Joris Schonk, Fyffes:

"In den kommenden Jahren setzen wir den Fokus auf Innovation und Diversifizierung des Bananensektors“

Die Bananenbranche stand in den vergangenen Jahren im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Ist die Banane tatsächlich vom Aussterben bedroht oder ist ein weiteres Wachstum noch möglich? Wir fragten Joris Schonk, den Kommerziellen Direktor von Fyffes BV. Fyffes vermarktet weltweit etwa 70 Millionen Kartons Bananen jährlich und ist damit Marktführer in Europa. Es folgte ein Interview zu den Themen Fairtrade, Nachhaltigkeit, Blockchain und Wachstum bei Exoten. „Der Schlüssel für zukünftiges Wachstum sind Innovationen und Premiumisierung.“

Wie war das Jahr 2019 für Fyffes?
2019 war für uns ein ordentliches Jahr. Die Marktpreise lagen auf einem leicht höheren Niveau als in den beiden Jahren zuvor – hätten aber besser sein können. Unserer Meinung nach sind die Bananenpreise weiterhin zu niedrig und das Angebot übersteigt im Allgemeinen immer noch die Nachfrage. Auf den nordeuropäischen und skandinavischen Märkten wird der Bananenverkauf mit festen Preisen und Kontrakten dominiert, so dass die Marktauswirkungen nicht mehr so groß sind wie früher. Dies ist ein zunehmender Trend und stellt derzeit etwa 85 % unseres geplanten Volumens dar.

Wie groß ist die Menge der von Fyffes vermarkteten tropischen Früchte?
Bei Bananen beträgt das Gesamtvolumen ca. 70 Millionen Kartons, von denen wir 50 bis 55 Millionen Kartons in Europa vermarkten. Außerdem verkaufen wir etwa 15 Millionen Kartons Ananas und weitere 25 Millionen Kartons Melonen auf dem nordamerikanischen Markt, wo wir Marktführer für dieses Produkt sind.

Hat sich viel für Sie verändert, seit Fyffes Teil des japanischen Unternehmens Sumitomo ist?
In Rotterdam hat sich operativ wenig geändert, aber wir haben japanische Kollegen in den Bereichen Business Development und Supply Chain gewonnen. Unser starkes Executive Board ist wie bisher. Mit Sumitomo als Dachunternehmen ist Fyffes noch besser in der      Lage, unsere Wachstumsstrategie in diversen Regionen der Welt fortzusetzen und sowohl in die Vorwärts- als auch Rückwärts-Kettenintegration zu investieren.

Welchen Anteil hat der eigene Anbau bei Fyffes?
Fyffes bezieht zu 100 % der Melonen aus eigenem Anbau, bei Ananas sind es etwa 60%. Bei Bananen ist der Anteil des Eigenanbaus niedriger, da wir hier sehr effektive Partnerschaften mit großen und kleinen Produzenten in mehreren Herkunftsländern aufgebaut haben. Fyffes hat mehrere Plantagen in Costa Rica und Belize und ich glaube, dass es in Zukunft möglich ist, mehr Bananen aus eigener Produktion zu produzieren. Vor Kurzem haben wir mit der eigenen Produktion von Avocados in Kolumbien begonnen.

Sehen Sie in Nordwesteuropa noch viel Wachstumspotential für den Bananenabsatz – oder wird dies schwieriger aufgrund der Konkurrenz durch andere Früchte, die zunehmend ganzjährig verfügbar sind?
Die Bananenimporte nach Europa sind in den vergangenen Jahren maßgeblich gestiegen, das ging einher mit der ebenfalls erhöhten Produktion. Konkurrenz von anderen Früchten gibt es immer, aber die Banane ist ein konstantes Produkt im Supermarkt. Der Vorteil ist, dass Bananen eine breite Konsumentengruppe ansprechen. Fyffes plant, darauf aufzubauen und die Diversifizierung und die Segmentierung der Kategorie voranzutreiben. Zu unseren Konzepten für Kunden und Konsumenten zählen bislang Singles, Bananen für Kinder, und nachhaltige Verpackungen. Wir sehen viel Potenzial in der Entwicklung von Konzepten, die die Strategie von Angebot und Einzelhandel an den Bedürfnissen der Konsumenten ausrichtet. Unser Fokus liegt auf dem Wachstum der Bananenkategorie durch Innovation und Premiumisierung. Wir haben einen Kategorienplan entwickelt, der verschiedene Erweiterungselemente enthält, die das Produkt und das Einkaufserlebnis aufwerten.



Inwieweit gefährden Bananenkrankheiten wie TR4 und Black Sigatoka den Bananenhandel?
TR4 wurde letztes Jahr in Nordkolumbien gefunden und es besteht die Befürchtung, dass es sich in anderen Teilen Mittel- und Südamerikas ausbreiten wird. Gleichzeitig bin ich jedoch sehr beeindruckt, wie ernst die Ausbreitung dieser Krankheit von den Behörden und den Bananenproduzenten genommen wird. Die Regierung hat viel Zeit und Geld investiert, um der Verbreitung Einhalt zu gebieten, und die Plantagen so gut wie möglich zu schützen. Darüber werden betroffene Gebiete kontrolliert unter Quarantäne gestellt. Um Zutritt zu einer Farm zu erhalten, werden Hygiene-Maßnahmen angewendet und Besucher müssen Overalls und saubere Stiefel anziehen und sich ordnungsgemäß anmelden. Daher denke ich, dass die Auswirkungen weniger schnell das Ausmaß annehmen werden, wie beispielsweise auf den Philippinen oder in China. Darüber hinaus befassen sich mittlerweile viele wissenschaftliche Institute mit der Entwicklung einer resistenteren oder toleranteren Sorte. “

Wie Fairtrade sind Ihre Bananen?
Fyffes ist der europäische Marktführer bei Fairtrade-zertifizierten Bananen. Ca. 15 % unseres Gesamtvolumens sind inzwischen Fairtrade-zertifiziert, ein Teil davon ist auch Bio-zertifiziert. In den vergangenen Jahren wurden Millionenbeträge aus den Fairtrade Prämien in den Produktionsgebieten, aus denen wir unsere Fairtrade-Bananen beziehen, investiert. Diese Investitionen haben große Auswirkungen gehabt. Fairtrade ist jedoch für uns nicht das einzige Label, das für Nachhaltigkeit steht. Seit mehreren Jahrzenten leistet Fyffes in vielerlei Hinsicht einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Bananenindustrie. Wir arbeiten mit unseren Produzenten auf allen Ebenen, um das Leben der Menschen in unseren Produktionsgebieten und ihren Gemeinden strukturell zu verbessern. Der Schwerpunkt liegt auf Gesundheit, Bildung, Kultur und Sport. Fyffes verfolgt eine klare Nachhaltigkeitsstrategie, deren Pfeiler sich an den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen orientieren. Wir sind außerdem in vielen industriebezogenen, nachhaltigkeitsorientierten Organisationen aktiv, wie etwa SIFAV, WBV, ABNB und ähnlichen. Wir haben festgestellt, dass Konsumenten – insbesondere die Millennials – zunehmend Fragen zu unseren Produkten haben. Unsere „Discover More“-Kampagne widmet sich diesem Bedarf und bietet Kunden und Konsumenten einen besseren Einblick in die Entwicklung und Herkunft unserer Produkte sowie in die Werte und Verpflichtungen, die für uns dahinter stehen.

Sind Sie auch deshalb in die Blockchain-Technologie eingestiegen?
Ja, wir möchten die Herkunft unserer Bananen völlig transparent darstellen und auch einen Einblick in die gemeinsamen Anstrengungen geben, die wir in den Bereichen Soziales und und Umwelt unternehmen. In letzter Zeit wurde den sogenannten externen Effekten innerhalb der landwirtschaftlichen Produktionsketten, wie Löhne, Wasserverbrauch und CO2-Emissionen, viel Aufmerksamkeit gewidmet. Deshalb haben wir in Zusammenarbeit mit der Supermarktkette PLUS und dem Technologiepartner Supply Chain Information Management (SIM) die klimaneutrale Banane entwickelt. Dazu hat die unabhängige Climate Neutral Group die CO2-Emission pro Bananenkarton berechnet. In der ersten Stufe kompensieren wir diese und unser Ziel in der zweiten Stufe ist es, sie in der gesamten Lieferkette aktiv zu reduzieren. Dank der von SIM entwickelten Blockchain können wir Kunden und Konsumenten zuverlässige Informationen und Transparenz über die verschiedenen Phasen unserer Kette bieten. Durch Scannen des QR-Codes auf den unverpackten Bananen und Eingabe der Fairtrade FLO-ID können Konsumenten den Weg ihrer Bananen von der Plantage bis zum Einkaufskorb verfolgen. Diese Reise beginnt in einer der siebzehn Kooperativen in der Region Urabá in Kolumbien, wo die Bananen angebaut werden. Die Blockchain umfasst Informationen zur Ernte der Bananen, zu sozialen und gesellschaftlichen Aktivitäten, zu Zertifizierungen und zur CO2-Emission pro Supply-Chain-Stufe. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit unseren Partnern Initiativen zu entwickeln, mit denen sich die CO2-Emission entlang der gesamten Supply-Chain reduzieren lassen.

Können wir noch einen weiteren Ausbau Ihres Sortiments erwarten?
Im Rahmen unserer Diversifizierung haben wir unsere Fyffes Exotenlinie entwickelt. Diese besteht mittlerweile u.a. aus Gemüsebananen, roten Bananen und Babybananen, Maniok und demnächst auch Avocados aus eigenem Anbau in Kolumbien. Avocados bieten ein beträchtliches Wachstumspotenzial, und wir wollen in diesem Markt expandieren. Langfristig wird sich auf dem Avocado-Markt ein besseres Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage entwickeln. Derzeit ist dieser Markt jedoch nach wie vor nachfrageorientiert. Die Fyffes-Kampagne „Discover More“ wird dies unterstützen und den Grundstein für weitere Innovationen und die Entwicklung neuer Produkte legen. Wir werden also noch viel von uns hören lassen!

Besuchen Sie den Stand von Fyffes auf der Fruit Logistica: Halle 5.2 - Stand A-03

Für weitere Informationen:
Michaela Schneider
Fyffes
Tel: +49 (0)40 329 00 205
MSchneider@Fyffes.com 
www.fyffes.com


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