Vortrag von Inge Ribbens und Chayenne Wiskerke am Thementag Zwiebeln

Vor allem der Protektionismus scheint die niederländischen Zwiebelexporte zu bedrohen

Protektionismus und Klimawandel. Dies waren die beiden Hauptthemen des Thementages Zwiebeln in Dronten. Sowohl Inge Ribbens vom GroentenFruit Huis als auch Chayenne Wiskerke, Direktorin von Wiskerke Onions, waren sich einig: Die niederländische Zwiebel ist die schönste der Welt. Wie halten sie diese Position aufrecht?

Chayenne Wiskerke über den Einfluss des Klimawandels

Mit Zusammenarbeit und Prävention kann das Klima Chancen für die niederländische Zwiebel bieten
In einer scharfen Analyse zeigt Wiskerke der Öffentlichkeit auf, mit welchen Trends sich der Zwiebelsektor in den kommenden Jahren auseinandersetzen muss. In diesem Jahr konnten die niederländischen Zwiebeln zum ersten Mal nach Indien exportiert werden, wo die Ernte durch den schweren Monsun zerstört wurde. "Bis Dezember 2019 stieg das Defizit Indiens auf 44% und die Preise stiegen um 642%", gibt sie zu. "Das Land ist einer der größten Exporteure der Welt und plötzlich verschwand es."

Laut Wiskerke ist die Chance, dass dies in Zukunft öfter schief gehen könnte, groß. "Wenn wir uns ansehen, wie sich das Klima in den kommenden Jahren verändern wird, sehen wir Unterschiede zwischen Regionen, die mit mehr Trockenheit rechnen können, und Regionen, in denen die Niederschläge zunehmen werden. In Indien werden die Niederschläge zunehmen, während es in Afrika trockener wird. Gleichzeitig sind dies die Länder, in denen die Bevölkerung langfristig stark wachsen wird und in denen Zwiebeln eine wichtige Zutat in der Küche sind. Dies bietet Chancen für die niederländische Zwiebel, denn wir haben eine Reihe von starken Vorteilen: Die niederländische Zwiebel ist aufgrund ihrer hervorragenden Lagereigenschaften das ganze Jahr über auf dem Markt erhältlich und von hoher Qualität. Hinzu kommt der Vorteil einer starken Logistikbranche in den Niederlanden."

Wiskerke zeigt jedoch, dass es auch Bedrohungen gibt. Obwohl die Niederlande in Zukunft weniger unter mehr Niederschlägen oder extremer Trockenheit zu leiden scheint, sind sie dagegen nicht immun. Dies zeigt bereits der Vergleich zwischen z.B. der Saison 2017 und 2019, da 2018 eine extreme Trockenzeit war. Hinzu kommt der Preis der niederländischen Zwiebel. Auch politische Eingriffe, weniger Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln und die notwendigen Zertifizierungen sind Entwicklungen, die man im Auge behalten sollte. Die Vorbeugung (Entwicklung neuer Sorten, Entwässerung, Entwicklungen in der Konservierung), die Gewährleistung der Qualität und die Zusammenarbeit zwischen Erzeuger und Verarbeiter können jedoch dazu beitragen, diese Position auch in Zukunft zu erhalten. "Am Ende geht nichts über die niederländische Zwiebel."

I nge Ribbens von GroentenFruit Huis

Protektionismus - eine große Gefahr.
Eine der identifizierten Bedrohungen ist die politische Intervention. Eigentlich ein großes Kompliment für die niederländische Zwiebel, denn die Errichtung von Handelsbarrieren scheint ein Weg zu sein, den eigenen Markt zu schützen. Wiskerke wies in ihrem Vortrag auch darauf hin, dass die Exporte nach Westafrika zwar zunehmen, die Exportsaison aber immer kürzer wird, um den eigenen Markt zu schützen.

Ribbens gab einige weitere Beispiele von Ländern, die die niederländische Zwiebel aus der Tür haben möchten. "Märkte wie Russland sind seit langem verschlossen und es ist schwierig, in China Fuß zu fassen." Eine Reihe von Ländern, die in letzter Zeit eine Herausforderung darstellen, sind Panama und Indonesien. "Der Markt in Panama wurde bereits 2006/2007 geschlossen, aber nach diplomatischen Verhandlungen 2013 wieder geöffnet. Es gab jedoch Unruhen unter den lokalen Erzeugern, so dass wir jetzt sehen, dass sich die Tür nach Panama wieder schließt. Es wurden zusätzliche Maßnahmen eingeführt, wie z.B. die "120-Tage-Regel" für niederländische Zwiebeln. Unsere Zwiebeln, die auf den Markt kamen, mussten innerhalb von 120 Tagen auf dem Markt sein. Das galt jedoch nicht für andere Exportländer."

In Indonesien schließt sich die Tür auch langsam wieder. Um den lokalen Schalottenmarkt zu schützen, wurden zum Beispiel die kleinen Zwiebeln aus den Niederlanden verboten. Aber hier, wie im russischen Fall, zeigt sich, dass der Agrarsektor leicht zum Opfer politischer Auseinandersetzungen werden kann. Aufgrund von Sanktionen der EU gegen indonesisches Palmöl scheint das Land als Gegenreaktion die niederländischen Zwiebeln verbieten zu wollen.

Ribbens befürchtet, dass sich dies in Zukunft mit dem Brexit, dem Handelskrieg zwischen den USA und China und dem Trend "lokal-für-lokal" nur noch verstärken wird. Nur durch Diplomatie können Lösungen zum Schutz des freien Handels gefunden werden.


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