitere zwei Wochen anhalten werden. Einige Regionen in Limpopo stellen die Produktion ein, wenn der Herbst näher rückt, während eine Region wie Komatipoort (nahe der Grenze zu Mosambik) mit der Winterproduktion beginnt. Südafrika hat eine eigene ganzjährige Versorgung von Tomaten mit Tomatenproduktionsregionen im ganzen Land, insbesondere im Freilandanbau. Nur um East London (Eastern Cape) herum gibt es geschützten Anbau in Tunneln. Allerdings stellen immer mehr Feldanbauer auf den Anbau unter Netzen um. Die verschiedenen Produktionsregionen überschneiden sich immer mehr, was dazu führt, dass die Preisschwankungen immer geringer werden.

Vereinigte Staaten: "Menschen kaufen doch weniger als McDonald's"
Es gibt derzeit genug Tomaten auf dem amerikanischen Markt. Die Bestände stammen sowohl aus dem Inland als auch aus dem benachbarten Mexiko. Dieses reichliche Angebot an Tomaten ist auf eine Verschiebung der Nachfrage oder besser gesagt auf das Verschwinden der Nachfrage aus dem Gastronomie- und Catering-Sektor zurückzuführen. Vor einigen Wochen wurde in den Supermärkten mehr verkauft, aber nach der Periode der Hamsterkäufe ist der Markt nun wieder ruhiger; nicht alle Bestände können im Einzelhandel verkauft werden. "Schließlich kaufen Menschen nicht die Mengen, die McDonald's kauft", sagt ein Landwirt aus Texas. Er erwartet, dass die Nachfrage des Einzelhandels nach seinen Tomaten wieder besser wird. Zum Preis äußert er sich kurz. "Man kann derzeit zahlen, was man selbst will."

Kanada: Erzeuger besorgt über Marktnachfrage
In Kanada nimmt die Produktion in den Gewächshäusern wieder zu. Der Höhepunkt der Saison liegt zwischen Ende Mai und Juli. Die ersten Schätzungen für das Volumen dieser Saison sind ähnlich wie im letzten Jahr. Die Preise sind es auch. Aber auch die Marktnachfrage ist für die Anbauer ein Grund zur Sorge. Die Online-Verkäufe haben jedoch zugenommen. Man sieht, dass der Verkauf der Produkte aus den Gewächshäusern etwas langsamer verläuft. Die Menschen kaufen auch weniger häufig in den Supermärkten ein, weil sie versuchen, dies so weit wie möglich einzuschränken, was sich ebenfalls auf den Tomatenverkauf auswirkt. Erwartungen für die Zukunft sind schwer einzuschätzen. "Wir befinden uns derzeit in unbekannten Gewässern", sagt ein Anbauer.

Mexiko: Exporte in die USA nicht durch Coronavirus behindert
In diesem Jahr kommen weniger Roma-Tomaten aus Mexiko, einerseits aufgrund der Witterungsbedingungen, andererseits wegen geringerer Anpflanzungen, weil es in den Vereinigten Staaten große Unsicherheit über das neue Einstellungsübereiinkommen für Tomaten gab. Obwohl die Preise derzeit auf dem niedrigsten Stand im Jahr 2020 sind, ist dies eine normale Entwicklung in der Saison. Trotz des Virus gehen bei Einfuhr in die Vereinigten Staaten immer noch weiter, so dass der Export weiterhin möglich ist.

China: Kirschtomaten werden immer beliebter
In China gibt es viele Gebiete, in denen Tomaten angebaut werden, sodass das Angebot sehr groß ist. Derzeit gibt es viele Tomaten aus Sichuan, Yunnan, Shandong, Shaanxi und Gansu. Aus diesem Grund gibt es ein ausreichendes Angebot auf dem Markt. Die Logistik bleibt im Moment noch eine Herausforderung, sodass der Verkauf etwas langsamer läuft. Die Schwierigkeiten beim Transport sind immer noch eine Folge des Coronavirus.

Der Preis ist in den letzten Monaten ziemlich stabil geblieben, und das ist positiv für den Markt. Da für viele Produktionsgebiete die neue Saison beginnt, wird der Höhepunkt der Versorgung im Juni erwartet. Gegenwärtig werden noch viele große Tomaten angebaut, aber Kirschtomaten erfreuen sich auf dem chinesischen Markt rasch wachsender Beliebtheit. Die Nachfrage ist hoch, und es wird viel investiert, um die Produktion weiter zu steigern. Es wurden auch viele neue Gewächshäuser gebaut, um die Qualität und das Angebot zu verbessern und die Nachfrage nach Kirschtomaten zu befriedigen.

Australien: Preis für Strauchtomaten aufgrund hoher Verfügbarkeit niedriger
Der Wert für Tomaten stieg in der Saison 2018-2019 um 11%, das Volumen ging im gleichen Jahr um 3% zurück. 53% der Gesamtproduktion ist für den Frischmarkt bestimmt, die restlichen 47% gehen an die Industrie. Von den 469.199 Tonnen in der genannten Saison wurden 1.000 Tonnen exportiert und 899 Tonnen importiert. Die Hauptsorte bleibt die Feldtomate (41%), gefolgt von der großen Strauchtomate (35%), der Kirschtomate (21%) und der Roma (3%). Einer der größten Tomatenproduzenten im Unterglasgartenbau berichtete, dass die derzeitige Produktion trotz der niedrigen Preise von November bis Januar gut läuft. Im Februar und März stiegen die Preise wieder an. Bei Strauchtomaten sind die Preise im Allgemeinen niedriger, weil mehr gepflanzt wurde. Aufgrund der Dürre im Süden des Landes stiegen die Preise zeitweise stark an. Preisanstieg aufgrund der Hamsterkäufe hat man im australischen Einzelhandel nicht gesehen.

Nächste Woche: Übersicht Weltmarkt Avocado


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