Scheindiskussion oder Verpackungsrevolution?

Renaissance der Holzsteige in Frankreich, Spanien und Italien - wann folgt Deutschland?

„Das neue Verpackungsgesetz zielt insbesondere auch die Vermeidung von Trittbrettfahrertum, setzt aber kaum Impulse hinsichtlich mehr echter Nachhaltigkeit. Die weltweite Abhängigkeit von China und anderen Ländern wurde dann schlagartig klar, als massive Einfuhrrestriktionen für diese Abfälle eingeführt wurden“, harsche Kritik an Entscheidungen von Politikern und des Handels seitens der Vertreter der Holzverpackungsindustrie. Man mache sich Sorgen um Entsorgungsprobleme und Kostensteigerung, sowie Vermüllung der Lebensräume. „Das hat nun endlich auch das öffentliche Interesse erregt.“ Aber reicht das aus?

„Die Kritik an Plastik ist inzwischen deutlich umfangreicher und stellt auch die Frage, ob Plastik nicht generell ein Material ist, welches man möglichst vermeiden sollte“, kommentiert Uwe Groll, Geschäftsführer des Grow e.V., dem Verein für umweltfreundliche Holzverpackungen. „Fast schon komisch wirken da Kunststoffverpackungen in Holzoptik. Was hat dies unter den geänderten Bedingungen mit Glaubwürdigkeit zu tun?“


Uwe Groll und Markus Benninger im Lager der Firma Benninger.

Deutlich im Trend liegen nun Verpackungen aus echten nachwachsenden Rohstoffen, die z.B. durch Kompostierung im eigenen Land im Naturkreislauf gehalten werden können. Dabei sind jedoch noch viele Fragen offen und auch Missverständnisse zu klären: „Nicht jeder versteht beispielsweise den Unterschied zwischen Plastik das ‚kompostierbar‘ ist und einem Kunststoff der aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen wurde. Beide Stoffe sind völlig unterschiedlich und es bedarf noch viel Aufklärung und Kennzeichnung, dass die gewünschten Stoffkreisläufe dann auch tatsächlich funktionieren.“


Messevertretung auf der expoSE/expoDirekt 2019: Michael Sandhas, Alexander Engel und Stephanie Delp.

Deutlich einfacher sieht es da mit dem Rohstoff Holz aus, der über ein voll funktionsfähiges Kreislaufwirtschaftssystem in Deutschland verfügt. Groll erklärt: „Während der Altpapierhandel hierbei auch international ausgerichtet ist, wird Altholz nahezu vollständig in Deutschland und den angrenzenden Nachbarländern verwertet. Dies sind heute Faktoren, die einen zunehmenden Einfluss auf die Bewertung einer Verpackung haben, auch bei den Kunden. Ebenso spielt es bei Holz eine Rolle, welche Holzsorte und aus welchen Ländern das Holz stammt. Hier gibt es durchaus Holzarten, die noch nachhaltiger gewonnen werden als andere.“ Für Holzsteigen werde nahezu ausschließlich Pappelholz verwendet, das schon ab 20 Jahren industriell genutzt werden könne. Dieses stammt fast ausschließlich aus zertifizierter nationaler oder privater Forstwirtschaft aus Deutschland und Europa.


Pappelstämme bereit für die Verarbeitung

Wie funktioniert die Herstellung der Kisten? Sehen Sie sich den Prozess im FreshPlaza-Fotobericht an.

„In Deutschland herrscht im Bereich Leichtpackmittel aus Holz immer noch eine Zurückhaltung. Der Fokus auf notwendige Veränderungen liegt zunächst vor allem im Bereich der Konsumentenverpackungen. Veränderungen in Richtung von Alternativen aus Papier, Gras und Blättern finden dort erkennbar statt. Zunächst häufig emotional geprägt und ohne alle Fragen der Migration und anderen lebensmittelrelevanten Fragen endgültig geklärt zu haben. Unsere Nachbarländer begreifen das Thema deutlich umfassender und schließen auch die Transportverpackungen ein“, so Grolls Denkanstoß.

Von einer wahren Renaissance der Holzsteige könne man in Frankreich, Spanien und Italien sprechen. Dort werde insbesondere auch der Effekt gesehen, dass Naturprodukte sich in Naturverpackungen tatsächlich glaubwürdiger und besser vermarkten lassen. Nicht nur im Biosegment erfahren Holzverpackungen eine höhere Beachtung, sondern auch im klassischen Sortiment.

Die vergangenen Jahre wurden von der Branche genutzt, um diesen Auffälligkeiten auch wissenschaftlich den Rücken zu stärken. Erkenntnisse hinsichtlich der Nachhaltigkeit des Produkts sowie der Lebensmitteleignung und Hygiene werden ständig erweitert und auch den technischen Entwicklungen rund um die eigesetzten Hölzer und Verarbeitungstechniken und gegebenenfalls eingesetzten Druckfarben angepasst. „Kaum ein anderes Material dürfte aktuell im Bereich Hygiene und Migration intensiver untersucht worden sein und hat dabei teilweise überraschend positive Ergebnisse geliefert. Zuletzt wurde sogar der Nachweis erbracht, dass Fischverpackungen aus Holz hygienisch unbedenklicher sind als Boxen aus EPS (Styropor).“

Das gelte aber auch für den Bereich von Obst und Gemüse: „Würde die Verpackungsentscheidung weniger von logistischen Fragen geprägt sein und mehr aus der Sicht der produktverantwortlichen Erzeuger liegen, würde bei einigen Kulturen deutlich mehr Holzverpackungen eingesetzt werden, um Qualität, Reife und Erscheinungsbild der Produkte besser gewährleisten zu können. Aber auch hier gibt es Änderungen, die hier zunächst von anderen Ländern ausgehen. Inzwischen wird offen ausgesprochen, dass man sich als Erzeuger mehr Spielraum für eine eigene Verpackungswahl nach Gesichtspunkten der optimalen Schutz- und Transport- und Vermarktungsfunktion wünscht.“


Dr. Florence Aviat, von YouR-ResearcH, stellte die Vorteile von Holzsteigen beim European Packaging Forum 2019 in ihrem Vortrag vor.

Groll sagt abschließend: „Auf dem European Packaging Forum im vergangenen Jahr in Düsseldorf sagte einer der Redner sinngemäß: ‚Wir werden bald sehen, ob wir hier eine Scheindiskussion führen oder vor einer Verpackungsrevolution stehen‘. Ich glaube die Richtung wird langsam klarer.“

Für weitere Informationen:
Uwe Groll
GROW GmbH
Hauptstraße 98
67133 Maxdorf, DE
+49 (6237) 929593
grow-gmbh@t-online.de 
www.grow-deutschland.de  


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