Colruyt, Delhaize, Plus, AH und Jumbo

Einzelhändler reagieren auf Dürre und Hitze: die Lage des Gemüses ist fragil

Europaweit schuften die Erzeuger um während der extremen Wetterumstände das Wachstum zu fördern. Reicht das um die Supermarktregale zu füllen? Laut des O+G-Monitors war das Sortiment der 25 beliebten O+G-Produkte letzte Woche nicht bei allen Supermärkten komplett. AH nennt die Lage fragil. Der belgische Ladenkette Colruyt hat bekanntgegeben, das das Wetter bis jetzt das O+G-Sortiment nicht sehr beeinträchtigt. Rony Neufkens, Haupteinkäufer O+G der belgischen Supermarktkette Colruyt, vermutet diese Woche eine Änderung der Lage. Einen Überblick:


Während des warmen Wetters postete Colruyt auf Facebook: Die O+G-Kühlzelle habe ein herrliches Klima

Colruyt
"Bis jetzt hat die Verfügbarkeit der Produkte kaum gelitten. Die Sonne hat das Wachstum der Tomaten sehr gefördert, das hat zu einem großen Angebot mit niedrigen Preisen geführt. Doch irgendwann hört es auf, die Pflanzen geben nur das, was sie schaffen. Dieses Moment kommt meiner Meinung nach bald", laut des Einkäufers Rony Neufkens. "Die Verfügbarkeit des Freilandgemüses ist etwas schwieriger als beim Gewächshausgemüse. "Das Fenchel-Angebot ist diese Woche schwieriger, das Angebot von Blumenkohl und Brokkoli ist nicht selbstverständlich. Eissalat ist schon länger schwierig, doch es ist möglich den Eissalat bis jetzt hauptsächlich lokal zu beziehen. Ab und zu haben wir in den Niederlanden einkaufen müssen."

Die Folgen der Wetterumstände auf das Obst und die Lagerkartoffeln sind noch unbekannt. "Wir schalten etwas später auf die belgischen Frühkartoffeln über als sonst. Die Verfügbarkeit ist erwartungsgemäß um 30 bis 40 Prozent geringer als in den anderen Jahren. Momentan haben wir noch Einfuhrkartoffeln aus Spanien auf Vorrat. Das gute heiße Wetter fördert den Kartoffelverkauf nicht. Wir werden diese Woche erwartungsgemäß auf die Frühkartoffeln umschalten."

Die Einkaufspolitik von Colruyt richtet sich darauf, das sie bei ausreichender Verfügbarkeit und Qualität sich für die belgischen Produkte entscheiden. "Für einige Produkte haben wir Vertragsvereinbarungen mit Erzeugern. Wir kaufen ziemlich viel auf die belgischen Versteigerungen ein. Wir haben dabei einen engen Kontakt mit den Erzeugern um möglichst gut informiert zu bleiben. Je Produkt oder Produktgruppe analysieren wir was wir brauchen um möglichst gut auf die Wetterumstände antizipieren zu können. Bis jetzt war die Verfügbarkeit der meisten Produkte wie gesagt gut, sodass die Preise niedrig geblieben sind, doch ich erwarte diese Woche eine Änderung dieser Lage", beschließt Rony.

Delhaize
Delhaize erwartet eine geringere Verfügbarkeit der Kartoffeln sobald die belgische Saison anfängt (September). "Die Knollen wachsen träger wegen der Dürre. Das Risiko auf Qualitätsprobleme und kleinere Kartoffeln ist größer. Sonst haben die Freilandgemüsesorten Probleme, wie Blumenkohl, Porree, Fenchel, … Das Wachstum hat sich verzögert, Erzeuger bewässern zwar, doch es gibt die Regeln der Regierung", laut Roel Delkelver von Delhaize. Sourcing ist in Belgien noch möglich, doch laut Roel beobachtet man die Lage genau. Manche Erzeuger haben Probleme mit der Lieferung der gefragten Volumen. "Wenn das der Fall ist, reden wir mit dem Erzeuger, besprechen ob wir die Spezifizierung anpassen sollen, oder wir suchen sonstwo extra Volumen dazu." Die heutige Lage hat die Preise noch nicht beeinflusst. "Wir schätzen ein, dass die Preise beeinträchtigt werden. Wir denken dabei an erster Stelle an das Freilandgemüse, Birnen einer bestimmten Größe, Erdbeeren, Salate. Was der Verkaufspreis betrifft, folgen wir den belgischen Markt", beschließt Roel Delkelver.

PLUS

PLUS Supermarkt in den Niederlanden beobachtet eine geringere Verfügbarkeit der Freilandprodukte und des Blattgemüses aus dem Gewächshaus. "Das erste hat mit der Dürre zu tun, das zweite mit der Verbrennung im Gewächshaus. Auch Produkte wie Paprikas und Gurken ertragen die extreme Hitze im Gewächshaus schlecht. Für diese Produkte schalten wir nicht auf das Ausland um. Die Niederlande sind in dieser Periode gerade das Produktionsland Europas und Nordeuropa hat die gleichen Probleme", sagt Debbie Huisman von PLUS.

"Wir haben Kontrakte zu Lieferanten (und sie mit den Erzeugern) für die Lieferung fester Zahlen an uns. Wir verstehen jedoch, dass die Lage extrem ist und arbeiten mit den Lieferanten zusammen um die Nachfrage der Konsumenten zu erfüllen. Wir motivieren die Lieferanten uns proaktiv über die Lage auf dem Feld und im Gewächshaus zu informieren. Wir bitten sie uns minimal 24 Stunden vorher zu informieren wenn die jetzigen Spezifizierungen angepasst werden müssen wegen 'unvorhergesehener Umstände'. Wir schauen zusammen welche Lösungen es gibt. Die gibt es bestimmt!" Ob die Wetterumstände die Konsumentenpreise beeinträchtigen werden, ist unklar. "Nicht alles ist jetzt sichtbar, doch die Folgen der extremen Umstände in den Niederlanden werden kommenden Monat bestimmt klar. Bestimmte Produkte werden teurer."

AH und Jumbo
Die Verfügbarkeit des Gemüses ist fragil, so macht die Wortführerin Pauline van den Brandhof von Albert Heijn bekannt. Das gilt namentlich für Feldsalat, Schaumkraut und Endivien. "Das Wachstum ist mäßig und die Erzeuger müssen viel beregnen".

Jumbo beobachtet bei vielen Produkten eine Wachstumsverzögerung, sowohl beim Obst als beim Gemüse. Es gibt jedoch bis jetzt keine Knappheiten auf dem Markt. "Neben der Verfügbarkeit könnten auch qualitative Probleme entstehen, vor allem was die Haltbarkeit der Produkte betrifft. Die Folgen sind davon abhängig wie lange die Dürre noch andauert. Deshalb ist es schwierig vorherzusagen. Für alle Produkte haben wir je Produkt Vereinbarungen mit den Erzeugern. Diese Spezifizierungen basieren sich auf die Größensortierung, Qualität, Herkunftsland, Klasse, usw. Wir weichen eventuell in Absprache mit den Erzeugern davon ab wenn das Angebot einer bestimmten Größe des Produktes von den Spezifizierungen abweicht", erzählt der Wortführer Jeske Bleeker von Jumbo.



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