Europa leidet unter rekordverdächtig hohen Preisen

Zurzeit gibt es nur ein sehr begrenztes Gemüse Angebot und die Preise sind rekordverdächtig hoch. Wegen der Kälte in den südlichen Ländern und dem minimalen Angebot aus Belgien und den Niederlanden sind viele Gemüseregale in den Supermärkten leer. Heute haben wir ein Update aus Spanien und anderen europäischen Ländern über die bizarre Situation erhalten.

Murcia wichtigster Anbieter
Murcia litt kürzlich unter dem schwersten Regen seit 30 Jahren. Es ist in Europa der wichtigste Anbieter für Gemüse im Winter. Jetzt, wo Spanien und Italien nicht viel anbieten können, rückt Marokko in den Fokus. Allerdings haben sie nicht genug Angebot verfügbar, um die Nachfrage zu decken. Großbritannien importiert sogar Salat aus den USA. Philippe Binard von Freshfel sagte BBC, dass der Gemüse Sektor zurzeit vor nie dagewesenen Problemen steht. "Der Ertrag von Zucchinis, Auberginen, Tomaten, Brokkoli und Paprika ist um etwa 25% gesunken, während die Preisanstiege zwischen 25 und 40% liegen." Vor allem Zucchinis haben es schwer, man spricht sogar von einer Zucchini Krise. Immer häufiger taucht der Hashtag #courgettecrisis in Social Media auf.

Spanisches Gemüse - Zucchinis bei 24 Euro
Ein belgischer Importeur von spanischem Gemüse sagt: "Es gibt nur sehr wenig Zucchinis und das liegt nicht an der Kälte, sondern am New Delhi Virus. Es gab sowieso schon wenig und jetzt ist es fast nichts mehr. Am Montag erreichten die Zucchinis einen Rekordpreis von 24 Euro pro Schale und das ist noch immer der Fall. Pro Kilo sind das fast fünf Euro. Auberginen werden für 22 bis 24 Euro pro Schale verkauft. Gurken für 8 bis 9 Euro und die Paprika Preise sind erschreckend hoch. Rote Paprika liegt zurzeit bei 14 Euro und grüne bei 9.50 und gelbe bei 16 Euro." Die Importeure glauben nicht, dass die Preise noch weiter ansteigen werden. "Ich denke nicht, weil die Verkäufe bereits um einiges zurückgegangen sind," deutet er an. "Vielleicht werden sich die Verbraucher weniger interessieren."


Es schneit bereits in Murcia. Die Bauern bringen schnell ihre Brokkoli Ernte ein. Foto: Twitter

In Spanien soll es heute schneien
Der Mangel breitet sich in Spanien weiter aus. "Es ist wahr, dass wir im Moment nicht viel Salat haben, deswegen arbeiten wir sehr hart, um unseren Pflichten so gut wie nur möglich nachkommen zu können," sagt ein Manager einer Anbaufirma in Murcia. "Durch den Regen haben wir derzeit nicht viel verfügbar. Außerdem soll es heute sogar schneien, das ist extrem. In Murcia schneit es gerade schon."

Spanien - "Sieht fast schon aus wie eine Hungersnot"
Stephan van Marrewijk vom spanischen Unternehmen Vicasol sagt, dass die Preise in sehr kurzer Zeit enorm angestiegen sind. "Ich habe gehört, wie jemand gesagt hat, es würde fast wie eine Hungersnot aussehen. Auch morgens sind die Temperaturen winterlich. An einigen Orten liegen sie um den Gefrierpunkt herum. Das hindert das Wachstum und das Reifen des Gemüses im Gewächshaus. Auch andere Produktionsländer leiden unter dem Wetter, deswegen gibt es so wenig Angebot in Europa. Ich denke, dass die Situation etwas länger anhalten wird, auch wenn in den Läden viel weniger verkauft werden wird, weil den Verbrauchern die Preise zu hoch sind."

Walter Goesten: Der Einzelhandel antwortet nicht!
Walter Goesten, Besitzer von Harrie Goesten, sagt, dass Murcia bereits unter einer dicken Schneedecke liegt. Er deutet an, dass er von den Einzelhändlern enttäuscht ist. "Sie antworten nicht auf die Marktsituation, also auf das Angebot und die Nachfrage des Produkts. In Spanien gibt es so wenig und die Verbraucher haben nicht wirklich Verständnis dafür. Meine Kunden verstehen das, aber die Supermärkte anscheinend nicht. In manchen Supermärkten steigen die Preise überhaupt nicht, sie bleiben niedrig. In Spanien werden 14 Zucchinis für 20 Euro verkauft. Niederländische Supermärkte verkaufen sie für 1.09 Euro und 1.19 Euro. Das ist unvorstellbar! Die Situation wird in Spanien für mehr als zwei Wochen anhalten. Es gibt einfach sehr wenig Gemüse, wir wissen nicht, wo wir es herbekommen sollen. Wir wurden von Kanada angerufen. Sie haben uns Eisbergsalat angeboten, 48 Euro für eine Kiste mit 18 Kopfsalaten. So sieht es momentan aus." Er gibt ein weiteres Beispiel für die niedrigen Preise im Einzelhandel: "Zurzeit legit der Marktpreis für Eisbergsalat zwischen 17.50 und 20 Euro für 10 Köpfe. Im Laden kostet er weiterhin 99 Cent!"


Verpackungsstation Teresa Hermanos. Foto: Goesten


Bizarre: innerhalb weniger Stunden eine dicke Schneedecke in Spanien. Foto: Goesten

Die Niederlande - teures Gemüse
Auch ZON fruit & vegetables sieht die Verkaufspreise steigen. Die Produkte scheinen immer wichtiger zu werden. "Wir haben keine eigenen Bauern in Spanien und können hier nur wenig ankaufen, weil auch lokale Großhandelsmärkte im Winter Produkte kaufen wollen. Wir können einige spanische Produkte kaufen und das zu beachtlichen Preisen. Das Angebot aus Spanien und Marokko ist enttäuschend, weil es auch in diesen Anbauregionen schlimm war. Zucchinis sind teuer und auch anderes Gewächshaus Gemüse. Paprikas werden für 2 bis 3 Euro verkauft und selbst Gurken erzielen gute Preise. Man kann sagen, der Markt gerät allmählich in Panik."

Belgien - Feldsalat für 18 Euro
Einem belgischen Händler zufolge, ist der Großteil des Gemüses noch immer teuer. "Feldsalat ist von 20 Euro auf 18 Euro gesunken, aber das ist immer noch ein hoher Preis. Auch die Preise für Spinat sind etwas gefallen, sie liegen zurzeit bei 5.80 Euro pro Kilogramm. Tomaten und Rispentomaten verkaufen sich für 2.40 Euro pro Kilo und Rettich liegt bei 70 Cent pro Kopf. Lollo Bionda kostet 1.50 und Lollo Rossa 1.35 pro Kopf. Gurken kann man bei REO Veiling in kleinen Mengen kaufen. Der Preis für 350 Gramm Gurken liegt bei 66 Cent, 300 Gramm kosten 28 Cent."

Spanien - Zucchinis leiden am meisten
Willem van Rooij vom Importeur Hispalco deutet an, dass jedes Gemüse unter der Kälte und dem kalten Wetter gelitten hat. "Trotzdem hat es Zucchinis am schlimmsten getroffen. Auch Auberginen und Gurken haben Probleme. Viele Bauern haben kleine Pflanzen aussortiert, die wegen der Kälte nur sehr kleine Gurken und Zucchinis trugen. Die Pflanzen reifen einfach nicht gut. Paprikas kommen beispielsweise etwas besser mit Kälte zurecht, aber viele sind bunt gemischt. Es gibt nun nur noch halb rote oder halb gelbe oder grüne Paprikas. Die Bauern lassen sich vieles einfallen, um ihre Produktion zu retten. Auf dem Bild unten sieht man, dass Bauern Zeitungspapier nutzen, um die Pflanzen vor dem herabfallenden Tau, der sich durch die Kondensierung des Plastiks bildet, zu schützen." Er deutet an, dass alle lokalen Bauern ihre Produkte direkt auf den Markt liefern. "So werden sie wenigstens innerhalb von 10 tagen bezahlt und werden den korrekten Marktpreis für ihr Produkt erhalten. Sie gehen also kein Risiko ein, weil sie nicht auf Kommission für den Export arbeiten."



Die Bauern lassen sich etwas einfallen, um ihre Produkte zu schützen.

UK - die Situation könnte Monate lang anhalten
Jordi Vorderman, UK Sales Manager für Valstar, sagte "The Guardian", dass die Zucchini Preise schon seit dem Sommer angestiegen sind. "Das schlimmste Problem sind die kalten Nächte in Spanien und Italien. Das wirkt sich sehr auf die Zucchini Produktion aus. Und nicht nur der Preis dieser Gemüsesorten ist hoch, auch Paprikas, Auberginen und Tomaten sind zurzeit sehr teuer." Colin Putt, Sales Manager für Total Produce warnt davor, dass die Gemüse Knappheit Monate lang anhalten könnte. "Es könnte eine Weile dauern, bevor sich die Erträge in Spanien vom kalten Wetter erholt haben. Ich habe so etwas noch nie erlebt, so eine Situation mit so vielen verschiedenen Gemüsesorten. Der Großteil der spanischen Produkte, den wir erhalten, ist sehr teuer."


Nick Matthews von @totalbristol twittert, dass sie ihre Zucchinis bewachen: Ich will ja nicht sagen, dass es einen #courgettes Mangel gibt, aber wir mussten heute Bewachungspersonal einstellen!! #courgettecrisis 

UK - Salat Importe aus den USA
Der Manager von Nationwide Produce, Tim O'Malley sagte BBC, dass die Situation so schlimm war, dass sie sogar aus den USA Salat importieren mussten. Das passiert fast nie. Italien, das für gewöhnlich Selbstversorger ist und sogar zu dieser Zeit des Jahres exportiert, muss jetzt Gemüse importieren. So eine Situation gab es noch nie. Tim zufolge is es für Großbritannien eine schwierige Situation: "Wir importieren etwa die Hälfte unseres Gemüses und 90% unseres Obsts."



Briten machen sich über Zucchini Krise lustig
Außerdem ist die Zucchini Preise unter den britischen Verbrauchern zu einem Running Gag im Internet geworden. Die Panik der "Foodies" und der Leute, die verzweifelt versuchen, gesund zu essen, wird auf die Schippe genommen. Courgetti (sehr dünn geschnittene Zucchini) ist eine sehr beliebte Low-Carb Alternative für Nudeln und Spinat wird sehr häufig für Smoothies benutzt. "Diäten durch Gemüse Mangel ruiniert," titelte die Boulevard Zeitung "The Mirror". Tesco hat bereits zugegeben, dass es einen Mangel gibt, versichert aber, dass sie das Problem schnell lösen werden. Auch Sainsbury twitterte, dass sie hoffen, bald wieder Gemüse in ihren Regalen zu haben.



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