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Naturland trauert um Hans Hohenester

Der Öko-Landbau war sein Beruf und seine Berufung. Seit 26 Jahren Öko-Bauer und Naturland Mitglied, hat Hans Hohenester den Verband als Präsidiumsvorsitzender und in zahlreichen weiteren Ämtern entscheidend geprägt. Auch die Entwicklung des ökologischen Landbaus insgesamt hat er, vor allem in Bayern, wesentlich mit vorangebracht. Nach schwerer Krankheit ist Hans Hohenester am Sonntag im Alter von 59 Jahren im Kreise seiner Familie verstorben.


Bild: Naturland

Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) und 16 Jahre lang gemeinsam mit Hans Hohenester Mitglied im Naturland Präsidium, würdigte den Verstorbenen als herausragende Führungspersönlichkeit des ökologischen Landbaus. „Als praktischer Landwirt hat er in hohem Maße Authentizität und Glaubwürdigkeit unserer Bewegung verkörpert“, sagte Löwenstein. „Hans Hohenester war ein Zukunfts-Macher, der vorausgedacht hat und Menschen für den Öko-Landbau begeistern konnte. Mit seiner Begeisterung und seinem Weitblick hat er Naturland geprägt und uns auch immer wieder mit der Notwendigkeit zu Veränderungen konfrontiert“, sagte Naturland Geschäftsführer Steffen Reese „Mit Hans geht ein Teil von uns – aber es bleibt auch immer ein Teil von ihm bei uns“, fügte er hinzu.

Von der Katholischen Landjugend zum Öko-Landbau
Politik und Praxis der ökologischen Landwirtschaft waren für Hans Hohenester von Beginn aufs Engste verbunden. Während der Ausbildung zum Landwirtschaftsmeister begann Ende der 1970er Jahre sein Engagement in der Katholischen Landjugend (KLJB), deren bayerischer Landesvorsitzender er von 1986 bis 1990 war. Es waren politisch bewegte Zeiten und die KLJB stritt sich im Zeichen der Schöpfungsbewahrung leidenschaftlich mit dem Bauernverband über die notwendige Ökologisierung der Landwirtschaft. Es charakterisiert den geradlinigen Menschen Hans Hohenester, dass dieses politische Engagement auch Konsequenzen für seine eigene landwirtschaftliche Praxis haben musste. 1991 stellte er gemeinsam mit seiner Frau Maria den elterlichen Betrieb im niederbayerischen Altdorf bei Landshut auf ökologische Bewirtschaftung nach Naturland Richtlinien um. Mit Erfolg: Heute bewirtschaftet der Betrieb Hohenester rund 120 Hektar Fläche, auf denen neben dem Futter für die eigenen Schweine auch Kartoffeln sowie Speisegetreide angebaut werden.

Zehn Jahre LVÖ-Vorsitzender – Öko in Bayern entscheidend mitgeprägt

Parallel dazu begann sein Engagement für den Öko-Landbau auf Verbandsebene. 1993 erstmals in den Naturland Landesvorstand Bayern gewählt, übernahm Hohenester 1994 den Landesvorsitz des Verbands wie auch den Vorsitz der gerade neu formierten Landesvereinigung für den ökologischen Landbau (LVÖ). In dieser Funktion prägte er bis 2004 die Entwicklung des ökologischen Landbaus im Freistaat entscheidend mit. So wirkte Hohenester maßgeblich mit am Aufbau der Öko-Beratung in Bayern durch die Gründung der Öko-Erzeugerringe. Er kämpfte erfolgreich für die Einrichtung des Lehrstuhls Ökologischer Landbau an der TU München in Weihenstephan, ebenso wie für den Ausbau der Öko-Forschung an der Landesanstalt für Landwirtschaft und für die Einrichtung der Öko-Fachzentren Schönbrunn und Kringell. Die Einführung der Bayerischen Öko-Erlebnistage – bis heute die wichtigste Veranstaltungsreihe zur Werbung für den Öko-Landbau in Bayern – fällt ebenfalls in seine Zeit als LVÖ-Vorsitzender. 2004 wurde Hans Hohenester für sein Engagement mit der Bayerischen Staatsmedaille in Silber ausgezeichnet.
Naturland zu schlagkräftigem Öko-Verband geformt.

Zugleich arbeitete Hohenester daran, Naturland von einer in den Anfangsjahren regional kleinteilig organisierten Vereinigung zu einem schlagkräftigen Öko-Verband mit nationaler und internationaler Bedeutung zu formen. Das tat er in wechselnden Ämtern, mit großem Engagement und Zielstrebigkeit. Nach dem Ende seiner Zeit an der Spitze der LVÖ wurde Hohenester 2005 erstmals zum Vorsitzenden des Naturland Präsidiums gewählt – und seither drei Mal im Amt bestätigt, stets mit überwältigender Mehrheit.

Sein Ziel war es dabei immer, Naturland als Verband das nötige politische Gewicht zu verschaffen, um das Beste für den Öko-Landbau bewirken zu können und zugleich die Präsenz des Naturland Zeichens im Naturkosthandel wie auch im qualitätsorientierten Einzelhandel zu stärken und so den Absatz für die Öko-Bauern zu sichern. Diesem Ziel dienten auch Projekte wie „Bio mit Gesicht“, ein 2005 von Naturland gemeinsam mit dem Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) initiiertes System der Qualitätssicherung, das Verbrauchern ermöglicht zu sehen, welche Erzeuger und Verarbeiter „hinter“ den Lebensmitteln im Ladenregal stehen.

Internationale Verantwortung und Naturland Fair
Selbst tief in seiner niederbayerischen Heimat verwurzelt, verlor Hohenester auch nie die internationale Perspektive und globale Verantwortung unserer Lebensmittelerzeugung aus dem Blick. Es war seine feste Überzeugung, dass der Öko-Landbau nur dann funktionieren kann, wenn die Bauern – egal wo in der Welt – einen fairen Preis für ihre Erzeugnisse bekommen. Die Einführung der Naturland Fair Zertifizierung 2010 war für ihn in diesem Sinne nicht zuletzt auch Ausdruck der Richtung, in die der Öko-Landbau und unsere Lebensmittelwirtschaft insgesamt sich entwickeln müssen.

Gedenkgottesdienst Ende Januar / Anfang Februar
Hans Hohenester hinterlässt seine Frau Maria und zwei erwachsene Kinder, Maria Lena und Johannes, der den Hof während der Krankheit des Vaters bereits übernommen hat und weiterführen wird. Bei Naturland wird Präsidiumsmitglied Peter Warlich bis zur regulären Neuwahl des Präsidiums im Mai die kommissarische Leitung des Verbands übernehmen.
Voraussichtlich Ende Januar / Anfang Februar wird ein offizieller Gedenkgottesdienst stattfinden. Ort und Zeit werden rechtzeitig auf der Naturland Homepage bekannt gegeben. Im Internet wird unter www.hans-hohenester.de ein Online-Kondolenzbuch geschaltet.

Quelle: Naturland

Erscheinungsdatum: 12.01.2017

 


 

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